Heinsberg

Land NRW fördert SARS-CoV-2-Langzeitstudie

An der Universität Bonn startet in Kürze ein Forschungsprojekt zum Infektions- und Immunitätsgeschehen des Coronavirus SARS-CoV-2 und der damit verbundenen Erkrankung Covid-19.

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Studentische Hilfskräfte halfen im Frühjahr 2020 bei der ersten Probennahme in Gangelt, Kreis Heinsberg, mit. | Oliver Thanscheidt

Geleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie des Universitätsklinikums Bonn. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen fördert das Vorhaben mit fast 800.000 Euro.

Coronaviren

Viele aktuelle Probleme/Engpässe tauchten schon im Pandemieszenario aus dem Jahr 2013 auf. Die Politik und andere Verantwortliche hätten also genügend Zeit gehabt, sich darauf einzustellen. Doch offenbar wurden nicht überall die richtigen Schlussfolgerungen gezogen.

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Der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen galt als Hotspot für das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2, seit es dort nach einer Karnevalssitzung im Februar 2020 zu einer massenhaften Ausbreitung des Erregers kam. Durch konsequente Maßnahmen konnte die anfängliche hohe Infektionsrate auf ein Minimum reduziert werden. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Streeck und Prof. Dr. Gunther Hartmann hatte im März/April 2020 eine durch das Land geförderte repräsentative Studie durchgeführt und die Verbreitung des Virus in der Bevölkerung mittels Antikörper- und PCR-Messungen untersucht. Rund 15 Prozent der getesteten Personen wurden dabei positiv auf das Virus getestet.

Untersuchungen im Abstand von mehreren Monaten

Von diesen einmaligen Studiendaten ausgehend, wollen die Wissenschaftler verstehen, wie sich das Infektionsgeschehen im Weiteren verhält. Alle bereits getesteten Personen sollen im Abstand von mehreren Monaten erneut untersucht werden. Prof. Streeck betont: „Es gibt keinen anderen Ort in Deutschland, wo wir bereits mit so großer Präzision das Infektionsgeschehen und die Immunität bestimmt haben. Hiervon ausgehend können wir nun bestimmen, ob die Personen, die Antikörper haben, auch wirklich immun sind.“ Das Projekt umfasst einen Zeitraum bis Mai 2021.

Der NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann, sagte in Düsseldorf: „Wir haben bereits aus der ersten Untersuchung zur besonderen Ausbruchskonstellation in Gangelt viele Erkenntnisse erhalten, die gerade zum Anfang des Geschehens von besonderer Bedeutung waren. Jetzt ist es wichtig herauszufinden, wie sich das Virus weiterverbreitet und ob es eine Immunität gibt. Das sind ausschlaggebende Faktoren, um unsere politischen Entscheidungen treffen zu können.“

Mutmaßliche Teilimmunität in der Gemeinde

Viele Aspekte der SARS-CoV-2-Infektion sind noch unerforscht. So ist unklar, ob Individuen durch Antikörper gegen das Virus vor erneuten Infektionen geschützt sind und ob eine erhöhte Zahl überwundener Infektionen in der Bevölkerung einen bremsenden Einfluss auf das Infektionsgeschehen hat. Das Bonner Forschungsteam will dazu mit einer Längsschnittstudie neue wissenschaftliche Erkenntnisse sammeln.

Studienleiter Prof. Streeck erklärt: „Durch die schrittweise Lockerung der bisherigen Maßnahmen und den für endemische Coronaviren üblichen Wettereffekt erwarten wir spätestens im Herbst einen Wiederanstieg der Neuinfektionen. Wie diese verlaufen, wollen wir durch erneute Probennahmen klären.“ Seine Hypothese: Die mutmaßliche Teilimmunität in der Gemeinde könnte das Infektionsgeschehen verlangsamen – im Vergleich zu Orten, an denen deutlich weniger Menschen mit dem Virus in Kontakt gekommen sind.

Erkenntnisse zu Infektionswegen in Familien

Die Bonner Forschungsgruppe hatte in Heinsberg festgestellt, dass jede fünfte nachgewiesene Infektion ohne Krankheitssymptome abgelaufen ist. Vor diesem Hintergrund wollen sie nun auch untersuchen, ob einmal infizierte Menschen gegen erneute Infektionen mit SARS-CoV-2 immun sind, was bisher nicht erwiesen ist. Auch erhoffen sich die Forschenden Erkenntnisse zu Infektionswegen in Familien; dazu sollen zusätzliche Probanden erfasst werden, um die bestehende Datenbasis zu verbreitern. Beim Design ihrer Studie orientieren sich die Forschenden an einem Protokoll der Weltgesundheitsorganisation (WHO).


Quelle: Universität Bonn, 27.07.2020