Studie

Hoher ökonomischer Druck in der Gastroenterologie

Zwei Drittel der befragten Klinikärzte sehen die Patientenversorgung durch zunehmenden Kostendruck beeinträchtigt

 

Gastroenterologie

Vor allem im Bereich der Pflege und der menschlichen Zuwendung sieht die Mehrheit der Befragten Einschränkungen. | Fotolia/drubig-photo

Zu wenig Zeit für Patienten, Unterbesetzung in Pflege und Ärzteschaft sowie das Dilemma, Therapieentscheidungen mit Blick auf begrenzte finanzielle Mittel treffen zu müssen: Der Kostendruck in deutschen Krankenhäusern fordert seinen Tribut. Auch die Gastroenterologie ist davon betroffen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung im Auftrag des Berufsverbandes Gastroenterologie Deutschland (BVGD), für die 642 Chef-, Ober- und Assistenzärzte der Gastroenterologie befragt wurden.

Etwa zwei Drittel von ihnen sehen die Patientenversorgung durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Kliniken beeinträchtigt. Die Ärzte belastet vor allem, dass sie sich zu wenig Zeit für die Patienten nehmen können. Zugleich sieht sich aber nur eine geringe Zahl der Mediziner in der Gastroenterologie zu eigentlich entbehrlichen Untersuchungen genötigt, die ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen durchgeführt werden.  

Rund 70 Prozent der Ärzte berichten von deutlichem bis starkem Druck infolge der finanziellen Rahmenbedingungen. Ein Drittel der Befragten äußert sich überzeugt, dass der Kostendruck die Patientenversorgung definitiv beeinträchtige, ein weiteres Drittel schätzt dies tendenziell ebenso ein. Vor allem im Bereich der Pflege und bei der menschlichen Zuwendung sieht die übergroße Mehrheit der Befragten Einschränkungen.

Sprechende Medizin ist eher die Ausnahme

„Die meisten Ärzte würden sich gerne mehr Zeit für Patienten nehmen, aber der wirtschaftliche Druck vor allem in Krankenhäusern, die Verluste schreiben, ist enorm“, sagt Joachim Labenz, Vorsitzender des BVGD aus Siegen. „Die sogenannte sprechende Medizin ist in Kliniken tatsächlich eher die Ausnahme als die Regel“.

Zumindest ein Teil der Ärzteschaft sieht sich zudem mit Rationierungsmaßnahmen bei medizinischen Leistungen konfrontiert: So stimmen 32,3 Prozent der Chefärzte, 45,4 Prozent der Oberärzte und 47,3 Prozent der Assistenzärzte der Aussage zu, dass als Folge der finanziellen Lage in ihrem Haus nicht mehr alle medizinisch nützlichen gastroenterologischen Maßnahmen erbracht werden könnten.

Preiswertere und weniger effiektive Leistungen

So muss knapp jeder Fünfte einmal im Monat die Entscheidung treffen, eine für den Patienten nützliche ärztliche Leistung nicht durchführen zu können oder durch eine preiswertere und weniger effektive ersetzen zu müssen. Doch ein genereller Trend zur Rationierung scheint nicht gegeben: 66,2 Prozent der Chefärzte, 52,9 Prozent der Oberärzte und 51,7 Prozent der Assistenzärzte widersprechen der Aussage, dass nicht mehr alle medizinisch nützlichen gastroenterologischen Maßnahmen erbracht werden könnten.