Schwerstverletzungen verstehen und heilen

Internationales Symposium zur Traumaforschung

Mehrfache Knochenbrüche, massive Verletzungen von Organen und Geweben: Physische Schwerstverletzungen – sogenannte Traumen – stellen Ärzte und Mediziner noch immer vor große Herausforderungen. Kommt es dabei zur Ganzkörperentzündung oder zum Multiorganversagen, endet dies für den Patienten oft tödlich.

Schockraum

Die Erstversorgung der Patienten findet im Schockraum statt. | Heiko Grandel/Uniklinik Ulm

Mit Hochdruck forschen Ulmer Wissenschaftler des Sonderforschungsbereichs SFB 1149 „Gefahrenantwort, Störfaktoren und regeneratives Potential nach akutem Trauma“ seit 2015 an der Aufklärung der hochkomplexen Wechselwirkungsprozesse, die multitraumatische Verletzungen so gefährlich machen. Erste Ergebnisse präsentieren sie bei einem internationalen Symposium, das vom 22. bis zum 24. Februar an der Universität Ulm im Forschungsgebäude N27 stattfinden wird.

Ursachen und Risikofaktoren der Komplikationen

Im Mittelpunkt der Tagung stehen insbesondere Fragen nach den Ursachen und Risikofaktoren möglicher Komplikationen. „Entscheidend hierfür ist der Verlauf von systemischen Entzündungsreaktionen. Diese werden bestimmt durch die komplexen Wechselwirkungen zwischen verletztem Gewebe, Immunsystem, Kreislauf und Psyche“, erklärt Professor Florian Gebhard. Der Leiter der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie ist Sprecher des SFB und gehört zu den Organisatoren des Symposiums. Mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die die Ulmer Traumaforscher bei der Tagung vorstellen, wollen sie etwas mehr Licht in diese komplizierten molekularen und zellulären Zusammenhänge bringen. Hinzu kommen zahlreiche Hauptvorträge renommierter Wissenschaftler aus dem Ausland, die als Keynote Speaker Einblicke geben in den aktuellen Stand der Forschung.

CT Nebenbefunde

Bei Unfallpatienten mit Verdacht auf ein Polytrauma gehört die Computertomographie des gesamten Körpers zum Standard, um keine Verletzungen zu übersehen. Bei einem erheblichen Anteil der Patienten finden sich in dieser Untersuchung Nebenbefunde.

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Unterteilung in drei Themenblöcke

Das Programm ist unterteilt in drei Themenblöcke. Der erste Abschnitt zum Thema „Gefahrenantwort“ behandelt zum einen molekulare Signalgebungsprozesse, die an der Steuerung von Entzündungsprozessen beteiligt sind sowie die zelluläre Reaktionen des Immunsystems. Der zweite Themenblock behandelt Begleiterkrankungen wie Atherosklerose oder Adipositas und hinterfragt, wie sich diese auf Krankheitsverläufe und Wundheilungsprozesse auswirken. Im Fokus stehen hier zudem individuelle Risikofaktoren wie das Rauchen und der Konsum von Alkohol. Der dritte Tagungsteil befasst sich mit dem Thema Geweberegeneration und stellt aktuelle Forschungsergebnisse über Heilungs- und Reparaturprozesse in Knochen-, Haut- und Nervengeweben vor.

Podiumsdiskussion am Ende der Tagung

„Um die Versorgung und Therapie von Traumapatienten verbessern zu können, ist es wichtig, dass neue Forschungsergebnisse so schnell wie möglich den Weg aus dem Labor in die Klinik finden“, meinen auch die stellvertretenden SFB-Sprecher Professor Markus Huber-Lang und Professorin Anita Ignatius, die ebenfalls zum Tagungskernteam gehören. Die Podiumsdiskussion am Ende der Tagung befasst sich daher mit den klinischen Implikationen der Forschung und gibt ganz konkrete Einblicke in die medizinische Praxis, beispielsweise bei der Behandlung von Sepsis, die umgangssprachlich auch als „Blutvergiftung“ bekannt ist. (idw, red)

Hintergrundinformation: Der Trauma SFB 1149
Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 11,2 Millionen Euro geförderte SFB 1149 „Gefahrenantwort, Störfaktoren und regeneratives Potenzial nach akutem Trauma“ wurde im November 2014 bewilligt und ist auf bis zu zwölf Jahre ausgelegt. In dem gemeinsamen Forschungsvorhaben – bestehend aus 20 disziplinübergreifenden Einzelprojekten – kooperieren insgesamt 18 Kliniken und Institute aus dem Universitätsklinikum Ulm und der Universität. Im Mittelpunkt stehen dabei die systemischen Reaktionen des Körpers auf schwere Verletzungen.