Gezielte Antibiotikagabe

Modellprojekt mit CRP-Schnelltest

In einem gemeinsamen Modellprojekt fördert die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg bundesweit erstmalig den quantitativen CRP-Schnelltest. Damit wollen Ärzte und Kassen eine gezielte Antibiotikagabe erleichtern.

CRP-Schnelltest

Damit Antibiotika bei bakteriellen Infektionen ihre Wirkung behalten, müssen sie gezielter eingesetzt werden. | cosinart - iStockphoto

Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) und die Mehrzahl der Krankenkassen (AOK Rheinland/Hamburg, Betriebskrankenkassen, DAK-Gesundheit und IKK classic) setzen sich weiter für die Erleichterung einer gezielten Verordnung von Antibiotika in der ambulanten Versorgung ein. Im Rahmen eines gemeinsamen Modellprojekts wird erstmals der sogenannte quantitative CRP-Schnelltest gefördert, den Hamburgs Haus-, Kinder- und HNO-Ärzte in der eigenen Praxis durchführen können und mit dessen Hilfe sie bereits nach wenigen Minuten das Ergebnis erhalten, ob ein Infekt eine virale oder bakterielle Ursache hat. Dies trägt letztlich auch dazu bei, die Entwicklung multiresistenter Keime zu verhindern.

Kölner Team

Resistente Keime möglichst früh zu erkennen, kann lebensrettend sein. DZIF-Wissenschaftler an der Uniklinik Köln haben mit Antikörpern einen diagnostischen Test entwickelt, der innerhalb von nur zehn Minuten die weit verbreitete Carbapenem-Resistenz von Acinetobacter-baumannii-Bakterien anzeigt.

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Der CRP-Schnelltest funktioniert wie ein Blutzuckertest und zeigt an, ob im Körper bakteriell bedingte Entzündungswerte vorhanden sind. Bei schweren bakteriellen Infektionen kommt es zu einem Anstieg des C-reaktiven Proteins (CRP), der bei viralen Infektionen in der Regel ausbleibt. Hieran kann abgelesen werden, ob der Einsatz eines Antibiotikums sinnvoll ist.

Den Patienten die Unsicherheit nehmen

„Die Ärzte in Hamburg haben in den vergangenen Jahren mit der Initiative ‚Antibiotika gezielt einsetzen‘ große Erfolge erreicht“, erläuterte Walter Plassmann, Vorstandsvorsitzender der KVH, „die Verordnungen gerade für Kinder sind signifikant zurückgegangen.“ Der Einsatz des CRP-Tests soll die Ärzte bei dieser Arbeit weiter unterstützen und nicht zuletzt den Patienten die Unsicherheit nehmen. „Wir hören immer wieder, dass Patienten Druck ausüben, um Antibiotika verordnet zu bekommen; mit dem Test können ihnen mögliche Sorgen genommen werden.“
 
„Es werden in Deutschland immer noch zu viele Antibiotika aufgrund einer Erkältung, Bronchitis oder Grippe verordnet“, sagt Dr. Dirk Janssen, stellvertretender Vorstand des BKK-LV Nordwest für die am Vertrag beteiligten Krankenkassen. „80 bis 90 Prozent der Atemwegsinfekte – zu denen Erkältung und Co. gehören – sind durch Viren verursacht. Antibiotika helfen hier nicht. Damit Antibiotika und besonders Reserveantibiotika bei bakteriellen Infektionen ihre Wirkung behalten, müssen sie gezielter eingesetzt werden. Der CRP-Test unterstützt Ärzte bei ihrer Entscheidung, ob ein Antibiotikum sinnvoll ist und hilft dem Patienten zu verstehen, ob ein Antibiotikum benötigt wird oder nicht.“
 
Der CRP-Vertrag wird durch eine von der Christian-Albrecht-Universität in Kiel durchgeführten wissenschaftlichen Evaluation begleitet.

Quelle: KVH, 09.10.2019