Dialog

Interview mit DVTA-Präsidentin Claudia Rössing

Auf der Jahreshauptversammlung des DVTA am 4. Mai 2019 wurde Claudia Rössing zur neuen Präsidentin Radiologie und Funktionsdiagnostik gewählt. Seit 2006 ist sie Mitglied im DVTA. Im Folgenden gibt sie einen Einblick in ihre künftigen Ziele und Schwerpunkte.

Interview mit DVTA-Präsidentin Claudia Rössing

Claudia Rössing | © Tobias Roth

Frau Rössing, Sie sind auf der diesjährigen Hauptversammlung zur DVTA-Präsidentin Fachrichtung Radiologie/Funktionsdiagnostik gewählt worden. Was hatte Sie bewogen, zur Wahl anzutreten? Was war Ihre Motivation?

Ich bin im Vorfeld mehrfach angesprochen worden, ob ich mir vorstellen könnte, das Amt zu besetzen. Allerdings bin ich nicht mit dem Wunsch oder dem Gedanken, mich zur Wahl zu stellen, zur Hauptversammlung (HV) angereist. Das Bestreben, das vor zwei Jahren mit der Wahl von Frau Lauterbach angestoßen wurde, die Funktionsträger des DVTA e.V. zu verjüngen, habe ich sehr begrüßt und gehofft, dass sich dies fortsetzt. Aus der HV heraus gab es zwei Wahlvorschläge für das Amt. Frau Ohmstede hat abgelehnt, sodass ich innerhalb kürzester Zeit eine definitive Entscheidung treffen musste. Da mir der DVTA e.V. und das Berufsbild der MTA sehr am Herzen liegen, habe ich mich entschlossen, zur Wahl anzutreten.

Streben Sie an, das Amt hauptberuflich auszuüben?

Aufgrund der sehr kurzfristigen Amtsübernahme für die nur noch zweijährige Amtsperiode ist es schwer, meinen beruflichen Mittelpunkt zu ändern, sodass ich das Amt der Präsidentin ehrenamtlich ausübe.

Welche Ziele verfolgen Sie? Was möchten Sie in den nächsten Jahren bewegen? Welche Schwerpunkte wollen Sie künftig setzen?

Viele meiner MTA-Kollegen/-innen kennen das Problem, dass die Anerkennung für ihre Arbeit und das Fachwissen in ihren Tätigkeitsgebieten fehlt. So werden MTA häufig als „Knöpfchendrücker“ oder Ähnliches betrachtet. Hier verfolgt der DVTA e.V. seit einigen Jahren das Ziel, die Fachkompetenz der MTA in den Fokus zu rücken. Ein weiterer Schwerpunkt ist die dringend notwendige Novellierung des MTA-Gesetzes sowie der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (APrV). Der DVTA e.V. kann seine Ziele jedoch nur erreichen, wenn er eine starke Gemeinschaft ist, daher muss auch die Mitgliedergewinnung/-pflege besonders beachtet werden, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Als Berufsverband ist es natürlich wichtig, im Bereich der Berufspolitik aktiv zu sein, man darf allerdings seine eigenen Mitglieder und deren Bedürfnisse nicht aus dem Blick verlieren. Diesen Punkt sehe ich persönlich als Herausforderung an, da es nicht einfach ist, einer großen Anzahl an Mitgliedern gerecht zu werden oder diese Mitglieder zu erreichen. Trotz der heutigen Vielzahl an digitalen Medien und Kommunikationsmöglichkeiten haben wir als Verband das Problem, mit unseren Mitgliedern in Kontakt zu treten. Ich möchte auf diesem Weg unsere Mitglieder ermuntern, sich einzubringen und Kontakt zu uns aufzunehmen, sei es auf Bundesebene oder auf Landesebene. Wir benötigen die Rückmeldungen unserer Mitglieder sowie deren Ideen, um ihnen gerecht zu werden.

Wo sehen Sie die künftigen Herausforderungen für die MTA-Berufe?

Die zunehmend schnellere Entwicklung im Bereich der Technologie, die Veränderungen im Gesundheitswesen sowie neue Erkenntnisse der Epidemiologie stellen MTA allgemein vor große Herausforderungen. Weiterhin bleibt auch die Akademisierung ein wichtiges Thema. Die Herausforderung in diesem Bereich wird sein, auch bereits berufstätigen MTA den Zugang zu einer akademischen Laufbahn zu ermöglichen und hierbei verschiedene Lebenssituationen zu berücksichtigen. Andererseits jedoch auch dem Wunsch von MTA Rechnung zu tragen, keine akademische Laufbahn einzuschlagen.

Der DVTA e.V. hat vor Kurzem ein Positionspapier „Bildungskonzept Zukunft“ verabschiedet. Warum halten Sie eine Reform der MTA-Ausbildung für erforderlich?

Um den Beruf der MTA für die kommenden Generationen weiter attraktiv zu halten beziehungsweise wieder attraktiv zu machen, ist eine Reform zwingend notwendig. Aktuell haben MTA wenige Möglichkeiten, sich akademisch höher zu qualifizieren. Weiter fehlen Möglichkeiten, auf die Bedürfnisse der Auszubildenden einzugehen, wie beispielsweise Teilzeitausbildung oder die Möglichkeit der berufsbegleitenden Ausbildung. Auch ein fehlendes anerkanntes Weiterbildungskonzept (im Sinne des lebenslangen Lernens) trägt dazu bei, dass der MTA-Beruf im Vergleich zu anderen Gesundheitsfachberufen an Attraktivität verloren hat und möglicherweise weiter verlieren wird. Dem gilt es, dringend entgegenzuwirken.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat in seinem Grußwort zum 50. Geburtstag des DVTA zugesagt, das MTA-Gesetz sowie die MTA-Ausbildungs- und Prüfungsverordnung zu modernisieren. Was sind da die nächsten Schritte? Haben Sie bereits Gespräche mit der Politik geführt?

Ich persönlich habe in meiner erst jungen Amtszeit noch keine Gespräche geführt. Der Bundesvorstand hat bereits vor meiner Wahl diesbezüglich Gespräche geführt und strebt seit Langem die Überarbeitung der APrV an. Diese Gespräche haben lange vor der Amtszeit von Herrn Spahn begonnen. Aktuell scheint jedoch die Möglichkeit gegeben, diese zwingende Modernisierung endlich realisieren zu können, sodass die weiteren Schritte auf die Umsetzung dieses Ziels ausgelegt sind.

Wie sehen Sie die Tendenz zur Akademisierung aus dem Blickwinkel als neue DVTA-Präsidentin R/F?

Die Möglichkeit zur Akademisierung bedeutet einen deutlichen Mehrwert für den MTA-Beruf, da sie interessierten MTA ein neues Aufgabenspektrum eröffnet. Die Bestrebungen des DVTA e.V., die aktuell geltenden Zugangsvoraussetzungen beizubehalten und keine grundständige Akademisierung des Berufes anzustreben, bietet somit vielfältige Möglichkeiten, den Beruf individuell auszuüben.

Im DVTA e.V. sind mehrere Generationen vertreten. Wie wollen Sie den unterschiedlichen Generationen gerecht werden?

Der DVTA e.V. unterscheidet sich damit nicht von aktuellen Arbeitsplätzen, in denen ebenfalls unterschiedliche Generationen zusammenarbeiten. Dies erfordert das grundlegende Bewusstsein, dass die verschiedenen Generationen unterschiedlich „ticken“. Daher ist es wichtig, die Bedürfnisse aller ernst zu nehmen und zu versuchen, einen möglichst großen Konsens herzustellen.

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft und den anderen Gesundheitsberufen vor?

Die Antwort liegt eigentlich schon in der Frage. Zusammenarbeit stellt einen Informationsaustausch, Erfahrungsaustausch, Absprachen und gemeinschaftliches Arbeiten dar. Dies ist natürlich prinzipiell als respektvolles Miteinander wünschenswert, das ich von meiner Seite anstrebe. Es bedeutet jedoch auch zu erkennen, wann eine Zusammenarbeit aufgrund unvereinbarer Vorstellungen nicht möglich ist.

Seit wann sind Sie DVTA-Mitglied und was waren Ihre Beweggründe, sich berufspolitisch zu engagieren?

Prinzipiell gehöre ich hier dem „typischen Klischee“ an. Nach dem Abitur und dem abgeschlossenen Staatsexamen, habe ich mich zunächst nicht für Berufspolitik oder den DVTA interessiert. Nach einigen Jahren im Berufsleben erwachte das Interesse an Weiterqualifikationen und ich habe die Weiterbildung zur Fachlehrerin an MTA-Schulen begonnen. In diesem Rahmen habe ich mich dann auch mit dem DVTA beschäftigt und bin 2006 eingetreten. Zunächst war ich jedoch frustriert, da ich mich als MTAF nicht gleich im Verband wiedergefunden habe und auch in der Zeitschrift damals kaum Fachartikel aus dem Bereich der Funktionsdiagnostik erschienen sind. Nachdem ich mir die Autoren der Artikel der anderen Fachrichtungen genauer angeschaut habe, habe ich festgestellt, dass dies ganz „normale“ MTA aus dem Berufsleben sind, und in mir ist der Gedanke gereift, dass ich dies ebenfalls anstreben kann. Meine ersten berufspolitischen Schritte habe ich in der Fachvertretung Funktionsdiagnostik gemacht, nachdem ich mich dort nach einem Aufruf (in der MTA Dialog) beworben hatte und aufgenommen wurde. Hauptmotivation damals war: „Meckern kann jeder und ist einfach. Warum versuche ich nicht selbst, etwas zu tun und dabei zu helfen, Positives zu bewirken.“

Was hatte Sie bewogen, den Beruf der MTA zu ergreifen?

(lacht) Das habe ich mich auch schon öfter gefragt und ehrlich gesagt, es gibt keinen entscheidenden Grund, an dem ich das festmachen kann. Als ich 1995/1996 vor der Berufswahl stand, gab es noch nicht so umfangreiche Informationsmöglichkeiten wie heute. Die Interneteinwahl erfolgte noch über Modem, Google und Wikipedia gab es noch nicht, das Internet insgesamt war noch deutlich „begrenzter“. Die Informationen über Berufsbilder begrenzte sich damals auf Berufsinformationszentren (BiZ), die unterschiedlich umfassend ausgestattet waren und mehr oder weniger motivierte Berufsberater. In einem solchen Berufsberatungsgespräch wurde mir der MTA-Beruf vorgestellt, im Speziellen der MTAF-Beruf, als damals noch neues Berufsbild. Das abgedeckte Spektrum der MTAF und die Neuheit des Berufsbildes fand ich damals interessant, also habe ich mich an drei von damals vier existierenden MTAF-Schulen beworben und bin so in Homburg/Saar zur Ausbildung gelandet. Meine Entscheidung, MTA zu werden, habe ich jedoch nie bereut. Die durch den technischen Fortschritt neuen diagnostischen Möglichkeiten und Herausforderungen ermöglichen mir, mich in meinem Beruf stetig weiterzuentwickeln, und lassen somit nicht das Gefühl der Eintönigkeit aufkommen, sodass ich sagen kann: „Ich bin sehr gerne MTA!“

 

Entnommen aus MTA Dialog 7/2019