Premium Impfmüdigkeit gefährdet auch Krankenhausmitarbeiter

Masernausbrüche in Deutschland

Hintergrund: In den letzten Jahren wurde in Deutschland immer wieder über unerwartete Masernausbrüche berichtet. Einer der größten Ausbrüche fand zwischen Oktober 2014 und August 2015 in Berlin statt. Er umfasste insgesamt mehr als 1.200 Erkrankte. In mehr als jedem 2. Fall waren Erwachsene betroffen.

Masernausbrüche in Deutschland

Masernausschlag im Gesicht bei einem 9 Monate alten Kleinkind. An einer Kopfvene ist die Infusion angebracht. | © Prof. Dr. med. M. Trautmann

Überwiegend traf es die Gruppe der 18- bis 44-jährigen, ungeimpften Personen. Aber auch Kleinkinder erkrankten. Ein ungeimpftes Kleinkind verstarb im Rahmen dieses Ausbruchs an einer schweren Maserninfektion. In Zusammenhang mit diesem Ausbruch stieg die Zahl der in Deutschland insgesamt gemeldeten Masernfälle im Jahr 2015 auf 2.465 Fälle an. Inzwischen sind die Masernerkrankungen in Deutschland wieder etwas zurückgegangen. Im Jahr 2019 sind bis März jedoch wieder 296 Neuerkrankungen aufgetreten, sodass die Hochrechnung für 2019 erneut eine Zunahme erwarten lässt. Abbildung 2 zeigt die gemeldeten Masernfälle in Deutschland von 2002 bis 2018.

Ein Ausbruch betraf in Niedersachsen die Stadt Hildesheim, wo 80 Schülern der Unterricht wegen fehlender Impfnachweise verweigert wurde. Aber auch Nordrhein-Westfalen ist mit 92 Neuerkrankungen seit Jahresbeginn betroffen.

Aktuelle Impfdiskussion

Impfgegner argumentieren, dass die Masern selbst relativ ungefährlich seien, die Impfung aber schwere Nebenwirkungen hervorrufen könne. Diese Annahme beruht leider auf überholten oder sogar falschen Daten. Während früher angenommen wurde, dass postinfektiöse Encephalitiden nur in einem von 100.000 Masernfällen auftreten, wird heute davon ausgegangen, dass beispielsweise die stets tödlich verlaufende subakute sklerosierende Panencephalitis (SSPE) als Spätfolge bei bis zu einem von 3.300 betroffenen, masernerkrankten Kindern auftritt. Ein erhöhtes Risiko für diese schwerste Komplikation der Masern scheint besonders zu bestehen, wenn (ungeimpfte) Kinder im Alter von < 5 Jahren an Masern erkranken (Abbildung 1).

Umgekehrt ist die angebliche Assoziation zwischen Masernimpfung und Autismus heute als Fehlinterpretation epidemiologischer Daten erkannt worden [1]. Gegen Masern geimpfte Kinder entwickeln später nicht häufiger einen Autismus als ungeimpfte Kinder [2]. Eine aktuelle Analyse von 1.563 Impfungen mit einem Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff versus einem Vierfach-Impfstoff (gleiche Zusammensetzung plus Varicella-Komponente) zeigte, dass zwar bei beiden Typen von Impfstoffen circa 60 % der Geimpften über Nebenwirkungen wie Fieber, Müdigkeit und Druckgefühl an der Injektionsstelle klagten. Diese Beschwerden klangen jedoch innerhalb weniger Tage spontan wieder ab. 28 Ereignisse (1,8 %) wurden als schwer eingestuft und umfassten etwa gleich viele Fälle von hohem Fieber und Magen-Darm-Nebenwirkungen. Der kausale Zusammenhang mit der Impfung war allerdings nicht gesichert. Dauerschäden traten nicht auf [3]. Eine andere Studie mit einer MMR-Vakzine (Masern, Mumps, Röteln) zeigte Nebenwirkungsraten von circa 4 % für Fieber ≥ 39° C und circa 18 % für Fieber ≥ 38° C. Bei 1.736 geimpften Kindern traten in 2 Fällen Fieberkrämpfe auf, von denen ein Fall als impfassoziiert bewertet wurde (Häufigkeit < 0,05 %). Bei einem Viertel der Impflinge traten vorübergehende masernartige Ausschläge auf, über die man die Eltern zuvor aufklären sollte. Die einzige schwere Nebenwirkung war eine thrombozytopenische Purpura [4].

 

Entnommen aus MTA Dialog 6/2019

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