Gesundheitspolitik

Keine Normung von Gesundheitsdienstleistungen

Fachberufekonferenz
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Berufsgesetze
Der DVTA fordert die Novellierung der Berufsgesetze. Robert-Kneschke/fotolia
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Die Vertreter der Fachberufe im Gesundheitswesen haben sich gegen Bestrebungen gewandt, die Tätigkeit von Ärzten und Angehörigen anderer Berufe zu normieren.

Das sensible Feld der Gesundheit ist für Normungsbestrebungen ungeeignet. Diese Ansicht vertraten einhellig Vertreter von mehr als 40 Mitgliedsverbänden bei der Konferenz der Fachberufe im Gesundheitswesen. „Eine weitere Regulierung der Patientenversorgung durch europäische Normen ist völlig überflüssig und unterläuft die deutschen Qualitätsstandards für Gesundheitsdienstleistungen. Sie wird der individuellen Beziehung zum Patienten nicht gerecht“, sagte Dr. med. Max Kaplan, Vorsitzender der Fachberufekonferenz und Vizepräsident der Bundesärztekammer (BÄK), auf der Tagung am 2. März in Berlin.


Nach Überzeugung der Mitgliedsverbände und der anwesenden Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums gebe es in Deutschland umfassende gesetzliche und berufsrechtliche Regelungen für die Ausübung der Gesundheitsberufe sowie transparente und evidenzbasierte wissenschaftliche Leitlinien. Diese bildeten die Grundlage für die situationsabhängige und selbstbestimmte Berufsausübung. In diesem Zusammenhang wies Katharina Gottschall, Präsidentin des Dachverbandes für Technologen/-innen und Analytiker/-innen in der Medizin (DVTA) auf die dringend notwendige Novellierung der Berufsgesetze hin.

Osteopath als Heilberuf


Exemplarisch schilderte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin, Dr. med. Matthias Psczolla, die seiner Ansicht nach starken Kräfte und politischen Strömungen außerhalb der Ärzteschaft, die die Institutionalisierung des Osteopathen als Heilberuf mit Primärzugang in Deutschland forderten. Da Politik und Kostenträger im Gesundheitswesen die von diesen Kräften angestrebte Installation eines neuen Heilberufes aus verständlichen Gründen zurückwiesen, werde jetzt versucht, über den Umweg einer Normierung über das Europäische Komitee für Normung (Comité Européen de Normalisation, CEN) und das deutsche DIN-Institut „…eine weiche Vorschrift unter der Ebene eines Gesetzes zu erstellen, die den Weg einer Gesetzgebung zur Installation eines teilweise auch akademischen Osteopathen ebnen soll.“


Ärztekammern und Physiotherapeuten wiesen den Entwurf einer Normierung von Gesundheitsdienstleistungen entschieden zurück, da diese Normierung auf die individuelle Behandlung des jeweiligen Patienten und die Therapiefreiheit der Heilberufe einwirke, betonte Psczolla. Außerdem seien Normen nicht geeignet, wissenschaftlich gebotene Standards für stets komplexe und immer individuelle Behandlungen festzulegen und zu bestimmen.

Fachkräftemangel wurde diskutiert


Ein Thema, mit dem sich zahlreiche Fachberufe im Gesundheitswesen beschäftigen, ist auch der Fachkräftemangel. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) hält deshalb die Weiterentwicklung der getrennten Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege hin zu einer einheitlichen Pflegeberufsausbildung für sinnvoll. „Es geht um eine neue Strukturierung und Zusammenführung eines Pflegeberufes. Man spricht von einer generalistischen Ausbildung, das heißt eine Erstausbildung für alle, die grundständig in der Pflege ausgebildet werden“, sagte Gertrud Stöcker, Vizepräsidentin des DBfK.


Neben der fachschulischen Ausbildung werde es außerdem eine hochschulische Ausbildung mit etwas mehr als 50 grundständigen Studiengängen in der Pflege geben, die mit dem Bachelor abschließen würden. Die Gesamtverantwortung für die Ausbildung liege in der Hand der Hochschulen. Die Studierenden an diesen Hochschulen hätten keinen Ausbildungsvertrag und keine Ausbildungsvergütung. DVTA-Präsidentin Anke Ohmstede begrüßte diese Zweigleisigkeit in der Pflegeausbildung. Sie forderte außerdem „…eine Durchlässigkeit für den Berufserwerb.“ „Gerade in Berufen mit einem hohen Frauenanteil muss außerdem die Möglichkeit der Teilzeitausbildung bestehen.“ Ohmstede erhofft sich in dieser Frage die Unterstützung durch die Bundesärztekammer, die Kaplan ihr zusicherte: „Auch wir bauen unsere Teilzeitweiterbildung noch weiter aus.“

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Es zeigte sich auf der Tagung auch, dass der Grad der Akademisierung in den Fachberufen ein wichtiges Diskussionsthema ist. Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, hält einen gegenseitigen Austausch in dieser Frage für sinnvoll. „Jeder muss für seinen Beruf den Akademisierungsgrad selbst bestimmen. Nur in einem sind wir uns sicher einig: Eine hundertprozentige Durchakademisierung ist genauso unsinnig wie ein Verzicht auf jegliche Akademisierung.“

Versorgung von Flüchtlingen


Zudem nutzten die Angehörigen der Gesundheitsfachberufe die Tagung für einen Erfahrungsaustausch über die Versorgung von Flüchtlingen. Die Teilnehmer betonten, dass nicht zuletzt die funktionierende interprofessionelle Kooperation und das große – häufig ehrenamtliche – Engagement der Beschäftigten im Gesundheitswesen dazu beitragen, die großen Herausforderungen zu bewältigen. Die Versorgung der Flüchtlinge sei bundesweit medizinisch hervorragend umgesetzt worden, meinte auch der BÄK-Präsident. „Wir haben genug Kapazitäten, um 1,8 Prozent mehr Menschen problemlos im Regelsystem zu versorgen. Wir setzen uns daher für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und gegen Leistungseinschränkungen ein.“


„Es kommen viele Menschen, auch Ärzte und Abiturienten nach Deutschland, die sehr willkommen sind, weil wir unter Umständen den Fachkräftemangel mit ihnen auffangen können“, erhoffte sich Andrea Rädlein, Vorsitzende des Deutschen Verbandes für Physiotherapie. Kaplan wies allerdings darauf hin, dass unter der Integration der Flüchtlinge in die Arbeitswelt die Qualität nicht leiden dürfe. Zunächst einmal müsse die Sprachproblematik gelöst werden.

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