Interview mit Jutta Leydecker

„Ich weiß, was es bedeutet, nachts allein im Labor zu sein“

Zwölf Jahre hat Jutta Leydecker als Medizinisch-technische Laborassistentin (MTLA) gearbeitet, bevor sie sich entschied, vom Labor in die Industrie zu wechseln. Lesen Sie im Interview, was sie dazu bewegte und wie sich ihr Arbeitsalltag verändert hat.

Leydecker

Jutta Leydecker | privat

Frau Leydecker, wie lange hatten Sie nach Ihrer Ausbildung als MTLA gearbeitet?

Leydecker: In Summe waren das zwölf Jahre. Zehn davon arbeitete ich in Krankenhauslaboratorien und knapp eineinhalb Jahre in einem kleinen Labor der Sportmedizin am Olympiastützpunkt in Heidelberg. Ich weiß, was es bedeutet, nachts allein im Labor zu sein, alle Geräte zu bedienen und die Verantwortung für eine reibungslose Diagnostik zu tragen. Ich kenne das Gefühl, an Weihnachten oder Silvester Dienst zu machen, um die Patientenversorgung auch an Feiertagen zu gewährleisten.

Sie hatten 2004 in den Bereich Marketing einer großen Laborfacharztpraxis und damit in den eher betriebswirtschaftlichen Bereich gewechselt. Was waren Ihre Beweggründe?

Leydecker: Mein damaliger Chef hatte mich motiviert, für ihn im Büro Marketingaufgaben zu erledigen. Mit meinem Background als MTA habe ich Analysenstatistiken ausgewertet und mich um Kostenrechnungen und Personalanalysen gekümmert. Er hat mich motiviert, vom Labor in seine Marketingabteilung zu wechseln. Ein Chef, der mich gefordert und gefördert hat.

Sie sind dann 2010 zu Roche Diagnostics Deutschland gewechselt. Was hat Sie bewogen, in die Industrie zu gehen?

Leydecker: Es war wieder ein externer Impuls. Ein Diagnostik-Anbieter hatte mich angesprochen, ob ich mir einen Job in der Industrie vorstellen könnte. Daraufhin habe ich erstmals ernsthaft über einen Wechsel nachgedacht. Ein Grund war auch der magische 40. Geburtstag. Ich stellte mir die Frage: Mache ich noch einmal etwas anderes, oder bleibe ich dort, wo es mir gut geht und wo ich mich wohlfühle? Am Ende habe ich mich für eine Stelle bei Roche Diagnostics in Mannheim entschieden und bin bis heute sehr froh darüber.

Hatte Sie Ihre MTA-Ausbildung ausreichend auf die Tätigkeit in der Industrie vorbereitet, beziehungsweise welche größeren Hürden gab es am Anfang zu überwinden?

Leydecker: Meine Ausbildung als MTA hatte mich nicht unbedingt auf die Industrie vorbereitet. Ich hatte das MTA-Laborwissen, den medizinischen Background und ich kannte die Arbeitsabläufe und Prozesse eines Labors. Neu waren mir die Strukturen einer großen Firma und die internen Prozesse und Tools, die mir zur Verfügung gestellt wurden. Außerdem fehlte mir die betriebswirtschaftliche Grundlage. Das Wissen musste ich mir nachträglich aneignen, und ich hatte auch hier wieder das Glück, tolle Chefs und Kollegen zu haben, die mich dabei unterstützten.

Was raten Sie MTA, die über einen Wechsel in die Industrie nachdenken?

Leydecker: Machen! Durch die guten Erfahrungen, die ich gemacht habe, kann ich nur jedem dazu raten, etwas Neues auszuprobieren. Ich würde jederzeit wieder in einem Labor arbeiten. Meine Stellen, die ich im Vorfeld hatte, waren alles tolle Stellen, mit tollen Kollegen, die ich nicht missen möchte. Aber so wie es für mich gekommen ist, ist es sehr gut. Ich fühle mich bei Roche sehr gut aufgehoben und bin absolut zufrieden. Meine Erwartungen wurden geradezu übertroffen. Ein so großes Unternehmen wie Roche bietet den Mitarbeitern so viele Möglichkeiten, allein was die Vergütung und die Sozialleistungen betrifft. Interessant sind auch die vielfältigen Weiterentwicklungsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens.

Aktuell arbeiten Sie bei Roche Diagnostics als „Account Managerin Labordiagnostik“. Können Sie den Leserinnen und Lesern kurz Ihren Arbeitsbereich erläutern?

Leydecker: Dabei arbeite ich eng mit den Kollegen vom Key Account, vom Service und von anderen Vertriebsbereichen zusammen, zum Beispiel Point-of-Care oder Molekulare Diagnostik. Ich bin verantwortlich für Kundenveranstaltungen, wie zum Beispiel das Laborforum in Frankfurt und Karlsruhe, was jedes Jahr im November stattfindet. Mein Arbeitsalltag hat sich grundlegend verändert.

Ich kann jeden nur motivieren, neugierig zu bleiben und auch über den Tellerrand hinauszuschauen sowie sich Aufgaben zuzutrauen, von denen man im ersten Moment glaubt, man könne sie nicht schaffen. Ich hätte vor drei Jahren nie gedacht, dass ich einmal in den Verkauf wechseln würde. Jetzt mache ich das und bin sehr froh, dass ich diese Entscheidung getroffen habe.

Vielen Dank für das Interview.

 

Entnommen aus MTA Dialog 5/2017