Neuer Ansatz

Medikamente gegen Helicobacter pylori

Weltweit jeder Zweite trägt das Bakterium in seinem Magen: Helicobacter pylori (H. pylori). Die auch in Deutschland häufige Infektion kann Krankheiten wie Gastritis oder Magenkrebs auslösen. Ein neuer Angriffspunkt scheint möglich.

Beugungsbild des Proteinkristalls

Beugungsbild des Proteinkristalls, wie es bei der Neutronenstreuung am Instrument BIODIFF entsteht. | Andreas Ostermann / TUM

Jülicher Forscherinnen und Forscher haben mit einem internationalen Forscherteam mithilfe von Neutronen die Funktionsweise eines wichtigen Enzyms im Stoffwechsel des Erregers entschlüsselt. Es gilt als Angriffspunkt für neue Medikamente.

Verschiedene Zustände von MTAN untersucht

Die Wissenschaftler untersuchten verschiedene Zustände des Enzyms 5'-Methylthioadenosin Nucleosidase (MTAN) und konnten so ein genaues Bild seiner Wirkweise ermitteln. Sie nutzten zum einen das Neutronen-Diffraktometer BioDiff, das vom Forschungszentrum Jülich und der TU München gemeinsam am Heinz Maier-Leibnitz Zentrum in Garching betrieben wird, zum anderen die Neutronenquelle des Oak Ridge National Laboratory in den USA. Die Wahl der Forscher fiel auf MTAN, weil das Enzym ein vielversprechender Kandidat zur Entwicklung eines Medikaments ist, das spezifisch nur gegen den Magenkeim wirkt. Denn H. pylori verwendet, anders als der Mensch und viele nützliche Bakterien, MTAN für die Synthese von Vitamin K2.

Helicobacter pylori

Infektionen mit Helicobacter pylori beeinflussen die mikrobielle Vielfalt in Mund und Dünndarm. Bei einem Teil der Infizierten führen sie zu Magenkrebs.

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Neutronen zur Strukturaufklärung

In einem wichtigen Schritt der Vitamin K2-Synthese bindet MTAN über Wasserstoffbrücken eine Vorstufe des Vitamins, um eine Seitengruppe abzutrennen. Die hierfür wichtigen Positionen und Positionswechsel der Wasserstoffatome waren bislang nicht zweifelsfrei bekannt. Die übliche Methode zur Strukturaufklärung von Enzymen, die Kristallstrukturanalyse mit Röntgenstrahlen, hilft hier nur wenig: Röntgenstrahlung ist für Wasserstoff-Atome nahezu blind. Die Forscher nutzten daher Neutronen zur Strukturaufklärung. Sie sind für Wasserstoff-Atome besonders empfindlich. „Zwar müssen für die Strukturaufklärung von Proteinen mittels Neutronen besonders große Proteinkristalle hergestellt werden“, erläutert Dr. Tobias Schrader vom Jülich Centre for Neutron Science, der gemeinsam mit Dr. Andreas Ostermann von der TU München das Instrument betreut. „Doch die vorliegende Publikation zeigt, dass sich der Aufwand lohnt.“ (Jülich Forschungszentrum, red)

 

Literatur:

Michael T. Banco, Vidhi Mishra, Andreas Ostermann, Tobias E. Schrader, Gary B. Evans, Andrey Kovalevsky, and Donald R. Ronning: Neutron structures of the Helicobacter pylori 5'-methylthioadenosine nucleosidase highlight proton sharing and protonation states. PNAS, Vol. 113, No. 48: 13756–13761, November 16, 2016, DOI:10.1073/pnas.1609718113.