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Laboratoriumsmedizinische Streiflichter der ersten Wochen mit der SARS-CoV-2-Pandemie

Liebe Kolleginnen und Kollegen, aus diversen Telefonaten und Gesprächen mit MTLA, Laborleitungen, Außendienstlern von Diagnostika-Firmen, Gerätetechnikern und anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen habe ich einen Bericht über die bisherigen Eindrücke im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie aus Sicht von MTLA und Laboratorien zusammengetragen.

Coronavirus

Modell Coronavirus | © Alissa Eckert MS/Dan Higgins MAM/CDC

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

aus diversen Telefonaten und Gesprächen mit MTLA, Laborleitungen, Außendienstlern von Diagnostika-Firmen, Gerätetechnikern und anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen habe ich einen Bericht über die bisherigen Eindrücke im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie aus Sicht von MTLA und Laboratorien zusammengetragen. Es sind Momentaufnahmen und Teilaspekte, die persönlich geprägt und keineswegs vollständig sind, aber die Komplexität der Geschehnisse, Gefühle und auch Ängste von Kolleginnen und Kollegen widerspiegeln.

Als im Dezember und Mitte Januar Berichte zu einer Epidemie mit einem neuartigen Virus in den Nachrichten auftauchten, war man eher interessiert als alarmiert. „Asien ist ja so weit weg.“

Aber bereits Ende Januar sah man mit den ersten Berichten aus Europa plötzlich Pflegekräfte, die mit Mund-Nasen-Schutz (MNS) oder sogar FFP2-Masken in Notaufnahmen tätig waren. Dabei gab es weder besondere Krankheitsfälle, erweiterte Hygienemaßnahmen oder eine entsprechende Dienstanweisung. „Hypochonder“ und „Materialverschwendung“ waren die ersten Worte, die einem dazu in den Sinn kamen. Besonders wenn dabei eine FFP2-Maske locker auf einem dicken Rauschebart schwebte, der allerdings Ende März einer Glattrasur inklusive Kurzhaarschnitt zum Opfer fiel.

Andrea Michelsen
Andrea Michelsen | privat

Als im Februar die Berichte zunahmen und klar wurde, dass aus der Epidemie nun doch eine globale Bedrohung zu werden drohte, wurde es langsam beunruhigend. Die Gefahr der Infektion kam näher, man begann darüber zu diskutieren und betrieb gezielte Recherche. Berichte aus Italien erschreckten mit Meldungen von zahlreichen Todesfällen und in den Laboratorien wurde bekannt, dass die Führungsebenen der Krankenhäuser und anderer Einrichtungen des Gesundheitswesens eine Krisenstabstruktur erstellten und Vorbereitungen für den Krisenfall begannen. In Absprachen mit den Gesundheitsämtern wurden Abläufe optimiert, für den Krisenfall festgelegt und Szenarien bis ins Detail durchgesprochen. Vorbereitungen zu Erweiterungen der Kapazitäten von Intensiv- und Beatmungsplätzen wurden aufgenommen.

Mit Zunahme der Krankheitsfälle und Berichte – jetzt schon aus den benachbarten Ländern – mussten viele Einrichtungen einen deutlichen „Schwund“ ihrer Vorräte an MNS und FFP2-/FFP3-Masken feststellen. Die MNS und Masken wurden daraufhin eingesammelt und unter Verschluss zentral gelagert. Die Ausgabe zu definierten Bedingungen festgelegt. Die Varianten in den Einrichtungen reichen hier von zentralen Stationen bis hin zum Verschluss in Tresoren. Die Ungewissheit und Verunsicherung bei den Pflegekräften und Ärzten stieg sehr deutlich an, während in den Laboratorien noch relative Ruhe herrschte. Von einem Probenröhrchen wird nicht so viel Gefahr erwartet wie vom menschlichen Kontakt, wobei Medizinisch-technische Assistenten/-innen (MTLA), die noch Blutzucker oder Blutgase bei den Patienten abnehmen, immer aufmerksamer die Aktivitäten ihrer Verwaltungen und die Berichte in den Medien verfolgten.

Als am 11. März die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die internationale Gesundheitsnotlage mit sehr hohem globalen Risiko zur Pandemie erklärte, traten in den verschiedenen Gesundheitseinrichtungen die ersten Maßnahmen der Krisenstäbe in Kraft.

Urlaubssperren, die jetzt ausgesprochen wurden, trafen viele MTLA unvorbereitet, weil sie sich bis dahin nicht vorstellen konnten, dass es wirklich dazu kommen könnte. Gleichzeitig traten Arbeitsverbote für Schwangere und Immungeschwächte in Kraft. Zudem teilten die Arbeitgeber mit, dass es großzügige Regelungen zum Verfall von Resturlaub, Urlaubsstornierungen und Ähnliches geben werde. Der Urlaubsplan wird durchforstet und Spekulationen beginnen, wann man denn im Sommer oder Herbst doch noch einen Urlaub antreten könne oder ob sich gar ein prophylaktischer Antrag lohne, weil ja auch die Kollegen/-innen ihren restlichen Urlaub beantragen werden.

Gleichzeitig tauchen Fragen auf, wie sich die Urlaubssperre denn auf die Zahlung von Schichtzulagen auswirke, da nun kein Urlaub angetreten werde und damit zu lange Abstände bis zu den nächsten Zulagen-auslösenden Diensten entstehen. Für einige MTLA sind diese Überlegungen von großer Bedeutung, weil ihre Familien auf diese monatlichen Zulagen angewiesen sind.

MTLA, die jetzt für die täglichen diagnostischen Aufgaben überzählig sind, werden mit fachfremden Tätigkeiten, beispielsweise Zugangskontrolle zur Klinik, Springer für Patiententransporte oder Helfertätigkeiten auf Station, eingesetzt.

Während einige Einrichtungen ihre Kantinen zum Schutz vor Ansteckungen innerhalb des Betriebes gänzlich schließen, gibt es Krankenhäuser, die ihren Mitarbeitern/-innen für die Zeit der Pandemie-Krise das Mittagessen kostenlos anbieten und dazu Vierer-Tische mit zwei Stühlen an den Stirnseiten gezielt einzeln aufstellen. Eine kreative Lösung für die Einhaltung des Sicherheitsabstandes bei gleichzeitiger Wertschätzung der Mitarbeiter/-innen.

Den Laborleitungen wurden Anforderungsprofile für Laboraufträge mitgeteilt, die für eine effiziente Arbeit in den Triage-Einheiten zur Aufnahme von Verdachts- oder Erkrankungsfällen sowie beatmungspflichtigen Patienten auf den Order-Entry-Masken zur Verfügung stehen sollen. Infolge der gewünschten Parameter mussten zusätzliche Kontingente an Reagenzien bestellt werden, da eine deutliche Zunahme der Anforderungen für Analyte wie Fibrinogen, D-Dimer, Procalcitonin (PCT), Ferritin und sogar NT-Pro-BNP zu erwarten war.

In den Krankenhäusern, MVZ und Ambulanzen wurden alle planbaren Termine, Untersuchungen oder Operationen abgesagt, was bei einigen Patienten zu deutlichen Unmutsäußerungen führte. Aufgenommen werden nur noch tatsächliche Notfälle und nicht verschiebbare Behandlungen. Die Bettenbelegung liegt jetzt durchschnittlich bei nur noch rund 50 %. Der Normalfall sind 85 % und mehr. Zusätzlich wurde ein absolutes Besuchsverbot ausgesprochen, von dem es nur sehr wenige Ausnahmen gibt. Erlaubte Besuche müssen über Formulare an den kontrollierten Eingängen durch den behandelnden Arzt angemeldet werden.

Die Schüler von MTLA-Schulen, die früher zu Ostern Ferien hatten, sind jetzt reguläre Auszubildende mit Ausbildungsverträgen und damit ebenfalls von den Urlaubssperren betroffen. In den Häusern unterstützen sie bei fachfremden Tätigkeiten oder in Laboratorien gemäß ihrem Ausbildungsstand. Die Lehrkräfte werden zur Schulung zusätzlicher Pflegekräfte in der Bedienung von Beatmungsgeräten herangezogen. Geplante Prüfungen zum Berufsabschluss sind vorerst auf ein unbekanntes Datum verschoben.

Wenige Tage nach den ersten Maßnahmen wurden Schulen und Kindergärten geschlossen und berufstätige Eltern stehen jetzt vor dem Problem einer fehlenden Kinderbetreuung. Nicht jedes Kind hat Großeltern vor Ort, die in die Betreuung einspringen können (und sollen auch nicht). Notgruppen bzw. -plätze wurden durch politische Vertreter zugesagt, die Realität ist jedoch ernüchternd. Wenn nicht beide Elternteile in einem systemrelevanten Beruf arbeiten, gibt es keinen Betreuungsplatz.

Auch dann nicht, als sich nach fast 14 Tagen zeigt, dass die Notbetreuungsplätze kaum ausgelastet sind. In den Laboratorien kann man nur versuchen, gezielt diesen Mitarbeitern/-innen Freizeitausgleich (FZA) zu gewähren, solange noch kein erhöhter Personalbedarf besteht, da FZA trotz Urlaubssperre noch gewährt werden darf. Allerdings muss bei Bedarf die Arbeit sofort wieder aufgenommen werden und man muss sich dazu regelmäßig bei der Arbeitsstelle melden.

Mit dem Beginn der ersten Maßnahmen wie Urlaubssperren und Absagen aller geplanten Termine/Operationen traten auch verschärfte hygienische Regelungen in Kraft. Desinfektionsmittel wurde plötzlich zur Mangelware. Und weil keine ausreichenden Bestellungen für die Apotheken mehr möglich sind, wird jetzt Desinfektionsmittel zur Händedesinfektion wieder selbst hergestellt.

Erste Regelungen zum Tragen der MNS und FFP2-Masken wurden in Dienstanweisungen veröffentlicht. Und weil viele Mitarbeiter/-innen in der Benutzung ungeübt sind, wurde von den Hygienefachkräften das korrekte An- und Ablegen der MNS und Masken gefilmt und per Webcast im Intranet zur Verfügung gestellt. Spätestens jetzt sind in den Laboratorien Diskussionen entstanden, ob man überhaupt noch kapillare Blutentnahmen bei stationären Patienten durchführen soll, wenn das bisher so organisiert war. „Ja“, da auch die MTLA ihren Beitrag zur Patientenversorgung leisten. Jedoch sollten davon isolierte Patienten ausgenommen sein, da hier der zusätzliche Einsatz von MTLA zu einem vermeidbaren Verbrauch von Schutzmänteln und FFP2-Masken führen würde. In diesen Fällen punktieren die Ärzte für eine Blutgasanalyse arteriell oder die Pflegekraft misst den Blutzucker mit einem Schnelltest.

Die Dienstanweisungen mit allen relevanten Regelungen stehen ebenfalls im Intranet zur Verfügung. Sie ändern sich manchmal täglich, weil das Robert Koch-Institut (RKI) etwas neu bewertet oder der eigene Krisenstab eine Regelung verändert. Ein sportliches Unterfangen hier mit dem Lesen auf dem aktuellen Stand zu bleiben, um sich korrekt an die Regelungen halten zu können. Da die Regelungen ständig im Fluss sind, fühlen sich viele MTLA verunsichert. Wie kann es sein, dass gestern noch eine scharfe Regelung galt, die heute deutlich gelockert erscheint. Ein Patient gestern noch als „unverdächtig“ galt, man eine kapillare Blutentnahme mit den vorgegebenen, einfacheren Schutzmaßnahmen durchgeführt hat und heute einen positiven Coronanachweis hat. Man denkt an die Familie und fragt sich: „Ist man wirklich ausreichend geschützt? Gefährde ich meine eigene Familie?“ Hier helfen nur viele Besprechungen (mit Sicherheitsabstand und MNS) und kontinuierliche Aufklärung. Eine Mammutaufgabe für alle Hygienebeauftragten in den Laboratorien.

Schon am ersten Tag der Zugangskontrollen kam es zu komischen Situationen. Die Pforte ruft im Labor an, dass ein Fahrer des Blutspendedienstes eingelassen werden will. Ob das denn in Ordnung sei? „Ja, unbedingt!“ – die Depotlieferung mit den Blutkonserven wird dringend erwartet! Und dem Abholdienst des externen Labors ergeht es kurz darauf ganz ähnlich. An Sonderfälle hatte man bei den Vorbereitungen gedacht, aber der banale Standardfall wurde für die Einlasslisten vergessen. Ab den Folgetagen klappt es auch für den Depot- und Transportfahrer reibungslos.

Nachdem Versammlungsverbote in einzelnen Städten und kurz darauf Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote für alle Bundesländer ausgesprochen wurden, teilten die Außendienstler der Diagnostika-Firmen mit, dass sie jetzt nur noch über Homeoffice zu erreichen seien. Die Firmen verschickten Schreiben, dass ihre Techniker selbstverständlich zu Reparaturen weiterhin vor Ort kämen, aber Wartungsmaßnahmen erst mal auf unbestimmte Zeit verschoben seien. Überraschend ist dann jedoch, wenn Techniker von Reparatureinsätzen berichten, bei denen ein Krankenhaus oder Laboratorium bisher keinerlei erkennbare Maßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie ergriffen hat.

Auch die Lebenspartner der Mitarbeiter/-innen der Laboratorien sind inzwischen gehäuft zu Hause und haben durch ihre Firmen Homeoffice verordnet bekommen. Und es wird bereits über drohende Kurzarbeit spekuliert, die zu deutlichen Gehaltseinbußen für die betroffenen Familien führen wird.

Nach den ersten Tagen mit Kontaktverbot treffen immer mehr Anrufe von Privatpersonen direkt in den Laboratorien ein. Angefragt werden persönliche Corona-Testungen, die abgelehnt werden müssen. Wenn man auf die Anmeldung über die Gesundheitsämter zur Abstrichgewinnung bei Testzentren oder einen Hausarztbesuch hinweist, reichen die Reaktionen von Enttäuschung bis deutlichen Missmutsäußerungen. Aber auch die Ärzte und Pflegekräfte der eigenen Einrichtung sind mit steten Nachfragen präsent. „Die PCR-Testung läuft doch nur sechs Stunden, wieso ist mein Ergebnis noch nicht fertig?“ Dass das Laboratorium keine PCR-Messungen selbst durchführen kann, weil es noch nie ein PCR-Gerät besessen hat, führt zu überraschten Mienen. Aber auch Ideen leitender Chefärzte, dass man auf die Schnelle ein PCR-Gerät beschaffen und in Betrieb nehmen könne, sind keine Seltenheit und Berichte, dass die notwendigen Reagenzien für diese Geräte ein besonders knappes Gut sind, wurden bisher ignoriert.

Jedoch sind nicht nur die Reagenzien für PCR-Testungen auf SARS-CoV-2 oder Influenza knappe Ware, sondern auch vermeintlich unproblematische Bestellungen können zu einer unruhigen Nacht führen. Fast keine Firma im Bereich der Laboratoriumsmedizin produziert ihre Reagenzien noch in Deutschland, meist ist die Firma selbst nicht (mehr) in deutscher Eigentümerschaft. Produziert wird weltweit, nach überwiegend finanziellen Kriterien. Und wenn dann das Reagenz im Kühlschrank für einen einfachen klinisch-chemischen Test wie Kreatinin noch für 13 Tage reicht und auf dem Lieferschein ganz lapidar und ohne weitere Information steht, dass es einen Lieferabriss gibt, tritt einer Laborleitung doch der Schweiß auf die Stirn. Gott sei Dank kam zwei Tage später die Nachlieferung an. Hier rächt sich, dass überall nur noch der Preis zählt. Bei Schutzmänteln, MNS oder FFP2-Masken ist es nicht anders.

Nachdem die anfänglich durch die MTLA belächelten maximalen Anforderungsprofile bei den schwerst erkrankten und beatmeten Corona-Patienten täglich über die Laborergebnisse beobachtet wurden, war schnell zu erkennen, dass hohe Fibrinogene und Ferritine bei noch moderaten CRP- und PCT-Werten meist schlechte prognostische Anzeichen waren. Und man freut sich sehr, wenn der Patientenname nicht mehr auf der Intensivstation und vor allem nicht auf der Verstorbenenliste zu finden ist, sondern Probenröhrchen mit der Kennzeichnung der Isolierstation zur Untersuchung im Laboratorium eintreffen. Ohne qualifizierte MTLA in den Laboratorien und die Diagnostik, die sie rund um die Uhr durchführen, wäre die optimale intensivmedizinische Behandlung gar nicht möglich.

Kaum haben sich die organisatorischen Abläufe etabliert, wird bereits an die nächsten Wochen und die Zeit nach der Pandemie gedacht. In immer mehr E-Mail-Sendungen, Flyern und TV-Berichten werden Entwicklungen von Antikörper-(AK-)Testen vollmundig beworben. Sie sollen als einfacher hilfreicher Test erkennen lassen, wer die Infektion mit den Viren von SARS-CoV-2 schon durchlaufen hat und somit ohne übermäßigen Verbrauch von knappen Ressourcen wie Schutzmänteln, MNS und Masken Patienten problemlos untersuchen, behandeln oder pflegen kann. Dabei ist noch gar nicht genau bekannt, ob und wann IgG-AK gebildet werden und wie lange das wirklich dauert. Wenn man die Datenblätter der angebotenen Schnellteste genau durcharbeitet, zeigen sich schnell Schwächen. Laufkontrollen, die im Teststreifen integriert sind und anzeigen, dass die Reagenzien korrekt über den Teststreifen gelaufen sind, werden als integrierte Kontrollmessungen beschrieben. Kontrollmaterialien, mit denen man überprüft, ob der Teststreifen das korrekte Ergebnis ermittelt, werden nicht angeboten, weil sie (noch) nicht existieren. Kreuzreaktivitäten werden für diverse Infektionserkrankungen beschrieben, Aussagen zu den vier Coronaviren, die während der Grippesaison neben der Influenza auftreten, fehlen. Bisher konnte ich nur einen Anbieter finden, der darauf hinweist, dass positive Ergebnisse auch durch frühere oder gegenwärtige Infektionen mit Nicht-SARS-CoV-2 oder weitere Störfaktoren entstehen. Eine Mikrobiologin/Virologin hat zudem mit einer schnellen Rechnung verdeutlicht, wie trügerisch ein positiver Nachweis mit solch einem Schnelltest wäre: „Wenn momentan nur etwa einer von 500 infiziert war und ein Test eine Spezifität von fantastischen 99 % hätte, dann sind rechnerisch nur 14 von 100 positiv Getesteten richtig positiv.“ Fazit: Die Schnellteste werden derzeit überhastet und ohne fundierte Prüfung ihrer tatsächlichen Tauglichkeit auf den Markt geworfen und Privatpersonen sowie medizinisches Personal sollten sich davon nicht täuschen lassen.

Aber es gibt auch angenehme Überraschungen auf zwischenmenschlicher Ebene. In der ersten Woche wurden von einer Konditorei für jede Station und Funktionsstelle Kuchen gespendet. In der zweiten Woche gab es in verschiedenen Kliniken goldene Osterhasen und in einer anderen wurden Blumen und Muffins von einer Aktionsgemeinschaft verteilt. Eine Dorfgemeinschaft kocht für das Personal, das die beatmeten Corona-Patienten intensivmedizinisch betreut, täglich frisch zu Mittag. Noch lassen sich die Aufgaben im Rahmen der Corona-Pandemie meistern, weil wir uns alle rechtzeitig und sehr strukturiert auf die Krise vorbereitet haben. Aber trotzdem bestehen Unsicherheit und Ängste, was uns in den nächsten Wochen noch erwartet. Ist es die Ruhe vor dem Sturm?

Erste Berichte zu Sonderzahlungen für Pflegekräfte lassen jetzt den Unmut bei den MTLA steigen. Wieso eigentlich nur für Pflegekräfte? Auch die anderen Berufe im Gesundheitswesen leisten ihren Beitrag unter den besonderen Belastungen, arbeiten in Risikobereichen mit Schutzmasken und erreichen ihre möglichen Limits. Wie so oft scheint das Gesundheitswesen nur aus Pflegekräften zu bestehen.

Man kann nur hoffen, dass die Politik und Verantwortlichen für das Gesundheitssystem aus Problemen dieser Pandemie lernen und uns alle für die Zukunft besser vorbereiten. Dazu gehören auch eine zeitgemäße und akademisierte Ausbildung für MTLA, mehr Stellen sowie eine leistungsgerechte Entlohnung, die zukunftsfähiger und nachhaltiger als das abendliche anerkennende Klatschen auf Balkonen ist. (Stand vom 8. April 2020)

Andrea Michelsen M.Sc.
Vorsitzende
DVTA Landesvertretung Baden-Württemberg
Fachrichtung Laboratoriums-/Veterinärmedizin

Der Beitrag ist eine Vorabversion aus Heft 05/2020.