International Congress on Quality in Laboratory Medicine

Labquality Days in Helsinki, Finnland

Der Internationale Qualitätskongress fand vom 7. bis 8. Februar 2019 in Helsinki statt. Circa 800 Teilnehmer nahmen an dem Kongress teil.

Labquality Days in Helsinki, Finnland

Helsinki | © Mikko Paananen, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Der Internationale Qualitätskongress fand vom 7. bis 8. Februar 2019 in Helsinki statt. Circa 800 Teilnehmer (Laborfachärzte, Naturwissenschaftler, Laborleiter von medizinischen Laboratorien und Biomedical Laboratory Scientists [BLMS]) nahmen an dem Kongress teil. Der Qualitätskongress ist einer der größten 2019 in Europa, der sich auf Qualität und neue Technologien in der Labormedizin konzentriert.

Im wissenschaftlichen Ausschuss waren zahlreiche Ärzte, Naturwissenschaftler und Biomedical Laboratory Scientists für den Inhalt des Programms und die Workshops verantwortlich. Sie entschieden über eingereichte Abstracts, welche ins Programm aufgenommen wurden – entweder als Vortrag oder als Poster. Dieser internationale Kongress stand unter der Schirmherrschaft der International Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine (IFCC) und der European Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine (EFLM).

In diesem Jahr wurden zwei wichtige Themen ausgewählt:

  1. Muss die Qualitätskontrolle neu erfunden werden?
  2. Digitale Gesundheit

Die „Westgard Rules“ wurden erstmals im Jahr 1981 veröffentlicht. Jetzt, 38 Jahre später, sind sie in vielen klinischen Laboratorien auf der ganzen Welt immer noch auf dem neuesten Stand der Technik. Die Regeln haben sich jedoch in drei Jahrzehnten weiterentwickelt. In seinem Vortrag am 7. Februar 2019 in Helsinki berichtete der Referent Prof. Sten Westgard von dieser Entwicklung und fragte, ob es in der Zukunft Regeln für „Westgard“ geben werde. Prof. Westgard wird von vielen Fachkollegen immer wieder gefragt, ob die Qualitätskontrolle neu erfunden werden sollte.

QC-Panel | © J. Wahlstedt

„Gegenwart und Zukunft der Überwachung der externen Qualitätskontrolle“ war das Thema, über das Dr. Anja Kessler, Direktorin des Referenzinstitutes für Bioanalytik (RfB) in Bonn, referierte. Sie informierte die Teilnehmer unter anderem auch über die Besonderheit, dass in Deutschland die „Rili-BÄK“ als Mindestanforderung verbindlich gültig sei, für alle Anwender, die Laboranalysen erstellen. Die Durchführung der externen Qualitätskontrolle werde von Fachgutachtern zum Beispiel des RfB überwacht und ausgewertet.

Am Ende des ersten Kongresstages moderierte Elvar Theodorsson, BMLS in Finnland, eine Zusammenfassung der Vorträge. Der erste Kongresstag lieferte dem Publikum neue Erkenntnisse, wie die Qualitätskontrolle in medizinischen Laboratorien angewendet werden sollte, wobei sich die Frage stellt, ob man künftig Antworten in einem datengesteuerten, evidenzbasierten Ansatz findet.

Entdeckungen, die durch riesige Daten von Patientenproben in Biobanken gefördert werden, waren am 8. Februar eines der wichtigen Themen. Digitale Gesundheit bedeutet in diesem Zusammenhang die Kombination von Analysedaten des Patienten mit einigen eindeutigen Daten des „Longitudinal Health Register“. Diese Daten bieten Möglichkeiten für die Entwicklung neuer Arzneimittel, um Krankheitsverläufe und Krankheitsmanagement sowie Begleiterkrankungen zu untersuchen. Unterschiedliche wissenschaftliche Daten, die in Biobanken gesammelt werden, steigern ihren Wert zum Wohle der Patienten ständig.

Meet the experts

Während der Kongresstage konnten die Teilnehmer mit den Referenten diskutieren und sich fachlich austauschen – unter anderem wurden immer wieder Fragen zur Digitalisierung gestellt und was das künftig für die Beschäftigten in medizinischen Laboratorien bedeutet. Die Arbeitswelt verändert sich rasant, alles wird digital und vernetzt. Auch das Gesundheitswesen befindet sich in einem Strukturwandel, getrieben vom technologischen Fortschritt auf unterschiedlichen Ebenen. Die Bandbreite der Datenübertragung hat sich vervielfacht. Mittels mobiler Geräte wie Smartphones und Tablets ist es möglich, von überall auf Informationen zuzugreifen. Neue Verfahren wie 3-D-Druck machen herkömmliche Fertigungsmethoden überflüssig. Roboter werden die Arbeit des Menschen immer mehr unterstützen. Dieser Wandel wird nicht ohne Folgen für die Beschäftigten bleiben.

Wird die Digitalisierung Arbeitsplätze vernichten?

Viele befürchten, dass Menschen durch Maschinen ersetzt werden und massenhaft Arbeitsplätze verloren gehen. Es gibt unterschiedliche Studien dazu. Technologischer Fortschritt führt nicht zwangsläufig zu steigender Arbeitslosigkeit. Letztendlich könnte der Bedarf an Arbeitskräften sogar steigen – zumindest kann es zu Verschiebungen kommen. Vor allem einfache Arbeiten werden wegfallen. Demgegenüber könnten neue Arbeitsplätze in Bereichen entstehen, die eine höhere Qualifikation erfordern, beispielsweise im Bereich der Überwachung und Programmierung.

Lab-Tours

Am Ende des Kongresses bestand die Möglichkeit, an einer Führung beim „Roten Kreuz“ in Helsinki teilzunehmen. Dort werden täglich circa 800 Blutspenden aus ganz Finnland und Lappland gesammelt und bearbeitet. Das gesamte Blood-Management und die Organisation hat das Privatlabor „SYN-Lab“ verantwortlich übernommen.

Persönliches Fazit

Ziel des Qualitätskongresses 2019 in Helsinki war es, den Teilnehmern aktuelles Wissen über die Qualität im Laboratorium und einige Einblicke in digitale Anwendungen im Gesundheitswesen zu vermitteln. Ich war von den Themen und Referenten sehr inspiriert. Es boten sich Gelegenheiten zu guten Gesprächen mit Kollegen aus den internationalen Verbänden. Des Weiteren konnte ich mein berufliches Netzwerk erweitern.

 

Entnommen aus MTA Dialog 4/2019