Fachkräftemangel

Krankenhäuser müssen sich interkulturell aufstellen

Auf einer Tagung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) haben Experten die Bedeutung des Spracherwerbs und der Integration ausländischer Ärzte und Pflegekräfte für die Behebung des Fachkräftemangels im deutschen Gesundheitswesen betont.

Fachkräftemangel

Um dem Fachkräftemangel insbesondere auch im deutschen Gesundheitssystem zu begegnen, hat das BMG im November den Entwurf eines Fachkräfteeinwanderungsgesetzes vorgelegt. | motorradcbr - Fotolia

„Trotz des hervorragenden Wirtschaftswachstums in Deutschland haben wir insbesondere in der Pflege einen enormen Fachkräftemangel“, sagte der Leiter „Zentralabteilung Europa und Internationales“ des BMG, Ingo Behnel, kürzlich in Berlin. Der Bund versuche unter anderem durch die Gewinnung von Fachkräften im Ausland, auf dieses Problem zu reagieren.

Fachkräfteeinwanderung

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der voranschreitenden Digitalisierung benötigt Deutschland zusätzlich Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten. Das Bundeskabinett hat nun Eckpunkte zur Fachkräfteeinwanderung beschlossen.

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„Wir führen derzeit erste Gespräche mit Partnerländern, deren Altersstruktur es erlaubt, dass junge Menschen zum Arbeiten nach Deutschland kommen“, sagte Behnel. Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in diesen Ländern sei es diesen Menschen nicht möglich, in ihrem Heimatland zu arbeiten. Behnel betonte, dass sich Pflegekräfte und andere qualifizierte Berufsgruppen aus dem Ausland in Deutschland wohlfühlen müssten, wenn man sie dauerhaft binden wolle. Dafür müsse auch die Situation der ganzen Familie in den Blick genommen werden.

Um dem Fachkräftemangel insbesondere auch im deutschen Gesundheitssystem zu begegnen, hat das BMG im November den Entwurf eines Fachkräfteeinwanderungsgesetzes vorgelegt, das eine strukturierte Einwanderung von Fachkräften nach Deutschland regeln soll.

Viele Fachkräfte werden nach Deutschland kommen

Christoph Lang, Geschäftsführer von saarland.innovation&standort (saaris), der sich im Saarland unter anderem um die Betreuung arbeitssuchender Menschen mit Migrationshintergrund kümmert, betonte, dass infolge dieses Gesetzes viele Fachkräfte nach Deutschland kommen würden, vor allem auch in das Gesundheitssystem.

„Dafür brauchen wir geeignete Strukturen“, betonte Lang. „Das ist nicht nur Aufgabe der Politik, sondern auch Aufgabe der Krankenhaus- und Pflegeeinrichtungsträger sowie der Gesellschaft.“ Einige Träger seien da schon sehr aktiv, andere jedoch noch nicht.

Träger sollen sich als Marke aufstellen

„Alle Träger müssen lernen, nicht nur über den Fachkräftemangel zu jammern, sondern aus sich als Arbeitgeber eine attraktive Marke zu machen“, betonte Lang. „Und das kann jeder werden. Man muss nur etwas dafür tun, zum Beispiel im Bereich der Mitarbeiterzufriedenheit: damit aus ‚will kommen‘ auch ‚will bleiben‘ wird.“

Saaris habe einen Katalog von 19 Maßnahmen erarbeitet, mit der eine Identifizierung und Integration ausländischer Pflegekräfte gelingen könne. Wichtig sei dabei, frühzeitig herauszufinden, ob die betreffenden Menschen für eine Arbeit in der Pflege geeignet seien, damit es eine möglichst geringe Abbrecherquote gibt, so Lang. Das könne man durch Orientierungspraktika erreichen.

Wichtig sei es zudem, in den Einrichtungen ausbildungsbegleitende Hilfen zu etablieren. „Man braucht den Einsatz von Praxisanleitern, die speziell für eine interkulturelle Praxisanleitung fortgebildet sind“, sagte Lang. „Ohne sie wird es nicht funktionieren.“ Lang betonte allerdings, dass es für eine gelungene Integration keinen Königsweg und keinen Automatismus gebe.