Tiermedizin

Menge der abgegebenen Antibiotika geht weiter zurück

In der Tiermedizin werden immer weniger Antibiotika abgegeben: Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilt, sank die Menge im Jahr 2017 in ganz Deutschland um 1,2 Prozent – von 742 auf 733 Tonnen.

 

Regionale Zuordnung der Antibiotika-Abgabemengen 2017 | Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

2011 wurde die Menge der an Tierärzte abgegebenen Antibiotika erstmals erfasst – damals waren es noch über 1.700 Tonnen. Seither ist diese Zahl um 57 Prozent auf 733 Tonnen zurückgegangen. Das ergab die Auswertung der inzwischen im siebten Jahr erhobenen Abgabemengendaten für Antibiotika durch das BVL. Dem gegenüber steht allerdings für den gleichen Zeitraum ein Anstieg der abgegebenen Menge an Fluorchinolonen. Diese Wirkstoffklasse ist für die Therapie beim Menschen von besonderer Bedeutung.

Hauptsächlich Penicilline und Tetrazykline

Von den 733 Tonnen, die Pharmaunternehmen und Großhändler im vergangenen Jahr an Tierärzte in Deutschland abgegeben haben, entfällt ein Großteil auf die Penicilline (269 t) und Tetrazykline (188 t). Andere Wirkstoffe sind Polypeptidantibiotika (Colistin, 74 t), Sulfonamide (62 t) und Makrolide (55 t). Von den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) als Wirkstoffe mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen eingestuften Antibiotikaklassen (Critically Important Antimicrobials for Human Medicine) wurden im Vergleich zum Vorjahr höhere Mengen abgegeben (Zunahme: 0,556 t Fluorchinolone bzw. rund 4,7 t Colistin). Dabei ist seit 2011 die Abgabe von Colistin um ca. 42 Prozent gesunken, die Abgabe von Fluorchinolonen ist für den gleichen Zeitraum um rund 20 Prozent gestiegen.

Kölner Team

Resistente Keime möglichst früh zu erkennen, kann lebensrettend sein. DZIF-Wissenschaftler an der Uniklinik Köln haben mit Antikörpern einen diagnostischen Test entwickelt, der innerhalb von nur zehn Minuten die weit verbreitete Carbapenem-Resistenz von Acinetobacter-baumannii-Bakterien anzeigt.

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Da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist, lassen sich die Wirkstoffmengen nicht einzelnen Tierarten zuordnen.

Menge an Antibiotika geht fast überall zurück

Von 2011 bis 2017 hat die Menge an abgegebenen Antibiotika in fast allen Regionen abgenommen. Absolut gesehen ist in der Postleit-Region 49 (Emsland, Osnabrück, Teutoburger Wald) weiterhin mit Abstand die höchste Abgabemenge (ca. 300 t) zu verzeichnen. Für den Erfassungszeitraum von sieben Jahren wurden für die folgenden Postleit-Regionen 01, 03, 07, 08, 09, 14, 17, 18, 23, 25, 27, 29, 31, 32, 33, 34, 37, 39, 44, 46, 48, 59, 77, 94, 97 Abnahmen von 60 % und mehr berechnet (siehe Karte).

Hintergrund:

Der Einsatz von Tierarzneimitteln dient dem Ziel, kranke Tiere zu behandeln und damit die Tiergesundheit und den Tierschutz zu fördern. Der Einsatz ist gleichermaßen auf den Schutz des Verbrauchers ausgerichtet. Die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika stellt mittlerweile eine globale Bedrohung in der Human- und Veterinärmedizin dar. Der Transfer von antibiotikaresistenten Bakterien und/oder der Transfer von Resistenzgenen zwischen Mensch und Tier sind wechselseitig möglich.

Seit dem Jahr 2011 muss die pharmazeutische Industrie erfassen, welche Mengen an Tierarzneimitteln, insbesondere Antibiotika, sie jährlich an Tierärzte abgeben, und diese Daten an ein zentrales Register melden. Grundlage dafür ist die DIMDI-Arzneimittelverordnung (DIMDI-AMV) vom 24. Februar 2010. Das Register wird beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln geführt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin nimmt die jährliche Auswertung der Daten vor.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (23.7.2018)