Dialog

Interview mit Regine Schöttgen und Eva Hansmann

Eva Hansmann, MTLA, ist seit Januar 2017 im Zentrallabor im Ortenau Klinikum Offenburg tätig. Regine Schöttgen ist 62 Jahre alt und feierte 2017 ihr 40-jähriges Dienstjubiläum im Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach.

Interview mit Regine Schöttgen und Eva Hansmann

Eva Hansmann, Regine Schöttgen | Für beide: © privat

Eva Hansmann, MTLA, hat in Freiburg an der MTA-Schule die Ausbildung zur MTLA absolviert. Anschließend war sie zehn Jahre in der Mikrobiologischen Abteilung beim Labor MVZ Clotten in Freiburg beschäftigt und hat so ihre erste Berufserfahrung gesammelt. Seit Januar 2017 ist sie im Zentrallabor im Ortenau Klinikum Offenburg tätig. Regine Schöttgen ist 62 Jahre alt und feierte 2017 ihr 40-jähriges Dienstjubiläum im Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach. Dort war sie 27 Jahre als Vertretung der Laborleitung tätig. In dieser Zeit hat sie an 80 Seminaren und Workshops teilgenommen.

Weshalb haben Sie sich für den MTA-Beruf entschieden, was gefällt Ihnen an diesem Beruf beziehungsweise was schätzen Sie am MTA-Beruf?

Hansmann: Als Kind war ich oft im Labor, da meine Mutter selbst auch MTA ist und seit 38 Jahren im Ortenau Klinikum Offenburg arbeitet. Ich fand die Arbeit total interessant. Als ich vor der Berufswahl stand, habe ich mir dann Gedanken gemacht, was ich später mal machen möchte. Zuerst wollte ich in die Apotheke, habe dann aber bemerkt, dass das nicht mein Ding ist. Gott sei Dank, denn jetzt habe ich den Beruf, der mir Freude macht.

Schöttgen: Ich schätze an meinem Beruf die Vielfältigkeit an Fachgebieten, das selbstständige, eigenverantwortliche Arbeiten, die Teamarbeit, die immensen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Haben sich Ihre ursprünglichen Erwartungen an den Beruf erfüllt? Gibt es auch negative Seiten, die Sie erlebt haben?

Hansmann: Da ich ja durch meine Mutter vorgeprägt war, wusste ich, was mich erwartet. Vor allem auch, dass man in diesem Beruf auch am Wochenende und nachts arbeiten muss.

Schöttgen: Meine Begeisterung für die Arbeit im Labor wurde in einer internistischen Praxis geweckt. Ich durfte mir schon als Arzthelferin ein kleines Labor einrichten und auch selbst venöse Blutabnahmen durchführen. Ich wollte mein Wissen und Können erweitern und entschied mich für die Ausbildung zur MTLA in Karlsruhe.

Was macht Ihnen besonders Freude bei der Arbeit als MTA? Was motiviert Sie, täglich zur Arbeit zu gehen, um den Beruf auszuüben?

Hansmann: Ich schätze es, dass der MTA-Beruf ein vielseitiger und abwechslungsreicher Beruf ist, man weiß nie, was einen am nächsten Tag erwartet, und das ist immer spannend. Mir gefällt das Zusammenspiel zwischen Laborarzt und Stationspersonal und dass die Arbeit im Labor zu einem großen Teil zur Diagnose des Patienten beiträgt.

Schöttgen: Das Interesse an Biologie, Immunologie, die Arbeit in einer Klinik oder großen Laborpraxis, die Teamarbeit, der Patientenkontakt sowie der Kontakt zu vielen weiteren Berufsgruppen (Ärzte, Pflegepersonal, Funktionsassistenten), aber auch die Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.

Was wären für Sie Argumente, warum junge Menschen den Beruf ergreifen sollten? Was würden Sie mit Ihrer Erfahrung einem Berufseinsteiger mit auf den Weg geben?

Hansmann: Mir gefallen die Vielseitigkeit des MTA-Berufes und die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten. Es ist für mich ein interessanter Beruf, allerdings muss klar sein, dass man auch mal länger im Labor bleiben muss, wenn Notfälle zu bearbeiten sind. Im klinischen Labor gibt es keine gleichbleibende Arbeitsschicht, man muss sich auf wechselnde Dienstzeiten einstellen und dessen sollte man sich bei der Berufswahl beziehungsweise bei der Bewerbung um eine Arbeitsstelle bewusst sein. Der Anfang in einem neuen Arbeitsbereich ist hart, aber nach einer gewissen Einarbeitungszeit kommt die Routine, und dann wird es einfacher, weil es vielseitig und interessant ist. Die verschiedenen Dienstzeiten haben Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist zum Beispiel, dass man unter der Woche mal frei hat, um Botengänge und andere Termine wahrzunehmen. Auch kann es ein verlängertes Wochenende geben. Der Nachteil ist, dass man Dienst hat, wenn andere frei haben, zum Beispiel an Weihnachten oder Ostern.

Schöttgen: Als Berufsanfängerin hat mich die Vielseitigkeit der Arbeit im großen Team begeistert, auch das Abenteuer Nacht- und Wochenenddienst. Heute als erfahrene MTLA arbeite ich gerne in einem kleinen Team mit sehr interessanter Diagnostik, wo wir Patienten von der Entnahme des Untersuchungsmaterials bis zur Therapie erleben. Der MTA-Beruf ist eine sinnvolle, interessante Tätigkeit in der Diagnostik zum Wohle der Patienten. Ich würde einer jungen Berufseinsteigerin raten, nicht sofort nach dem Examen in die Forschung oder in ein Speziallabor zu gehen, sondern sich in einem Labor mit mehreren Fachgebieten umzuschauen, um sich später zu spezialisieren. Der Arbeitgeber sollte die Weiterbildungen finanziell und zeitlich unterstützen.

Was sind für Sie wichtige Elemente für eine gute Work-Life-Balance?

Hansmann: Wichtige Elemente sind für mich der Ausgleich zwischen Arbeit und Privatleben, und für mich ist es wichtig, manche dienstlichen Dinge nicht mit nach Hause zu nehmen. Ein weiterer Punkt ist für mich, ein ausgeglichenes Privatleben zu haben, und natürlich muss die Arbeit auch Spaß machen.

Schöttgen: Achtsamkeit und Wachsamkeit im Beruf sowie zu versuchen, Familie und Beruf eventuell durch Arbeitszeitänderung zu kombinieren. Daneben sind für mich wichtig die Anerkennung und Bestätigung durch Fort- und Weiterbildungen.

 

Entnommen aus MTA Dialog 7/2019