Berufspolitik

Konferenz: „Zukunftstag Familie 2030“

Bundesfamilienministerium
Marianne Nordheim, DVTA-Vorstand Berufsausübung L/V
Zukunftstag Familie 2030
Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) fordert eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. © Bundesregierung/Denzel
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Vereinbarkeit von Beruf und Familie - Prof. Renate Köcher stellte auf einer Konferenz am 15. September im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Umfrage des Allensbacher Institutes vom Juli 2016.

Auf die Frage „Wer kann Eltern in Zukunft am ehesten eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen: Der Staat oder die Unternehmen?“ gab es folgende Antworten: Keiner von beiden: drei Prozent; keine Angabe, unentschieden: drei Prozent; der Staat: zehn Prozent; die Unternehmen: 21 Prozent; beide gleichermaßen: 63 Prozent.

Nach der Begrüßung durch Gerhard Schröder vom Deutschlandradio referierte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig. Sie machte deutlich, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft ein Spagat für junge Familien ist, wenn beide berufstätig sind oder ein Partner nach der Elternzeit wieder ins Berufsleben einsteigen möchte. Daher müsse die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch künftig eine gemeinsame Aufgabe für Unternehmen und Staat sein.
Familien benötigen (dazu gehören auch Patchworkfamilien; alleinerziehende Mütter oder Väter; Personen, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen betreuen):
•    mehr Zeit für Familie
•    finanzielle Unabhängigkeit – insbesondere für Frauen
•    bessere Betreuungsinfrastruktur, zum Beispiel:
•    Ausbau der Kinder- und Hausaufgabenbetreuung (beispielsweise längere und flexible Öffnungszeiten/Kitas)
•    Schulkinderbetreuung (nachmittags Förderung von Schülern – auch Migranten)
•    mehr Ganztagsschulen
•    höheres Kindergeld
•    höherer Kinderfreibetrag
•    Familienleistungen: Unterhaltsvorschuss soll bis zum 18. Lebensjahr künftig vom Staat bezahlt werden.

Schwesig setzt sich für eine beitragsfreie Kita ein. Mehr Leistungen sollen nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden, sondern denjenigen zukommen, die sie brauchen. Die Ministerin wies darauf hin, dass Familienpolitik immer lange Zeit brauche, um Verbesserungen durchzusetzen. Bei der gesellschaftlichen Kommunikation seien alle anzusprechen und ins Boot zu holen – auch die Wirtschaft mit den Unternehmen.

In einem anschließenden Gespräch mit Prof. Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach und Christian Böllhoff, Prognos AG, wurde das Thema Familienleben 2030 – Trends, Szenarien und Effekte einer zukunftsorientierten Familienpolitik diskutiert.

Erwartungen der Bevölkerung

Die breite Bevölkerung geht davon aus, dass sich die beobachtete Zunahme der Erwerbsbeteiligung von Müttern weiter fortsetzen wird: Etwa zwei Drittel erwarten, dass Mütter im Jahr 2030 häufiger in Vollzeit oder in längerer Teilzeit berufstätig sein werden als heute (66 Prozent). Ebenfalls zwei Drittel befürchten, dass die Eltern dann im Alltag noch mehr unter Druck stehen könnten als heute (67 Prozent).

Dementsprechend sieht die Bevölkerung die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch in der Zukunft ganz oben auf der familienpolitischen Agenda: 62 Prozent der Gesamtbevölkerung würden es begrüßen, wenn Staat und Unternehmen sich dann gemeinsam noch stärker für eine gute Vereinbarkeit einsetzen würden als heute.

Zur Unterstützung der Vereinbarkeit wünscht sich eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung eine bessere Betreuungsinfrastruktur: 70 Prozent befürworten für die Zukunft mehr Betreuungsangebote mit längeren und flexibleren Betreuungszeiten für kleine Kinder und Schulkinder.

Zur Verbesserung der Vereinbarkeit spricht sich ein großer Teil der Bevölkerung zudem für Erleichterungen der Vollzeit- oder der vollzeitnahen Berufstätigkeit von Müttern aus (47 Prozent).

Zugleich befürworten 43 Prozent bessere Möglichkeiten für Väter, eine Zeit lang in Teilzeit zu arbeiten oder generell beruflich kürzer zu treten, wenn sie sich mehr an der Familienarbeit beteiligen wollen.

Viele halten eine staatliche Leistung zur Unterstützung der partnerschaftlichen Aufgabenteilung in den Familien für notwendig. Fast die Hälfte der Bevölkerung (46 Prozent) befürwortet eine finanzielle Förderung von Eltern, die sich die Aufgaben in Beruf und Familie gleich aufteilen. Von den Eltern mit Kindern unter acht Jahren – der potenziellen Zielgruppe des im Konzept der Familienarbeitszeit vorgesehenen Familiengeldes – würden sich sogar 63 Prozent eine solche Leistung wünschen.
•    Als besonders hilfreich für die Familien der Zukunft betrachten 65 Prozent der Bevölkerung eine stärkere Berücksichtigung von Kindern bei der Steuer, auch unabhängig vom Familienstand der Eltern. 62 Prozent der Bevölkerung halten eine stärkere finanzielle Unterstützung von Alleinerziehenden in Zukunft für besonders wichtig.
•    65 Prozent sind der Meinung, dass insbesondere Geringverdiener stärker finanziell unterstützt werden müssen.
•    40 Prozent der Bevölkerung fänden es gut, wenn Kinder von Zuwanderern bessere Chancen in Bildung und Beruf bekämen.

Szenarien für die Familie im Jahr 2030

Zu diesem Thema gab es eine Diskussionsrunde mit Dr. Irene Becker, Diplom-Volkswirtin, Dr. Christina Boll, Hamburgisches Welt-Wirtschaftsinstitut, Dr. Monika Queisser, Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und Svenja Pfahl, SowiTra-Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer.

1.     Familie 2030 im Trend-Szenario und im Chancen-Szenario
Für die Plausibilisierung der Szenarien kann auf Expertisen verwiesen werden, die belegen, in welchem Maße familienbezogene Leistungen die Erwerbssituation von Eltern beeinflussen können:
•    Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kommt zu dem Ergebnis, dass der Kinderzuschlag an der Mindesteinkommensgrenze Anreize setzt, so dass Eltern ihr Arbeitsangebot ausdehnen, während der Transferentzug beim Überschreiten der Höchsteinkommensgrenze die weitere Ausweitung der Erwerbstätigkeit bremst. Laut ZEW führt das Ehegattensplitting im Vergleich zur Individualbesteuerung oder zu einem Realsplitting je nach Ausgestaltung zu einer Reduzierung des Erwerbsvolumens der Mütter um rund 26.000 Vollzeitäquivalente.
•    Neben anderen Instituten hat das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung belegt, dass der Ausbau einer bedarfsgerechten Kinderbetreuung nicht nur erheblich zur Förderung der Kinder beiträgt, sondern auch positive Effekte auf die Erwerbstätigkeit der Mütter haben kann. Mütter arbeiten durchschnittlich 2,7 Stunden länger pro Woche, wenn ein bedarfsgerechtes Ganztagsangebot für ihre schulpflichtigen Kinder besteht.
•    Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geht davon aus, dass bei einem bedarfsgerechten Betreuungsplatzangebot 51.000 Mütter eine Erwerbstätigkeit aufnehmen würden.
•    Die Prognos AG ermittelt unter plausiblen Annahmen, dass die Einführung einer Familienarbeitszeit dazu führen kann, dass etwa 1,9 Millionen Mütter und Väter ihre Arbeitszeit an ihre Lebenswünsche anpassen werden. In der Folge könnte sich der Fachkräftemangel um etwa 120.000 Vollzeitäquivalente im Jahre 2030 reduzieren.

Im Prognos Zukunftsreport Familie 2030 werden zwei Szenarien vorgestellt:
1.    Im Trend-Szenario wird angenommen, dass die Erwerbstätigenquote der Mütter weiter ansteigen wird und ihre Erwerbsumfänge werden häufiger in den Bereich von 32 Wochenstunden ausgeweitet werden. Bei Vätern wird davon ausgegangen, dass sie ihre Erwerbsumfänge – ihren Wünschen entsprechend – bis 2030 weiter leicht reduzieren.
2.    Im Chancen-Szenario wird ebenfalls angenommen, dass sich die Trends weiterentwickeln. Darüber hinaus wird von Effekten ausgegangen, die entstehen können, wenn die skizzierten familienpolitischen Impulse – insbesondere bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit und die Förderung partnerschaftlicher Aufgabenteilung sowie Rahmenbedingungen, die eine Erwerbstätigkeit beider Partner gleich lohnend machen – als Trendverstärker dazu beitragen, dass sich das Erwerbsverhalten der Mütter und Väter signifikant ändert.

Das bedeutet, dass das Chancen-Szenario im Vergleich zum Trend-Szenario davon ausgeht, dass Mütter ihre Erwerbstätigkeit weiter ausbauen und Väter weniger arbeiten und mehr Zeit für die Familie verwenden – was stärker den Wünschen der Mütter und Väter entspricht.

Sozioökonomische Situation der Familien im Jahr 2030

Die sozioökonomische Situation von Familien wird sich bei einer Weiterentwicklung der Familienpolitik insgesamt deutlich verbessern:
•    Die Zunahme der Müttererwerbstätigkeit und die Reduzierung überlanger Arbeitsstunden der Väter führen in der Summe dazu, dass das durchschnittliche Haushaltseinkommen aller Familien um rund 1.400 Euro steigt.
•    Insgesamt könnten etwa 210.000 Kinder weniger armutsgefährdet sein.
•    Die Zahl der Kinder in Haushalten mit SGB-II-Bezügen kann sogar um rund 360.000 Personen sinken.
•    Bis 2030 können rund 790.000 Mütter mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein.


Am Nachmittag fanden drei Panels statt, in denen die Teilnehmer der Veranstaltung Verbesserungsvorschläge und Ideen aus ihrer beruflichen Erfahrung in einer sehr lebendigen Diskussion einbringen konnten.

Panel 1: Vereinbarkeit 2030 für Mütter und Väter
(Erwerbswünsche, Erwerbsverläufe und unterstützende Leistungen für Eltern)

Panel 2: Familienleben der Zukunft
(Arbeitsmarktpolitik und Unternehmensstrategien)

Panel 3: Familie und moderne Arbeitswelt 2030
(Arbeitsmarktpolitik und Unternehmensstrategien)

Entnommen aus MTA Dialog 11/2016

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