Praxisworkshop und Vorträge in Düren

Krankmachende Erreger siegen über Antibiotika

Am 21.9.2016 fanden im Krankenhaus Düren gem. GmbH ein Praxisworkshop und Vorträge zum rationalen Einsatz von Antibiotika statt.

Veranstaltung am Krankenhaus Düren

Veranstaltung am Krankenhaus Düren | Krankenhaus Düren

Viele Jahre waren Antibiotika ein Wundermittel zur Therapie von Infektionen, die zur Reduktion der Sterblichkeit bei Infektionserkrankungen beigetragen haben. Inzwischen wird ein nachteiliger Effekt durch den Einsatz der Antibiotika deutlich, da deren zum Teil unkritische Anwendung zunehmende Resistenzen provoziert und es damit zur Unwirksamkeit von Antibiotika kommt. „Deshalb brauchen wir Strategien zum rationalen Einsatz von Antibiotika, ein sogenanntes Antibiotic Stewardship, um zukünftig weiter wirksame Antibiotika zur Behandlung von Infektionen bei unseren Patienten zu haben“, so Dr. Heising, klinischer Infektiologe und Krankenhaushygieniker der Krankenhaus Düren gem. GmbH.

„Gerade für den Intensivbereich erscheint es dringend notwendig, lokale Leitlinien zur Optimierung der Antibiotikaanwendung festzulegen, da eine deutlich alarmierende Resistenzentwicklung gegen die aktuell verfügbaren Antibiotika festzustellen ist“, ergänzt Prof. Schröder, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Operative Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Krankenhaus Düren. Im intensivmedizinischen Kontext konnte gezeigt werden, dass lokale Leitlinien zum Einsatz von Antibiotika mit Vorgaben der Substanzwahl entsprechend der lokalen Resistenzsituation mit Angaben zur Dosis, Applikationsart und Anwendungsdauer zu einer Verbesserung des individuellen Patienten-Outcomes bei gleichzeitiger Reduktion der Mortalität führt. Gleichzeitig konnten unerwünschte Arzneimittelwirkungen, die Dauer der Beatmung und des Intensivaufenthaltes sowie die Gesamtkosten reduziert werden. Dabei kann der Biomarker Procalcitonin (PCT) unterstützen, die Antibiotikatherapiedauer deutlich zu verkürzen, ohne das Outcome nachteilig zu beeinflussen.

Antibiotic Stewardship und Meldepflicht für MRGN

Besonders bei Patienten, die sich in Langzeitpflege- oder Rehabilitationseinrichtungen befinden, ist die Gefahr einer Besiedelung mit (multi-)resistenten Erregern und einer daraus resultierenden Infektion sehr hoch.

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Wichtig ist lokales Protokoll

„Wichtig ist jedoch die Anwendung gemäß einem lokalen Protokoll mit repetitiven PCT-Messungen im Verlauf, um die Kinetik der Messwerte zu erfassen“, führt Oberarzt Schütte, Sektionsleiter der operativen Intensivmedizin am Krankenhaus Düren, aus. „Für die klinische Praxis ist es daher entscheidend, die Kinetik und die Limitation des Parameters zu kennen sowie die gemessenen Werte im Kontext mit der aktuellen klinischen Situation des Patienten zu interpretieren. PCT ist ein Baustein für ein rationales Antibiotika-Management (Antibiotic Stewardship) für eine optimierte Versorgung und Sicherheit der Patienten. Dies beinhaltet auch lokale Leitlinien zum standardisierten Einsatz von Antiinfektiva auf der Basis der Bewertung der lokalen Erreger- und Resistenzstatistik“, führt Schütte weiter aus. Prof. Schröder ist überzeugt, dass begleitende Fortbildungen infektiologisches Wissen vertiefen und die Behandlungsqualität deutlich verbessern. Infektiologische Visiten am Intensivbett ermöglichen proaktives und zielgenaues Management des Antibiotika-Einsatzes. Analysen von Antibiotikaverordnungen helfen Verbesserungspotentiale zu erkennen. Dafür ist die multidisziplinäre Zusammenarbeit von Intensivmedizinern, Pflegenden, klinischen Infektiologen, Hygienikern und Apothekern die Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung eines Antibiotic Stewardship, so dass jeder Intensivpatient profitieren kann.