Wissenschaftliche Weiterbildung für MTA

Hochschulkurs E-Health

Der digitale Wandel eröffnet auch für Medizinisch-technische Assistentinnen und Assistenten aller Fachrichtungen neue Betätigungsfelder. Mit dem Hochschulkurs E-Health der Hochschule Hamm-Lippstadt können sich angehende und erfahrene Führungskräfte auf diese Entwicklung vorbereiten.

Hochschulkurs E-Health

Abb. 1: Interaktionsmodell für digitale Innovationen im Gesundheitswesen | Abb. 2: Interaktionsmodell für die digitale Transformation in der Wirtschaft und Gesellschaft | Für alle: © G. Hohenberg

Der Begriff E-Health steht für alle Arten von Hilfsmitteln und Dienstleistungen, bei denen Informations- und Kommunikationstechnologien zum Einsatz kommen und die der Prävention, Diagnose, Therapie, Überwachung sowie Verwaltung im Gesundheitswesen dienen. Der Nutzen von E-Health ist vielfältig. Die Arbeit in multidisziplinären Teams wird verbessert, was zu einer wirksamen Patientenversorgung führt und das Risiko von Fehlbehandlungen reduziert. E-Health kann dabei die Kosten reduzieren und gleichzeitig die Zufriedenheit der Patienten und Behandler erhöhen. E-Health steht für die Digitalisierung oder die digitale Transformation im Gesundheitswesen. Dieser digitale Wandel findet in allen Bereichen der Wirtschaft und Gesellschaft statt.

Was versteht man unter der digitalen Transformation im Gesundheitswesen?

Die Schlagwörter Digitalisierung oder digitale Transformation sind moderne Begrifflichkeiten, die ständig in den Medien auftauchen und diskutiert werden. Handelt es sich um einen vorübergehenden Hype? Computer werden schließlich seit über drei Jahrzehnten in allen Lebensbereichen eingesetzt. Warum sollte man sich eingehend damit beschäftigen? Die Wechselwirkungsprozesse der Digitalisierung können im Gesundheitswesen besonders gut beobachtet und in zwei Interaktionsmodellen erklärt werden. Das eine Modell beschreibt die Interaktionen innerhalb der technologischen Innovationen, das zweite, übergeordnete Interaktionsmodell, die Wechselwirkungen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Der erste Schritt – Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien

Inhaltlich geht es bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen darum, dass im ersten Schritt Digitalisierungsprozesse stattfinden, ohne dass grundlegende Änderungen im Workflow oder in den Zuständigkeiten entstehen. Informations- und Kommunikationstechnologien stehen hier für jegliche Kommunikationsanwendung, darunter Smartphones, Hardware und Software für Computer und Netzwerke, drahtlose Funkverbindungen sowie für die verschiedenen Dienstleistungen und Anwendungen, die damit verbunden sind. Beispielsweise kann die Teleradiologie mit ihrer technischen Verfahrensweise als etablierte Methode bezeichnet werden. Die Möglichkeit der Fernübertragung von radiologischen Bilddaten mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien hat die eigentliche Ausübung der Befundung nicht verändert. Es handelt sich insofern nicht um einen Transformationsprozess.

Elektronische Gesundheitsdienste als Teil der evidenzbasierten Medizin

Die Situation ändert sich allerdings, wenn die Software zum Diagnose- oder Therapieverfahren wird. In diesem Fall kann sich die Software zum eigenständigen Medizinprodukt entwickeln. Für Deutschland ist zum Beispiel das Internetportal Caterna richtungsweisend (www.caterna.de). Die Behandlung von Amblyopie findet ausschließlich online statt. Dieser elektronische Gesundheitsdienst ist eine anerkannte Therapiemethode. Es gibt praktisch in allen medizinischen Fachgebieten ähnliche Beispiele oder Konzepte. Zahlreiche Änderungen werden ausgelöst, wenn die Software zum Medizinprodukt wird. Wird die Behandlung in das häusliche Umfeld verlegt, stellt sich unter anderem die Frage nach den Abrechnungsmodalitäten und der Zuständigkeit des Therapeuten. Durch diese Entwicklung ändern sich die Zuständigkeiten, und der Workflow der Behandler und der Patienten muss angepasst werden. Durch die Anwendung dieser elektronischen Gesundheitsdienste werden ständig Daten gewonnen, die das medizinische Verfahren optimieren.

Cyber-physikalische Systeme

Die digitale Transformation findet nicht allein im Softwarebereich statt. Parallel dazu hat eine Entwicklung eingesetzt, um alle Arten physikalischer Systeme zu digitalisieren. In Deutschland wird in diesem Zusammenhang häufig die Begrifflichkeit Industrie 4.0 verwendet. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass digitale Technologien bei der Herstellung und der Verwendung eines Produktes eine zunehmende Bedeutung haben. Im anglo-amerikanischen Raum wird von cyber-physical systems (CPS) gesprochen. Parallel zur Automobilindustrie, die ihre Fahrzeuge digitalisiert, um autonomes Fahren zu ermöglichen, kombiniert die Medizintechnikindustrie konventionelle Medizinprodukte mit neuen IT-Services. In diesem Zusammenhang spielt auch das Internet der Dinge eine Rolle. Hier handelt es sich um vernetzte Komponenten, die ihre physikalischen Aktionen untereinander abstimmen.

Big Data – Daten als neuer Rohstoff

Auch die Entwicklung der cyber-physikalischen Systeme findet nicht isoliert statt. Alles, was digitalisiert wird, lässt sich objektiv messen. Diese digitalen Datensätze können ausgewertet und weiterverwendet werden. Die Weiterverarbeitung kann auch in neuronalen Netzen erfolgen. Diese Verfahren haben eine solche Genauigkeit erreicht, dass eine automatisierte Bildanalyse möglich ist. Radiologische Bilder können so vom Computer ausgewertet werden. Zahlreiche Start-ups entwickeln leistungsfähige Lösungen. Solche Systeme können in allen Bereichen der Medizin als Decision Support Systems eingesetzt werden und wertvolle Unterstützung leisten. In diesem Handlungsfeld sind Systemlösungen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) richtungsweisend. Ein Beispiel ist die Anwendung Watson von IBM. Die KI-Applikation ist in der Lage, medizinische Daten zu prüfen und zu bewerten. Diese Ausprägung der digitalen Transformation ist so weitreichend, dass ethische Fragen in der Gesellschaft diskutiert werden müssen. Hier schließt sich der Kreis des digitalen Transformationsprozesses.

Ausgehend von Informations- und Kommunikationstechnologien, haben sich software- und evidenzbasierte medizinische Verfahren entwickelt, die mit allen Arten von Hardware interagieren und Wissen aus Daten extrahieren. Die Innovationen aus diesen Bereichen stehen miteinander in Beziehung und verstärken sich gegenseitig.

In einem Interaktionsmodell für digitale Innovationen kann die gegenseitige Einflussnahme dargestellt werden. Es gibt viele praktische Beispiele für diese wechselseitigen Beziehungen. Durch leistungsstarke KI-Systeme werden elektronische Gesundheitsdienste noch leistungsfähiger, was die Anwendung bei den Nutzern fördert. Dadurch verbessert sich die Datenbasis, was wiederum die Leistungsfähigkeit der KI erhöht.

Der Wandel wird durch Menschen gemacht, nicht durch die Technik

Die Innovationen digitaler Technologien sind zwar Impulsgeber, nicht aber der eigentliche Grund für den Wandel. Es fällt auf, dass sich das Verhalten der Nutzer in den letzten Jahren verändert hat. Besonders deutlich kann dies bei der Generation Z (Geburtsjahrgänge zwischen 1995 und 2010) beobachtet werden. Diese Alterskohorte wird als „Digital Natives“ bezeichnet und zeigt typische Verhaltensweisen. So führt die intensive Nutzung mobiler Endgeräte (zum Beispiel Smartphones) dazu, dass sich neue Märkte und Angebote (zum Beispiel WhatsApp) etablieren und Auswirkungen auf Organisationen (zum Beispiel Schulen) haben. In diesem Kontext stellen sich immer auch gesellschaftliche Fragen („Dürfen oder sollen Lehrer mit Schülern per WhatsApp kommunizieren?“).

Digitale Innovationen lösen Änderungen im Nutzerverhalten aus und lassen neue Märkte entstehen. Organisationen reagieren auf diesen Wandel und führen Strukturerweiterungen oder Prozessveränderungen durch. Auch diese Vorgänge finden nicht isoliert statt, sondern stehen in Beziehung zueinander. Dieser übergeordnete Interaktionsprozess beschreibt den eigentlichen Kern der Digitalisierung. Bei diesen Wechselwirkungen spielen die IT-Sicherheit und der Datenschutz eine wesentliche Rolle.

Wissenschaftliche Weiterbildung E-Health

Bedingt durch diesen Wandel werden in allen Bereichen des Gesundheitswesens neue Herausforderungen und Betätigungsfelder entstehen. Wie dargestellt, sind es nicht ausschließlich technische Herausforderungen. Es geht um die Orchestrierung der neuen Möglichkeiten. Um das medizinische Fachpersonal in diese Entwicklung einbinden zu können, sind neue Ausbildungsformate notwendig. Die Hochschule Hamm-Lippstadt hat ein neues Studienprogramm im Rahmen der wissenschaftlichen Weiterbildung entwickelt, um dieser Herausforderung gerecht zu werden.

Der Hochschulkurs hat eine Dauer von zwölf Monaten und besteht aus drei Abschnitten. Im Modul 1 werden alle notwendigen Grundlagen gelegt, um sich sicher im IT-Umfeld bewegen zu können. Da sich der Kurs an Personen richtet, die über keine IT-Ausbildung verfügen, werden speziell in diesem Modul die Ergebnisse der digitalen Innovationen genutzt. Programmieren ist mit den richtigen Werkzeugen kinderleicht geworden. Es wird heute diskutiert, ob es sich sogar um eine Alltagskompetenz handelt. Leistungsfähige IT-Systeme verwenden moderne Entwicklungsumgebungen und Konzepte. Sind diese bekannt, kann man einordnen, was die eigentlichen Herausforderungen im IT-Entwicklungsprozess sind.

Es geht nicht darum, ein Informatikstudium nachzuholen, sondern um die Fähigkeit, sich das notwendige Wissen innerhalb kurzer Zeit aneignen zu können. Das Wissen ist zu umfangreich geworden, als dass eine Person alles beherrschen kann. Es geht um die Handlungsfähigkeit, sich in einem Feld sicher bewegen zu können, das ständig neue Lösungen auf den Markt bringt. Diese Handlungsfähigkeit wird im ersten Modul mit dem Titel IT-Management im Gesundheitswesen erlangt. Der Titel IT-Management ist also Programm. Es geht nicht um das Programmieren, sondern um das Management von Technologien und nutzbringenden Anwendungen. Ist diese Handlungsfähigkeit hergestellt, gelingt der Übergang zu den evidenzbasierten elektronischen Gesundheitsdiensten. Im Modul 2 mit dem Titel E-Health erfolgt der Übergang zu den praktischen Anwendungen im Gesundheitswesen. Es werden praktische Beispiele aus dem In- und Ausland diskutiert. Der internationale Vergleich liefert wichtige Erkenntnisse und zeigt die Stellung des deutschen Gesundheitssystems. In dem Modul wird deutlich, dass viele Chancen und Mehrwerte nicht ausreichend genutzt werden. In diesem Rahmen werden die IT-Sicherheit und der Datenschutz besprochen. Im Modul 3 wird eine Projektarbeit geschrieben, die als Prüfungsleistung dient. Das Thema der Projektarbeit kann von den Teilnehmern mitbestimmt und eigene Fragestellungen aus dem beruflichen Umfeld können eingebracht werden. Der komplette Kurs kann online studiert werden. Während der gesamten Kursdauer steht eine tutorielle Betreuung via Internet zur Verfügung. Die angebotenen Präsenztage sind von besonderer Bedeutung, da sie den Austausch der Lernenden und Lehrenden untereinander fördern. Diese Lernphasen vor Ort fördern Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und Kreativität und sollten von den Lernenden genutzt werden, auch wenn es keine Anwesenheitspflicht gibt.

Fazit

Studienprogramme zum Thema E-Health sind für Beschäftigte im Gesundheitswesen notwendig, um die Chancen der digitalen Innovationen für das deutsche Gesundheitssystem besser nutzbar machen zu können. Dazu sind neuartige Lern- und Lehrszenarien erforderlich.

 

Entnommen aus MTA Dialog 4/2019