60 Jahre Nuklearmedizin in Dresden

Mit strahlenden Molekülen diagnostizieren und behandeln

Vorkongress-Symposium zu Theranostics

Gleich ein ganztägiges Vorkongress-Symposium widmet sich am 20. April einem neuen, auch Theranostics (what you see is what you treat) genannten Verfahren: Bei dieser zielgerichteten nuklearmedizinischen Untersuchungsmethode lässt sich das prostataspezifische Membran-Antigen (PSMA) mittels einer PET/CT-Untersuchung darstellen. Bei PSMA handelt es sich um einen Eiweißkörper, der auf der Zelloberfläche von Prostatatumoren verstärkt zu finden ist. Durch Bindung einer radioaktiv markierten Substanz an diesen Eiweißkörper besteht jetzt die Möglichkeit, Tumore sehr genau sichtbar zu machen und auf diese Weise auch kleinste Tumorherde nachzuweisen. Hierdurch können wichtige Erkenntnisse über die Ausdehnung des Tumors gewonnen werden.

Aber auch bei der Therapie von Prostatakrebs lässt sich das Verfahren anwenden: Dazu wird der Wirkstoff PSMA mit einem intensiv strahlenden therapeutischen Radionuklid – wie einem Betastrahler – markiert, um die Krebszellen gezielt zu vernichten. Denn Tumorzellen, die das Zielmolekül PSMA tragen, nehmen dieses Radiopharmakon auf und zerstören die Zelle von innen, während das umliegende Gewebe geschont wird.

60 Jahre Nuklearmedizin in Dresden

Bereits 1956 gründete Prof. Konrad Hennig in der damaligen Medizinischen Akademie Dresden die Isotopenabteilung der Strahlenklinik. Wenig später ging aus dieser Abteilung die Klinik für Nuklearmedizin hervor, die damit eine der ältesten Einrichtungen ihrer Art in Deutschland ist. Ebenfalls 1956 gründete sich am damaligen Zentralinstitut für Kernforschung (ZfK) Rossendorf der Bereich Radiochemie. Dies ist quasi die Vorläufereinrichtung des heutigen Instituts für Radiopharmazeutische Krebsforschung am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf. Von Anfang an arbeiteten beide Institutionen eng zusammen.

In den ersten Jahren der Nuklearmedizin ging es vor allem darum, Funktionen der Nieren, des Herzens und des Kreislaufs zu kontrollieren, ohne in den Körper einzudringen – denn eine auf Ultraschall basierende Diagnostik existierte zu dieser Zeit noch nicht. Die Nuklearmediziner nutzten deshalb radioaktiv markierte, in die Venen injizierte Botenstoffe. Mit Sonden, die die Radioaktivität außerhalb des Körpers messen konnten, ermittelten die Ärzte damals, wie viele markierte Teilchen an bestimmten Organen auftraten. Doch das Aufkommen moderner Diagnoseverfahren wie in den 70er Jahren der Ultraschall oder später die Angiographie bedeuteten keineswegs das Ende der noch jungen Disziplin in der Medizin.

„Neben der Diagnostik lag und liegt das Hauptaugenmerk natürlich auf der Therapie von Schilddrüsenerkrankungen, entzündlichen Gelenkerkrankungen und Tumorleiden oder Lymphomen“, sagt Prof. Jörg Kotzerke. Auch das ermöglichen markierte Botenstoffe, die übrigens immer nur im milliardstel und billionstel Gramm-Bereich zum Einsatz kommen und damit den Organismus äußerst gering belasten. Der Tumor weist Oberflächeneigenschaften wie Rezeptoren oder Antigene auf, für die ein radioaktiv-markiertes Gegenstück eingesetzt wird, um die Radioaktivität genau an die Tumorzellen zu bringen und dort vor Ort ihre Strahlung freizusetzen. Diese Behandlungsmethode ist besonders gewebeschonend und hat nur geringe Nebenwirkungen.

Enge Zusammenarbeit zwischen Klinik und Radiopharmazie

Um radioaktiv markierte Botenstoffe ganz spezifisch für die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten und der jeweiligen Therapie herstellen zu können, bedarf es der engen Zusammenarbeit zwischen Klinik und Radiopharmazie. Die Klinik für Nuklearmedizin des Dresdner Uniklinikums und das HZDR-Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung haben über die vergangenen Jahrzehnte eng und vertrauensvoll kooperiert. Dabei ist auch die räumliche Nähe von Bedeutung, haben doch einige Radiopharmaka eine Halbwertszeit von nur wenigen Stunden oder gar Minuten und müssen somit extrem schnell am Einsatzort sein.