Rezensionen

Infektionen in der Allgemein- und Viszeralchirurgie

Operative Wundinfektionen haben einen großen Stellenwert
Hardy-Thorsten Panknin
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Operieren ohne Infektionsrisiko wird es niemals geben, denn noch immer droht nach aseptischen Eingriffen in einem nicht kleinen Ausmaß die Wundinfektion. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist es jedoch meist unvermeidlich, dass das Operationsfeld mit Keimen kontaminiert wird. Je länger ein Eingriff dauert, je komplizierter und aufwendiger er ist, desto häufiger kann es zu postoperativen Infektionen kommen.

Auch die Routine des Operateurs und die Anzahl der beteiligten Chirurgen spielt eine Rolle. Darüber hinaus lässt es sich nicht vermeiden, dass Mikroorganismen der körpereigenen Flora des Patienten, zum Beispiel aus dem Rachen, dem Darm oder der Haut in die Blutbahn kommen und konsekutiv zu schweren bakteriellen Allgemeininfektionen – die Sepsis, als schwerste systemische Infektion – führen können, was zusätzlich durch die zumeist transitorische Reduktion der körpereigenen Abwehr nach operativen Eingriffen erleichtert wird. Der berechtigte Wunsch des Chirurgen ist es daher auch, durch prophylaktische Maßnahmen postoperative Infektionen zu verhüten. Am besten gelingt dies durch aseptisches, zügiges und sicheres Operieren. Die septische Chirurgie spielt im Alltagsbetrieb des operativ tätigen Chirurgen – sowohl in der Allgemein- als auch Viszeralchirurgie – eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Behandlung von allgemein- und viszeralchirurgischen Infektionen hat sich in den letzten Jahren zu einem interdisziplinären Prozess entwickelt. Dies erfordert ein komplexes Wissen nicht nur um chirurgische Aspekte der Diagnostik, Herdsanierung und Infektionsprävention, sondern es sind auch Kompetenzen im Bereich Mikrobiologie (Erregerdiagnostik/Resistenzen), Pharmakologie (Antibiotikatherapie und Prophylaxe), Hygiene (Vermeidung von Wundinfektionen) und Intensivmedizin (Sepsis/Multiorgandysfunktion) unverzichtbar. Wer sich detailliert mit Fragen der Infektionschirurgie beschäftigen muss, findet in dem neuen Werk „Infektionen in der Allgemein- und Viszeralchirurgie“ der Herausgeber Prof. Dr. med. Stefan Maier, Klinik für Allgemein-, Viszeral- Thorax- und Gefäßchirurgie am Klinikum Kaufbeuren, und Prof. Dr. med. Christian Eckmann, Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie am Klinikum Hannoversch-Muenden, unter Mitarbeit weiterer international anerkannter Co-Autoren profundes Fachwissen. Das gesamte Gebiet der Infektionen in der Allgemeinchirurgie mit dem Fokus Bauchchirurgie wurde geschlossen zur Darstellung gebracht. Dabei sind viele aktuelle Mitteilungen des in- und ausländischen Schrifttums eingeflossen. In 14 Kapiteln werden unter anderem die Infektionen in der Allgemein- und Viszeralchirurgie: Epidemiologie, komplexe Intervention, Immunsuppression, resistente Erreger, genderspezifische Aspekte der Infektiologie, diagnostische Grundlagen, besonders die Mikrobiologie und die neuen Infektionsbiomarker betreffend, erläutert. Einen hohen Stellenwert haben in dem Buch die komplexen Hygienemaßnahmen, die explizit und problemorientiert besprochen werden. Ebenfalls wird die antiinfektive Therapie in extenso behandelt. Ein wesentlicher Schwerpunkt dabei stellt unter anderem die Antibiotikatherapie bei Infektionen mit multiresistenten Erregern dar. Ferner wird auch die postoperative Wundinfektion: Epidemiologie, Risikofaktoren sowie ihre Prävention, besonders die perioperative Antibiotikaprophylaxe, nach aktuellem Wissensstand wiedergegeben. In weiteren Textabschnitten werden dann die Haut- Weichgewebeinfektionen, intraabdominelle Infektionen, Bauchfellentzündung sowie die abdominelle Sepsis, Infektionen in der Proktologie präzisiert. Auch die Pilzinfektionen, die eine zunehmende Inzidenz in der Allgemein-, besonders aber in der Viszeralchirurgie aufweisen, und parasitäre Infektionen wie die Echinokokkose werden desgleichen dezidiert thematisiert. Auch die Spezifik bei Infektionen in der Transplantationschirurgie, die mit Immunsuppression einhergeht, sind ein weiterer Schwerpunkt in der Niederschrift. Das letzte Kapitel widmet sich abschließend den thorakalen Infektionen. Ziel des vorliegenden Buches war es, möglichst alle Aspekte der Diagnostik und Therapie von allgemein- und viszeralchirurgischen Infektionen zu beleuchten und praxisnahe Empfehlungen auf dem Boden aktueller Leitlinien zu vermitteln, denn gerade die steigende Prävalenz multiresistenter Erreger und gleichzeitig geringere Verfügbarkeit neuer, sensibler Antibiotika eskalieren die klinische Problematik zunehmend. Dies ist den Autoren mit ihrem Werk diktatorial gelungen. Die Publikation stellt im deutschsprachigen Raum das derzeit aktuellste Werk zur Thematik dar. Es kann daher uneingeschränkt empfohlen werden; denn gerade die operativen Wundinfektionen „surgical site infections“ (SSI) hat den größten Stellenwert und sind entsprechend verantwortlich für eine Steigerung von Morbidität und Mortalität mit Kosten für das Gesundheitssystem in Milliardenhöhe.

Infektionen in der Allgemein- und Viszeralchirurgie
Von: Stefan Maier (Herausgeber), Christian Eckmann (Herausgeber), Springer; 2021, 266 Seiten, ISBN: 978–3662625071, Preis: 54,99 Euro

Entnommen aus MTA Dialog 1/2022

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