Krankenhauspatienten

Routinedaten unterstützen Pandemiemanagement

Die Initiative Qualitätsmedizin hat das Leistungsgeschehen in 421 Krankenhäusern während der COVID-19-Pandemie untersucht und appelliert an politische Entscheidungsträger, diese Daten zu nutzen.

 

Pandemiemanagement

Die Nutzung der Routinedaten ermöglicht eine sehr gute Abbildung der Versorgungsrealität und eine datenbasierte Grundlage der Kapazitätsplanung.

In Krankenhäusern zu Abrechnungszwecken erhobene Routinedaten (§ 21 KHEntgG) sind geeignet, pandemiebezogene politische Entscheidungen und Maßnahmen gezielter zu formulieren. Für den Einsatz dieser Daten spricht sich die Initiative Qualitätsmedizin (IQM) aus, die in einer umfassenden Untersuchung das Leistungsgeschehen während der COVID-19-Pandemie in 421 Mitgliedskrankenhäusern analysiert hat. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Die Nutzung der Routinedaten ermöglicht eine sehr gute Abbildung der Versorgungsrealität und eine datenbasierte Grundlage der Kapazitätsplanung. Fallzahlverlauf und Auslastung der Krankenhäuser lassen sich mittels Monitorings von zeitnah vorliegenden Routinedaten gezielt verfolgen und können die Basis für Entscheidungen zum Umgang mit dem COVID-19-Geschehen bieten.

Krankenhäuser gerüstet?

Mit der Befragung des Deutschen Krankenhausinstituts sollte die Situation bei persönlichen Schutzausrüstungen (PSA) und Corona-Tests im Krankenhaus untersucht werden. Bundesweit haben sich 724 Kliniken beteiligt.

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Für die Studie stellten 421 IQM-Mitgliedskrankenhäuser freiwillig die Abrechnungsdaten ihrer circa 2,8 Mio. im ersten Halbjahr 2020 behandelten Fälle zur Verfügung. Die Untersuchung vergleicht die Fallzahlen und Sterblichkeit schwerer Atemwegserkrankungen (SARI, Severe Acute Respiratory Infections) ebenso wie die Verläufe anderer nicht COVID-assoziierter Erkrankungen. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie auf einen Blick:

  • Von den circa 14.800 stationär behandelten COVID-Patienten entwickelten 75 % ein SARI. Die Sterblichkeit war mit 23 % signifikant höher als bei nicht mit COVID assoziierten SARI mit 12 %.
  • Bei den verbleibenden 25 % der COVID-Patienten ohne Lungenbeteiligung verstarben circa 7 %.
  • Es wurden rund 46.900 und damit drei Mal mehr Patienten mit COVID-Verdacht als mit nachgewiesenem COVID behandelt. Bei COVID-Verdachtspatienten war die Sterblichkeit 6,6 %.
  • Das nicht COVID-bedingte SARI war mit rund 166.000 Fällen im ersten Halbjahr 2020 seltener als im selben Zeitraum 2019 (etwa 222.000).
  • Die Zahl der Intensiv- und der Beatmungsfälle war geringer als 2019.
  • Die Krankenhausfälle waren im Lockdown um 40 % reduziert und blieben auch am Ende des ersten Halbjahres circa 15 % unter der Zahl von 2019.
  • Hiervon sind nicht nur elektive Behandlungen, sondern auch dringliche und Notfallbehandlungen betroffen.


Die Ergebnisse bestätigen für COVID-19-Fälle, was bereits im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen bekannt war – etwa Alter und männliches Geschlecht als Risikofaktoren für einen schweren Verlauf. Auffallend ist, dass die Zahl der durch Tests nachgewiesenen COVID-19-Erkrankungen um ein Vielfaches niedriger war als die Fälle mit COVID-19-Verdacht. Unsicherheit beim Umgang mit der Erkrankung und deren Dokumentation zeigen sich in diesen ersten Analysen.

Bedeutung für die Kapazitäten des Gesundheitssystems

Im Vergleich mit den vorliegenden Daten des InEK DRG Browser zeigt sich, dass die bei IQM 2/2 ermittelten Werte absolut repräsentativ für die Realität der Diagnose und Kodierung in ganz Deutschland sind. Der COVID-19-Verdacht wird bei den anstehenden nächsten Wellen infektiöser Atemwegs- und grippaler Erkrankungen eine enorme Bedeutung für die Kapazitäten des Gesundheitssystems haben. Die insgesamt verminderten Fallzahlen im Vergleich zu 2019 sind als Resultat der gewünschten Beschränkungen der elektiven Behandlungen, um Kapazitäten für die Pandemie freizuhalten, gut in den Kliniken umgesetzt worden. Zu jedem Zeitpunkt standen mehr Intensiv- und Beatmungskapazitäten zur Verfügung als benötigt wurden. Die Bedeutung der ebenfalls verminderten dringlichen und Notfallbehandlungen muss für den Krankheitsverlauf der betroffenen Patienten allerdings in den Folgemonaten akribisch abgeschätzt werden.

„Die Studie zeigt, wie relevant Analysen von zeitnah verfügbaren Routinedaten sind, um sehr schnell und fundiert die Fallzahlen in Krankenhäusern erfassen und damit Kapazitäten steuern zu können“, fasst Dr. Francesco De Meo, Präsident des IQM-Vorstandes, zusammen. „Bei den Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie handelt es sich um tiefe Einschnitte für die Gesellschaft und den Einzelnen. Diese sollten nicht allein mit Blick auf das Infektionsgeschehen getroffen werden. Die Politik und alle anderen Akteure im deutschen Gesundheitssystem wären gut beraten, Entscheidungen zu Schutzmaßnahmen und zum Ressourceneinsatz auf einer breiten Datenbasis zu fällen“.

Die Auslastung der deutschen Krankenhäuser

Für die kommenden Wintermonate sei vermehrt mit dem Auftreten von COVID-19-Fällen, aber auch mit anderen SARI-Erkrankungen zu rechnen. Ein fundiertes Monitoring auf Basis von Patientendaten kann, so das IQM, ein gutes Mittel sein, die Auslastung der deutschen Krankenhäuser zu verfolgen und bei Bedarf zielgenau zu reagieren.


Quelle: IQM, 26.10.2020