Möglichkeiten als staatlich geprüfter Techniker der Medizintechnik

Interview mit Ralf Albert

Neben der beruflichen Perspektive haben sich viele MTA auch im Hinblick auf die vielfältigen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für diesen Beruf entschieden. Spezialisierung, Studium oder staatlich geprüfter Techniker der Medizintechnik? Alles ist möglich.

Interview mit Ralf Albert

Ralf Albert | © privat

In einem Interview mit MTA Dialog beschreibt Ralf Albert, Bereichsleiter Zusatzqualifikation und Koordinator Fachrichtung Medizintechnik der Rheinischen Akademie Köln gGmbH (RAK) Berufskolleg, die beruflichen Perspektiven, die eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker der Medizintechnik für die MTA bietet, weshalb die Anzahl der Schüler der Nachfrage nicht gerecht wird und wie sich der Unterricht in Zeiten von Corona im RAK gestaltet.

Rheinische Akademie Köln

Unter dem Dach der Rheinischen Akademie Köln gGmbH (RAK) befinden sich neben der Fachschule für Technik die Höhere Berufsfachschule für Technik, das Biologisch-technische Gymnasium, das Berufliche Gymnasium für Ingenieurwissenschaften (geplant ab September 2021). Neben staatlich anerkannten Abschlüssen bietet die RAK Vorkurse sowie die Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt. Die sechswöchigen Vorkurse beginnen jeweils Anfang Juni, richten sich an Bewerber für die Fachschule für Technik. Im Anschluss an die Weiterbildung zum Techniker können Schüler am Bildungspartner der RAK, dem Rheinischen Bildungszentrum (RBZ), die einsemestrige Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt absolvieren.

Weshalb wäre die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker der Medizintechnik interessant für MTA?

Weitere Berufschancen und besseres Gehalt! Mit der Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker der Medizintechnik eröffnen sich weitere Berufschancen, denn gut ausgebildete Medizintechniker haben beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt, weil in diesem Bereich ein deutlicher Fachkräftemangel besteht. Das wichtigste Argument ist vermutlich das zu erwartende deutlich besser dotierte Gehalt.

In welchen Bereichen können staatlich geprüfte Techniker der Medizintechnik arbeiten?

Staatlich geprüfte Techniker der Medizintechnik wirken bei der Entwicklung, Herstellung, Einrichtung und Anwendung medizintechnischer Geräte mit und finden Beschäftigung in Krankenhäusern, Gesundheitszentren und bei Herstellern medizintechnischer Geräte. Die Anforderungen in der Berufspraxis sind dabei vielseitig, vielschichtig und interdisziplinär. Während der Weiterbildung erlangt man neben den vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Kenntnissen in den Bereichen Sicherheitstechnische Kontrollen (STK) und Medizintechnische Kontrollen (MTK) einen guten Überblick über alle zukünftigen möglichen Einsatzbereiche in der Medizintechnik, eine gezielte Schulung folgt anschließend durch den Arbeitgeber.

Medizintechniker sind als Servicetechniker für die Wartung und Instandsetzung medizinischer Gerätschaften und teilweise auch für deren Montage, Service und die Einbindung in medizinische Netzwerke verantwortlich. Beim Kauf medizinischer Geräte sind sie Ansprechpartner für Ärzte und Verwaltungspersonal und übernehmen in Krankenhäusern und Arztpraxen die Einweisung und Schulung des medizinischen Personals in Hinblick auf sachgemäßen gerätetechnischen Umgang.

Weitere Aufgaben finden sie im Marketing und Vertrieb als Produktmanager oder Medizinproduktberater. Neben den Produkteigenschaften müssen sie auch die aktuell relevanten Gesetze und Verordnungen kennen und Kunden entsprechend beraten.

Um es noch etwas anschaulicher beschreiben zu können: MTA arbeiten tagtäglich mit Geräten, beispielsweise aus der Bildgebung, der Labortechnik oder der Funktionsdiagnostik – ob in der Human- oder Veterinärmedizin – und kennen die Notwendigkeit einer professionellen Beratung vor dem Kauf dieser Geräte, regelmäßig stattfindender Wartungen, Konstanzprüfungen oder anderer Qualitätsprüfungen.

Wie gestaltet sich die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker der Medizintechnik hinsichtlich der Dauer, Inhalt und Förderung?

Der staatlich geprüfte Techniker ist ein fortbildender Abschluss in Deutschland und muss, um diese geschützte staatliche Abschlussbezeichnung führen zu dürfen, an einer Fachschule für Technik absolviert werden. Die Technikerweiterbildungen und -prüfungen regeln die einzelnen Bundesländer in ihren Schul- beziehungsweise Fachschulordnungen auf Grundlage der bundeseinheitlichen Rahmenvereinbarung über Fachschulen. Die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker der Medizintechnik dauert zwei Jahre und vermittelt anhand theoretischer Grundlagen sowie praxisbezogener technischer Aufgabenstellungen die sichere Anwendung und Wartung medizinischer Untersuchungsgeräte sowie Diagnosepraktiken.

In der RAK umfasst der Unterricht 2.400 Stunden und ist in Lernbereiche unterteilt. Im fachrichtungsübergreifenden Lernbereich werden Managementfähigkeiten in den Fächern Deutsch/Kommunikation, Englisch, Politik/Gesellschaftslehre, Betriebs- und Personalwirtschaft vermittelt. Zu dem fachrichtungsbezogenen Bereich zählen die Fächer medizintechnische Verfahren, medizinische Geräte und Systeme, Service und Funktionskontrolle, medizintechnisches Management und Projektarbeit. In diesem berufsspezifischen Teil spiegeln die Bereiche Elektrotechnik, Informationstechnik, medizinisches Basiswissen (Anatomie, Physiologie, Implantatetechnik, Hygiene), Radiologie und Medizingerätetechnik sowie Sicherheits-, Mess- und Sensortechnik die Vielfalt der möglichen beruflichen Einsatzgebiete wider. Die RAK bietet den Erwerb der Zusatzqualifikationen wie der Ausbildereignungsprüfung oder den Abschluss zum Strahlen- oder Laserschutzbeauftragten an.

Zum Ende der Weiterbildung bildet die Vorstellung der Techniker- beziehungsweise Projektarbeit einen wesentlichen Teil der Abschlussprüfung. Bewerber für die Fachschule für Technik, die seit längerer Zeit keine Schule besucht haben oder durch jahrelange Berufspraxis nicht mehr an systematisches Lernen gewöhnt sind, können in der RAK einen sechswöchigen Kurs, beginnend jeweils Anfang Juni, besuchen. Hier werden Grundkenntnisse in Mathematik sowie die Fachkunde für Elektrotechnik vermittelt. Im Anschluss an die Weiterbildung können Schüler der RAK eine einsemestrige Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt an unserem Bildungspartner, dem Rheinischen Bildungszentrum (RBZ), absolvieren.

Worin liegt der Unterschied zum Studium im Bereich Medizintechnik? Für wen würde sich die Weiterbildung zum Techniker eher eignen?

Während das Studium im Bereich Medizintechnik in der Regel sechs Semester (im Falle notwendigen Praxisseminars sieben Semester) dauert und insgesamt Theorie und wenig Praxis vermittelt, kann die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker der Medizintechnik innerhalb von zwei Jahren absolviert werden und hat einen großen Praxisbezug. Um das erworbene Kompetenzniveau in der Europäischen Union einstufen zu können, wurde im Rahmen der Erstellung des Europäischen und Deutschen Qualifikationsrahmens EQR/DQR der staatlich geprüfte Techniker auf die Stufe 6 eingeordnet, man erreicht also das Bachelorniveau, auch wenn man hiermit nicht weiterstudieren kann. Rein formal kann man dieselben Aufgaben übernehmen.

Während der Medizintechnikstudent mit seiner theoretischen Ausbildung tendenziell bevorzugt mit Aufgaben in der Firma betreut wird, handelt es sich bei dem Techniker um eine Art Bindeglied, und er wird erfahrungsgemäß eher für Aufgaben vor Ort eingesetzt aufgrund seiner Grundausbildung, seiner Berufserfahrung und praxisbezogenen Weiterbildung. Diese Weiterbildung eignet sich für diejenigen, die an einem Bachelorniveau nach EQR/DQR ohne akademische Laufbahn bei vergleichbarem Gehalt genauso interessiert sind wie an medizintechnischen Aufgaben mit hohem Qualitätsanspruch im direkten Kundenkontakt.

Welche Voraussetzungen muss man für die Weiterbildung mitbringen?

Rein formal benötigt man neben der Mittleren Reife eine (weitestgehend) fachbezogene dreijährige Berufsausbildung sowie ein Jahr Berufserfahrung. Während Verständnis für die Medizin und Liebe für den Patienten bei einer MTA vorausgesetzt werden können, sind zusätzliche elektrotechnische Grundkenntnisse oder zumindest die Bereitschaft, sich diese im Zuge der Weiterbildung anzueignen, genauso wichtig wie das im Zeitalter der Digitalisierung notwendige fundierte IT-Know-how.

Wie ist die aktuelle Situation an den Technikerschulen und entspricht dies der Nachfrage nach Medizintechnikern? Wenn nicht – wie könnte dies geändert werden?

Die Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker der Medizintechnik ist weitestgehend unbekannt – eine Tatsache, aufgrund welcher es wenig Bewerbungen gibt. Oft haben Schüler erst im Vorkurs oder im Zuge einer Infoveranstaltung davon erfahren. Die Nachfrage ist bei Weitem höher. Man könnte es so beschreiben: Firmen benötigen vielleicht 500 neue Medizintechniker jährlich, tatsächlich ausgebildet werden vielleicht 200 – und das deutschlandweit. Um zu vermeiden, dass beispielsweise Firmen ihre Servicetechniker über medizintechnikferne Subunternehmen stellen müssen, sollte der staatlich geprüfte Techniker der Medizintechnik als mögliche Weiterbildung an Bekanntheit gewinnen.

Werbeaktionen seitens der Technikerschulen sollten sich zukünftig wohl zielgerichteter an bestimmte Berufsgruppen, wie insbesondere die MTA, richten. Um auch in diesem Jahr einen weiteren Kurs beginnen zu können, hofft die Rheinische Akademie Köln natürlich auf ausreichend Bewerber, da sich die RAK alternativ gezwungen sieht, zukünftig den Techniker für Elektrotechnik mit einer Schulung im Bereich Medizintechnik zu ergänzen, um zumindest in gewisser Hinsicht der großen Nachfrage entsprechen zu können.

Wie gestaltet sich aktuell der Unterricht in Zeiten von Corona an der Rheinischen Akademie Köln (RAK)?

Unsere Kollegen und Kolleginnen waren auch in der Vergangenheit geschult darin, mit Microsoft 365 schnell agieren zu können, sei es in MS-Teams oder mittels Videopräsentationen; unsere Lehrkräfte werden außerdem regelmäßig darin geschult, mit digitalen Medien umgehen und arbeiten zu können. Zusätzlich haben wir Zoom-Lizenzen gekauft, womit einige Kollegen und Kolleginnen bisher gut arbeiten konnten, außerdem haben wir technische Verbesserungen vorgenommen, wie beispielsweise ein verbessertes WLAN oder die Ausstattung unserer Lehrkräfte mit Konvertibles.

Obwohl Softwareverbesserungen und geschulte Lehrkräfte bei uns vorhanden sind, während andere Schulen vergleichbare Verbesserungen frühestens in diesem Jahr erwarten, läuft es natürlich längst noch nicht so, wie es sein sollte und die aktuelle Krise sollte als Chance gesehen werden, auch als alteingesessene Bildungseinrichtung mit der Zeit zu gehen und sich neue mediale Möglichkeiten zunutze zu machen.

Interview mit Patrick Grothus

© privat

Patrick Grothus befindet sich gerade in Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker der Medizintechnik an der RAK.

Weshalb hast du dich für diese Weiterbildung entschieden?

Viele meiner Freunde und Familienangehörige haben einen medizinisch-technischen Hintergrund. Ich selbst habe persönliche Fähig- und Fertigkeiten im (elektro)technischen Bereich. Die beruflichen Chancen und guten Gehälter, welche mit einem Beruf im Bereich der Medizintechnik zu erwarten sind, waren letztlich der Anreiz, mich für den Techniker in der Medizintechnik als bessere Alternative zum Techniker im Maschinenbau zu entscheiden.

Wo möchtest du später arbeiten?

Ich habe jahrelang als Abteilungsleiter gearbeitet und war verantwortlich für die Einrichtung und Instandhaltung vorhandener und den Einsatz neuer Maschinen. An Verantwortung im mittleren Führungsbereich bin ich also genauso interessiert wie an der Betreuung und Einrichtung medizinisch-technischer Maschinen. Ich komme aus der Drucktechnik und interessiere mich für die Bereiche bildgebende Diagnostik (Stichwort: digitale Bildverarbeitung und Qualitätskontrollen der Beleuchtungsstärken an Arbeitsplätzen) und 3-D-Druck, einem Verfahren mit welchem Prothesen oder medizinische Modelle für eine bestmögliche Vorbereitung komplizierter operativer Eingriffe „gedruckt“ werden.

Andere Trends auf dem medizintechnischen Arbeitsmarkt interessieren mich ebenso: Smarte Handprothesen sind mit Elektroden ausgerüstet, welche Muskelsignale des Unterarms aufnehmen und messen. Selbstlernende Algorithmen erkennen daraus für einzelne Handbewegungen charakteristische Muster und wandeln diese in Bewegungsabläufe in der Prothese um. Mobile Exoskelette sind gewissermaßen mit die Bewegungsqualität messende und auswertende Sensoren ausgestattete Roboteranzüge für bewegungseingeschränkte Menschen. Zur Stärkung der Motorik und Förderung der Autonomie des Patienten soll der Sensoranzug auch Muskeln mobilisieren und Nerven stimulieren. Neben der Durchführung von Qualitätsprüfungen in der bildgebenden Diagnostik könnte ich mir also gut vorstellen, für einen Hersteller dieser modernen medizintechnischen Produkte beziehungsweise Technologien beispielsweise als Medizinproduktberater zu arbeiten.

Existiert bereits ein Jobangebot?

Es gibt einige Firmen, die während meiner bisherigen Weiterbildungszeit eine große Bereitschaft gezeigt haben, uns Schüler direkt nach der Prüfung unter Vertrag zu nehmen. Insbesondere im Bereich Beatmungstechnik gibt es einige Angebote. Vermutlich ist die Situation da ähnlich wie bei den MT(R)A – die Nachfrage ist genauso groß wie die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten. Ein Drittel meines Jahrgangs hat bereits eine Stelle, andere möchten im Anschluss die einsemestrige Weiterbildung zum Technischen Betriebswirt am Rheinischen Bildungszentrum (RBZ), einem Bildungspartner der RAK, machen. Da die Nachfrage nach Medizintechnikern groß ist, bin ich optimistisch. Viele der Schüler des vorangegangenen Jahrgangs haben, meines Wissens nach, bereits vor Zeugniserhalt einen Arbeitsvertrag unterschrieben.

 

Entnommen aus MTA Dialog 3/2021