Gesundheitspolitik

Mobbing-Erfahrung ist schädlich für das Herz

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Mobbing erhöht das Risiko für Herzinfarkt. CC0 Public Domain
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Psychoterror am Arbeitsplatz geht mit einem erhöhten Risiko für Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems einher.

Dass Mobbing-Erfahrungen am Arbeitsplatz mit einem höheren Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Schlafstörungen assoziiert sind, gilt mittlerweile als belegt. Forscher von IMS Health konnten nun zeigen, dass auch der Körper bei Mobbing in Mitleidenschaft gezogen wird, denn Psychoterror am Arbeitsplatz geht mit einem erhöhten Risiko für Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems einher. Die Basis der Untersuchung bildeten anonymisierte Behandlungsverläufe aus allgemeinärztlichen Praxen.

Verglichen wurden je eine Gruppe von 7.374 Patienten mit und ohne Mobbingerfahrung im Blick auf kardiovaskuläre Ereignisse. Berechnungen zur Ermittlung des Risikos, eine Angina pectoris, einen Myokardinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, ergaben, dass dieses bei Mobbingerfahrung um 69 % erhöht war. Die Bedeutung dieses Ergebnisses reicht über die Studienresultate hinaus, da kardiovaskuläre Ereignisse zum Teil tödlich verlaufen. Das legt den Schluss nahe, dass ihre Häufigkeit de facto noch höher und der negative Effekt von Mobbing noch größer ist.

Unter Mobbing wird die systematische, andauernde psychische Schikane von Einzelnen durch Vorgesetzte, Kollegen oder Mitarbeiter im beruflichen Kontext verstanden. Eine häufig zitierte Repräsentativbefragung aus dem Jahr 2001 zur Auftretenshäufigkeit von Mobbing bei Erwerbstätigen ergab je nach Zeitraumbezug eine Betroffenheitsquote zwischen rund 3 % und 11 %.

Körperliche Schädigungen

Auch neuere Untersuchungen kommen auf vergleichbare Zahlen. Das zeigt, dass es sich um kein seltenes Phänomen handelt, und verdeutlicht die Relevanz für die aus Mobbing resultierenden möglichen Krankheitsfolgen. Inwieweit Mobbingopfer nicht nur psychische Störungen, sondern auch körperliche Schädigungen erleiden, ist noch relativ wenig erforscht. Eine litauische Studie aus dem Jahr 2011, in der Lehrer nach Mobbing-Erfahrungen befragt wurden, wies auf mehr kardiovaskuläre Erkrankungen bei Betroffenen als bei Nichtbetroffenen hin. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch Wissenschaftler aus Finnland bei einer Analyse von Beschäftigten in Kliniken. Forscher von IMS Health sind der Fragestellung nun für Deutschland nachgegangen.

Die Forscher analysierten Dokumentationen von Ärzten aus niedergelassenen Praxen auf Basis der retrospektiven Datenbank IMS. In die Auswertung flossen anonymisierte Behandlungsverläufe von 7.374 Patienten ein, bei denen Hausärzte im Zeitraum zwischen Januar 2005 und Dezember 2014 zum ersten Mal eine Mobbing-Erfahrung dokumentierten. 67 % dieser Personen waren Frauen. Die Patienten waren im Schnitt 38 Jahre alt, wobei 35 % unter 30 und 18 % über 50 Jahre alt waren.###more###

Diese Patienten wurden mit anderen ohne Mobbing-Dokumentation verglichen, wobei die selektierte Kontrollgruppe den Mobbing-Opfern hinsichtlich Alter, Geschlecht, Nachbeobachtungszeit, behandelndem Arzt und Co-Diagnosen (Diabetes, Hypertonie, Übergewicht, Hyperlipidämie) entsprach. Beide Patientengruppen wurden über maximal fünf Jahre weiterverfolgt, die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 3,4 Jahre.

Mobbing erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Angina Pectoris und Schlaganfall Innerhalb der fünf Jahre nach dem Indexdatum (Mobbing-Dokumentation bei Patienten mit Mobbing-
Erfahrung beziehungsweise ein Zufallsdatum bei der Kontrollgruppe) erlitten 2,9 % in der Mobbinggruppe, jedoch nur 1,4 % in der Kontrollgruppe ein sogenanntes kardiovaskuläres Ereignis, was einen statistisch signifikanten Unterschied bedeutet. Berechnungen unter Anwendung eines Regressionsmodells ergaben, dass das Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses durch die Mobbingerfahrung um 69% erhöht war.

Am stärksten zeigte sich der Effekt beim Myokardinfarkt (203% Risikoerhöhung), am schwächsten beim Schlaganfall (56%). Signifikant war er beim am häufigsten auftretenden Ereignis Angina Pectoris (79 %), die oft eine Vorstufe des Myokardinfarkts darstellt. Schlaganfälle wurden nur bei wenigen Patienten diagnostiziert. Weitere mit einem erhöhtem Risiko für Herzinfarkt, Angina Pectoris oder Schlaganfall assoziierte Faktoren waren ein höheres Alter, männliches Geschlecht und Übergewicht.

Kein Kavaliersdelikt

Mit den vorhandenen Daten lassen sich nur nichttödliche Ereignisse erfassen. Die Bedeutung der Ergebnisse reicht jedoch weiter: „Dadurch, dass ein Teil der kardiovaskulären Ereignisse tödlich verläuft, ist davon auszugehen, dass ihre Häufigkeit noch höher ist und der negative Effekt von Mobbing noch größer. Außerdem sind Depressionen und Angststörungen als Reaktion auf Mobbing ihrerseits mit einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse verknüpft. Das heißt, die Betroffenheit dürfte somit noch höher sein als angenommen

Da es sich bei Mobbing nicht um ein Kavaliersdelikt handelt, sondern um ein Verhalten, welches das Risiko einer schweren Erkrankung erhöht beziehungsweise deren Entwicklung beeinflussen kann, ist es wichtig, darauf zu reagieren, um den Betroffenen zu helfen. Ein Weg, wenn auch sicherlich nicht der einzige, besteht in einem individuellen kardiovaskulären Gesundheitsmanagement, da die Art der Herz-Kreislauf-Ereignisse unterschiedlich ist. Hierzu besteht auch noch Forschungsbedarf“ resümiert Karel Kostev,

Quelle: IMS Health, 28.09.2016

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