Kardiologie

Hoffnung für Patienten mit komplexer Herzklappenerkrankung

Kardiologen am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, führen ein neues Herzkatheterverfahren zur Rekonstruktion der Mitralklappe durch. Davon profitieren vor allem Schwerkranke.

Prof. Dr. med. Volker Rudolph

Prof. Dr. med. Volker Rudolph, HDZ NRW | Peter Hübbe

Kathetergestützte Verfahren zur Rekonstruktion undichter Herzklappen sind in den letzten Jahren stetig verbessert worden. Neue, spezielle Kathetertechniken ermöglichen es, auch sehr komplexe Fälle einer Mitralklappenschwäche zu behandeln, indem sie in der Mitte defekter Klappensegel eine Verbindung schaffen und dadurch die Undichtigkeit vermindern. Zwei Eingriffe dieser Art sind in der vergangenen Woche erstmals in Ostwestfalen-Lippe am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, in der Klinik für Interventionelle Kardiologie/Angiologie unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Rudolph erfolgreich durchgeführt worden.

Die maßgefertigten Klappentaschen

Die Klinik für Herz- und thorakale Gefäßchirurgie des UKSH, Campus Lübeck, erweitert ihre erfolgreiche Tradition für rekonstruktive Verfahren zur Herzklappenreparatur: Das Team um den neuen Direktor Prof. Dr. Stephan Ensminger führt jetzt die Rekonstruktion der Herzklappe nach Ozaki ein.

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Es profitieren vor allem Schwerkranke

„Das neue Verfahren erweitert unsere technischen Möglichkeiten der kathetergestützten Reparatur der Mitralklappe erheblich und bietet uns die Möglichkeit, individuelle Klappenveränderungen gezielter behandeln zu können“, erläutert Professor Rudolph, der die Eingriffe gemeinsam mit seinem Team in jeweils 120 Minuten bei einem 79-jährigen Patienten und einer 82-jährigen Patientin durchführte. „Von dem Verfahren profitieren vor allem Schwerkranke, die für eine operative Klappenrekonstruktion nicht infrage kommen.“ Innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) ist Professor Rudolph Sprecher des Arbeitskreises für Mitral- und Trikuspidalklappenerkrankungen.

Device zur Mitralklappenrekonstruktion
Device zur Mitralklappenrekonstruktion | Armin Kühn

Device ist nur etwa 1,5 cm groß

Das Pascal-System (Pascal, Hersteller: Edwards) wurde zeitgleich mit zwei weiteren deutschen Zentren erstmals in Deutschland eingesetzt. Das kleine System (engl. Device) ist nur etwa 1,5 Zentimeter groß. Es wird über die Leiste zu den defekten Mitralklappensegeln vorgeschoben, während das Herz schlägt, ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine. Die beiden im HDZ von Prof. Rudolph behandelten Patienten haben den Eingriff gut überstanden und können voraussichtlich in den nächsten Tagen schon entlassen werden.

Mehr als 500 kathetergestützte Herzklappenverfahren werden jährlich am Herz- und Diabeteszentrum NRW durchgeführt. Einschließlich der Implantation des Pascal-Systems bietet das Spezialklinikum das gesamte Spektrum moderner Therapieverfahren für Herzklappenpatienten an, die in enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Elektrophysiologie/Rhythmologie und der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie stattfinden. Insgesamt werden in Bad Oeynhausen rund 3.500 Patienten mit Erkrankung der Herzklappe jährlich stationär betreut.

Quelle: Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen