Depression

Mit Elektrotherapie gegensteuern

Therapie regt bei depressiven Patienten Nervenwachstum im Gehirn an. Ein computerbasiertes Verfahren errechnet Erfolgsaussichten.

Prof. Dr. Dr. Udo Dannlowski, Prof. Dr. Volker Arolt und Dr. Ronny Redlich

Prof. Dr. Dr. Udo Dannlowski, Prof. Dr. Volker Arolt und Dr. Ronny Redlich | ukm/aw

Die Therapie ist bei schweren Depressionen höchst wirksam, aber aufwendig: Bei der Elektrokonvulsionstherapie (EKT) werden bei Patienten unter Kurznarkose im Gehirn künstlich Krampfanfälle ausgelöst. Zum Einsatz kommt die Methode, wenn psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.

„Man muss sich von der Vorstellung lösen, die viele noch aus der Anfangszeit der Elektrokonvulsionstherapie vor Augen haben. Die Therapie ist heute weit weniger invasiv und hat kaum Nebenwirkungen, muss allerdings etwa zwölf Mal erfolgen“, so Oberarzt Prof. Dr. Dr. Udo Dannlowski, der an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKM (Universitätsklinikum Münster) mit dem Klinikdirektor Prof. Dr. Volker Arolt eng zusammenarbeitet. Dannlowski beschäftigt sich seit vielen Jahren mit systemneurowissenschaftlicher Depressionsforschung und ist Sprecher einer Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Bei 70% Verbesserung zu sehen

Bei etwa 70 Prozent der Patienten mit schwerer Depression, die auf eine konventionelle Behandlung nicht angesprochen haben, verbessert sich die Symptomatik durch EKT – warum, darüber wusste man bislang wenig. Nach Ergebnissen des Forscherteams scheint die elektrische Stimulation bei depressiven Patienten offenbar neues Nervenwachstum im Gehirn anzuregen. Auch andere Autorengruppen hatten bereits Hinweise darauf gefunden. Bei chronisch depressiven Patienten ist die graue Substanz rund um den Hippocampus im Gehirn nachweislich verringert. Durch die EKT-Behandlung normalisiert sich das Volumen wieder. Bei etwa einem Viertel der Patienten jedoch ist sie unwirksam.

Erfolgsaussichten prognostizieren

Um die Erfolgsaussichten der Behandlung vorab prognostizieren zu können, hat der Psychologe Dr. Ronny Redlich aus Dannlowskis Forschergruppe gemeinsam mit Informatikern ein eigens entwickeltes Computerprogramm eingesetzt, das mit MRT-Bildern von Patienten sozusagen „gefüttert“ wird. Mit den gesammelten Daten kann das „lernende“ Programm den voraussichtlichen Behandlungserfolg mit einer Zuverlässigkeit von 80 Prozent vorhersagen. „Das ist ein bahnbrechender Erfolg“, freut sich Arolt. „Wenn sich die Ergebnisse bestätigen, müssen wir in Zukunft die Patienten, bei denen die EKT keinen Erfolg verspricht, nun gar nicht erst dieser aufwendigen Behandlung unterziehen, sondern können gleich andere Therapien versuchen.“

Patienten gesucht

Die Forscher werden nun die Ergebnisse dieser Pionierstudie weiter überprüfen. Dazu suchen sie Patientinnen und Patienten mit Depression (entweder im Rahmen eine unipolaren oder einer bipolaren, manisch-depressiven Erkrankung), aber auch gesunde Probanden im Alter von 18-65 Jahren. Nötig ist eine MRT-Untersuchung des Gehirns. Die Aufwandsentschädigung beträgt 50 Euro. Hier gibt es weitere Infos. (idw, red)