Ultraschall statt Skalpell

MRT-gesteuerter Fokussierter Ultraschall am UKSH in Kiel

Der noch recht neue Ansatz des MRT-gesteuerten Fokussierten Ultraschalls bringt Hoffnung für Tremor-Patienten. Seit einem Jahr können Patienten mit essentiellem Tremor in Kiel eine Behandlung nutzen, die die Lebensqualität signifikant verbessern kann.

INSIGHTEC

Die Anschaffung des MRT-gesteuerten hochfokussierten Ultraschalls (MRgFUS) von Insightec wurde möglich durch eine Förderung der Damp Stiftung, die 2012 gegründet wurde. Der große Vorteil des Verfahrens: Es erlaubt die Behandlung des Gehirns ohne Öffnung des Schädelknochens. Das Verfahren ist in den USA bereits seit mehreren Jahren bei verschiedenen Tremor-Arten, unter anderem auch beim mit Parkinson verbundenen Tremor, erfolgreich im Einsatz und ist eine Alternative zur tiefen Hirnstimulation.

Dennoch ist auch dieses Verfahren nicht frei von Nebenwirkungen, die aber laut Dr. Steffen Paschen, Oberarzt in der Neurologie und Experte für Bewegungsstörungen am UKSH, mild seien, wie z.B. Parästhesien, Gangstörungen, Dysmetrie oder Geschmacksstörungen. Dagegen seien Blutungen und Infektionen kein Thema im Vergleich zur tiefen Hirnstimulation.

Essentieller Tremor gilt als eine der häufigsten Bewegungsstörungen. Die Prävalenz wird mit 5% angegeben. Betroffene leiden unter meist starken Einschränkungen im Alltag. Dank des nun verfügbaren Verfahrens können Patienten Besserung verspüren und in der Regel bereits nach wenigen Tagen das Klinikum wieder verlassen.

Bei der MRgFUS habe sich die einseitige Behandlung etabliert. Eine circa 50%ige Reduktion der Gesamttremorschwere durch einseitige Behandlung sei zu erwarten. Ein Armtremor könne um circa 80-90% reduziert werden, so Paschen. Langzeitdaten bis 4 Jahre zeigten einen konstanten Effekt. Aber selbst, wenn das Zittern wiederkommen sollte, könne man das Verfahren noch einmal anwenden, so Prof. Dr. Ann-Kristin Helmers, Oberärztin in der Neurochirurgie, bei einer Online-Pressekonferenz am 16.02.2021. Helmers erläuterte die Funktionsweise. Unter ständiger MRT-Kontrolle werde eine Narbe durch Erhitzung gesetzt. Hierfür würden Ultraschallwellen im Zielpunkt gebündelt. Der große Vorteil sei, dass eine schrittweise Erwärmung des Gehirns eine Testung (Tremorreduktion, Nebenwirkungen) ermögliche. Mit dieser Simulation sei es möglich, die endgültige Narbe am optimalen Punkt zu setzen. Laut Paschen seien bisher 17 Patienten erfolgreich in Kiel behandelt worden. Bereits behandelte Patienten wünschten sich auch die Behandlung der zweiten Körperseite. Dafür sei aber ein Abstand von 3 bis 6 Monaten nötig. Als perspektivische Einsatzmöglichkeiten sieht Paschen die Schmerztherapie, Epilepsie, Bluthirnschrankeneröffnung oder Dystonie, eventuell auch Demenz.