Interview mit Gabriele Emminger

Eine Schule mit hohem Anspruch und familiärer Atmosphäre



Warum lohnt es sich heute noch, MTA zu werden?

Es ist ein schöner, interessanter und abwechslungsreicher Beruf, der sich laufend weiterentwickelt. Man hat viele große Fachbereiche, ist breit aufgestellt, kann im Team arbeiten. Und bei aller technologischen Entwicklung hat man als MTA einen sicheren Arbeitsplatz. Der DVTA hat festgestellt, dass es in Deutschland circa 70.000 Arbeitsplätze für MTA gibt und davon arbeiten circa 19.000 im Krankenhaus. Die anderen sind alle verteilt. Es gibt also eine Vielfalt von Arbeitsmöglichkeiten, und man kann sich den Arbeitsplatz suchen, der einem individuell am besten passt. Ein weiterer Vorteil ist: 51 Prozent der Leute arbeiten in Teilzeit. Das ist natürlich familienfreundlich.

Wieso wird der Beruf der MTLA gerade in Corona-Zeiten in der Öffentlichkeit nicht angemessen wahrgenommen?

Das hat meiner Ansicht nach zwei Gründe. Es liegt zum einen daran, dass die MTLA in der Regel nicht am Patienten sichtbar ist und von den Patienten nicht wahrgenommen wird. Die Labore sind meistens in Nebengebäuden untergebracht oder sind ausgelagert. Die MTLA wird einfach nicht gesehen. Sie bekommt das Untersuchungsmaterial und hat nur indirekt mit dem Patienten zu tun.

Marina Geisen

Wegen des sich ausbreitenden Coronavirus wurden bundesweit die Schulen und Kindertageseinrichtungen geschlossen - meist bis zum Ende der Osterferien. Das betrifft auch die MTA-Schulen. Über ihre Erfahrungen in dieser außergewöhnlichen Situation berichtet im Telefoninterview mit MTA Dialog Marina Geisen, stellvertretende Schulleiterin an der MTA-Schule des St. Elisabeth Krankenhauses in Köln.

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Der zweite Grund ist: Die MTA streiken nicht und können ihre Interessen nicht adäquat vertreten. Ich glaube, das sind die beiden Hauptgründe. In den Medien ist zurzeit das Pflegepersonal deutlich stärker vertreten. Die MTLA sind eher unsichtbar, obwohl sie die ganzen Tests machen und sehr überlastet sind.

Wünschen Sie dem Beruf insgesamt mehr Wertschätzung/Aufmerksamkeit?

Ja, auf jeden Fall. Ich finde, die Arbeit der MTA ist sehr wichtig. Wenn Sie ins Krankenhaus kommen, dann helfen wir, die richtige Diagnose zu stellen. Und das finde ich sehr wichtig. Die Grundlage für alle Therapie im Krankenhaus sind die klinische Chemie, die Mikrobiologie, die Hämatologie oder die Histologie. Denken Sie nur an die Krebsdiagnosen durch Gewebeuntersuchungen oder auch die ganzen Befunde, die bei Infektionen von Bedeutung sind. Die Tätigkeit der MTLA ist insofern ein essenzieller und unentbehrlich für die Therapie.

Muss Ihrer Ansicht nach die MTA-Ausbildung reformiert werden und wenn ja, in welche Richtung?
Ja, die MTA-Ausbildung muss reformiert werden. Der letzte Lehrplan von Bayern ist von 1992. Gut, dass es überhaupt einen gibt. Das ist bundesweit auch nicht überall der Fall. Es ist inzwischen aber viel passiert. Die Molekularbiologie hat einen größeren Anteil als früher. Andere Fächer kann man vielleicht etwas mehr vernachlässigen. Insgesamt muss der Lehrplan ganzheitlicher, fächerübergreifender und handlungsorientierter gestaltet werden.

Was geben Sie Ihren ehemaligen Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg?

Freuen Sie sich auf Ihren Beruf! Er ist schön und vielfältig. Seien Sie anspruchsvoll bei Ihrer Arbeitsqualität, gegenüber sich selbst und auch Ihren Chefs gegenüber, und lassen Sie sich anständig bezahlen! Das liegt nämlich noch etwas im Argen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft in Ihrer Schule?

Weniger Bürokratie, mehr Zeit für Zuwendung. Wir haben deutlich mehr Verwaltungsaufgaben als früher, und da bleibt mancher Blick auf die Schüler*innen auf der Strecke. Wenn wir Besprechungen haben, geht es meistens um Organisation und nicht um die Weiterentwicklung der Schulqualität und am allerwenigsten um die Schüler*innen. Das würde ich als Schulleiterin gern ändern wollen.

Die Fragen stellten Gisela Klinkhammer und Ludwig Zahn.