Beratungsstelle Reprotox an Uniklinik übergeben

Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit

Werdende Mütter und Frauen in der Stillzeit sind oft verunsichert: Könnte das benötigte Medikament dem Kind schaden? 10 bis 15 solcher Anfragen gehen täglich in der Beratungsstelle Reprotox ein - und oft kann der leitende Arzt, Dr. Wolfgang Paulus, die Frauen beruhigen.

Die Übergabe von Reprotox

Die Übergabe von Reprotox (v.l.): PD Dr. Frank Reister, Dr. Wolfgang Paulus, Prof. Wolfgang Janni (ÄD Frauenklinik) und der Vorstand der St. Elisabeth-Stiftung, Peter Wittmann | Jürgen Emmenlauer/St. Elisabeth-Stiftung

Jetzt ist die Einrichtung Reprotox, die zur St. Elisabeth-Stiftung gehörte, wieder Teil der Universitätsfrauenklinik Ulm. Deutschlandweit gibt es nur zwei Beratungsstellen zur Medikamentenberatung in der Schwangerschaft und Stillzeit: Die werdenden Mütter und ihre Ärzte informieren sich vor allem über mögliche Auswirkungen von Arzneien, aber auch von Infektionen, Chemikalien und Strahlung auf das ungeborene Leben.

Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie

Kann die Patientin in der Schwangerschaft das dringend benötigte Asthmaspray weiterhin benutzen? Und schaden die mit dem Insektengift Fipronil belasteten Eier dem ungeborenen Leben? Solche Fragen von Ärzten und Patientinnen aus dem deutschsprachigen Raum beantwortet Dr. Wolfgang Paulus rund 4.000 Mal jährlich. Der Gynäkologe leitet die Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie („Reprotox“), die seit Mittwoch, 9. August, wieder offiziell zur Frauenklinik des Universitätsklinikums Ulm gehört. Deutschlandweit gibt es nur zwei solcher Anlaufstellen für Patientinnen, die in der Schwangerschaft oder Stillzeit auf Medikamente angewiesen sind.

Dr. Britta Stapel und Professorin Hilfiker-Kleiner am Mikroskop

Ärzte wenden sogenannte Katecholamine wie Dobutamin insbesondere als Notfallmedikament bei akuter Herzschwäche an, da es die Herzkraft steigert. Diese gängige Therapie kann die Heilungschancen bei Herzversagen verschlechtern.

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Als Reaktion auf Contergan

Frauen, die eine Schwangerschaft planen, bereits ein Kind erwarten oder stillen, plagen oft große Zweifel: Könnte das womöglich lebenswichtige und seit Jahren eingenommene Medikament dem Nachwuchs schaden? Oft kann Dr. Wolfgang Paulus, Leiter der Beratungsstelle für Medikamente in der Schwangerschaft und Stillzeit („Reprotox“) an der Universitätsklinik Ulm, Entwarnung geben oder Alternativen aufzeigen. Ein Vorläufer der Ulmer Anlaufstelle war bereits 1976, unter anderem als Antwort auf den Contergan-Skandal, gegründet worden: In den 1950-er und 60-er Jahren sind rund 10 000 Babys mit Fehlbildungen auf die Welt gekommen, weil ihre Mütter das als unbedenklich geltende Schlafmittel Thalidomid („Contergan“) eingenommen hatten. Auch um solche Fälle zu verhindern, gibt es die Einrichtung in Ulm sowie die Berliner Beratungsstelle für Embryonaltoxikologie, die sich allerdings auf telefonische Auskünfte und Online-Informationen beschränkt.

Angebot als wertvolle Hilfestellung

Aus organisatorischen Gründen war Reprotox in den Jahren 2002 bis 2017 am Krankenhaus St. Elisabeth in Ravensburg, einem akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Ulm, angesiedelt. Die Anlaufstelle gehörte in dieser Zeit zur St. Elisabeth-Stiftung, die ihren Hauptsitz in Bad Waldsee hat. Nun ist es jedoch gelungen, Reprotox an den Michelsberg zurückzuholen. „Die Beratung werdender Mütter zur Medikamenteneinnahme ist eine sinnvolle Ergänzung unseres Leistungsspektrums in der Frauenklinik sowie eine Bereicherung für Forschung und Lehre“, sagte der Ärztliche Direktor der Frauenklinik, Professor Wolfgang Janni, bei der offiziellen Übergabe am vergangenen Mittwoch. „Für unsere schwangeren Patientinnen und Frauen im Wochenbett ist dieses Angebot eine wertvolle Hilfestellung und in dem meisten Fällen eine große Beruhigung“, ergänzte PD Dr. Frank Reister, Leiter der Geburtshilfe der Klinik. Peter Wittmann, Vorstand der St. Elisabeth-Stiftung, überbrachte seine besten Wünsche und ein Damian-Kreuz.

Wie läuft eine Beratung zur Reproduktionstoxikologie ab?

 „Oft kontaktieren uns Gynäkologinnen und Gynäkologen, teilweise aber auch die Patientinnen selbst. Sie werden gebeten, ein Formular auszufüllen, und ausgehend von den übermittelten Daten sprechen wir binnen 24 Stunden eine Empfehlung für oder gegen ein Medikament aus, zeigen alternative Arzneien und sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen auf“, erklärt Reprotox-Leiter Dr. Wolfgang Paulus. Er betont, dass auch ein Therapieverzicht aus reiner Vorsicht – beispielsweise bei Patientinnen mit Epilepsie, Asthma oder Depressionen – schwere Folgen für die Gesundheit von Mutter und Kind haben könne.