International Federation of Biomedical Laboratory Science

Historie des IFBLS

Im Jahr 1954 wurde auf Einladung von Elisabeth Pletscher und ihren Schweizer Kollegen der International Association of Medical Laboratory Technologists (IAMLT) zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen der Radiologie in Zürich, Schweiz, aus der Taufe gehoben.

Historie des IFBLS

EEC-Sitzung: Grete Maier, Marion Frank (von links) | © G. Schmidt

Unsere frühere Vorsitzende Gertraud Schmidt informierte, dass die Vorgängerorganisation des DVTA e.V. Gründungsmitglied des IAMLT gewesen sei. In Zürich fand das erste internationale Treffen des IAMLT statt. Dies gilt als Wendepunkt in der internationalen Verständigung und Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen der Biomedizinischen Analytik weltweit.

Dieser Verband wurde einst auf sehr bescheidene Weise gegründet und hat heute, viele Jahre später, 40 Mitgliedstaaten mit weit mehr als 200.000 Biomedizinischen Analytikerinnen und Analytikern.

Der alle zwei Jahre stattfindende Internationale Kongress ist auch heute noch das „Event“ im Kalender des IFBLS. Wechselnde Kongressorte in den Mitgliedstaaten haben uns mehrmals um die Welt geführt. Sie bieten Biomedizinischen Analytikern aus aller Welt die Möglichkeit, gemeinsam an wissenschaftlichen Programmen, Bildungsforen, Studentenforen und sozialen Aktivitäten teilzunehmen. Diese Kongresse fanden in den 1950er- und 1960er-Jahren meist in Verbindung mit nationalen und regionalen Konferenzen der Mitgliedsländer statt. Traditionell dauert der Kongress fünf Tage, erstmals 1961 beim 5. Weltkongress in Stockholm, Schweden, mit wissenschaftlichem Programm, einer Posterausstellung, einer Ausstellung mit medizintechnischen Geräten und Diagnostikaherstellern, Besuche von Laboratorien und ein Freizeit- und Sozialprogramm, um die Kultur des Gastlandes näher kennenzulernen. Seit damals wird dieses Format beibehalten und gelebt. Mittlerweile präsentieren Biomedizinische Analytiker/-innen und Lehrkräfte hochwertige Beiträge in den Plenarsitzungen und oft als Gastredner. In den Jahren dazwischen findet die „Alternate GAD“ („Alternative General Assembly of Delegates“= Jahreshauptversammlung) statt.

IFBLS Berlin 2012: Andrea Michelsen bei der Begrüßung | © A. Artelt

1958 wurde in Bristol, UK, die erste Satzung des IAMLT den Delegierten vorgestellt und von der GAD verabschiedet. Gleichzeitig wurde R. J. Bromfield aus England zum neuen Präsidenten des IAMLT/IFBLS gewählt. Ihm sollten noch weitere 26 Präsidenten folgen, wobei einige Personen zwei Amtszeiten absolvierten. Heutige amtierende Präsidentin ist Anne Berndt aus Schweden.

2002, zum 25. Weltkongress in Orlando, USA, wurden Satzungsänderungen eingebracht und verabschiedet, die den IAMLT endgültig zum heutigen IFBLS firmierten. Die Delegierten der Jahreshauptversammlung (General Assembly of Delegates, GAD) waren der Ansicht, dass eine Namensänderung der Organisation eher die Bildungsstandards und die Rolle der Mitglieder des Berufsstandes in ihren Heimatländern reflektierten.

1966 fand der 7. Weltkongress des IAMLT/IFBLS in Berlin, Deutschland, statt, an dem 700 Kollegen/-innen aus 20 Nationen teilnahmen. 1972 übernahm Grete Maier aus Deutschland in Wien, Österreich, zum 10. Weltkongress für zwei Jahre die Präsidentschaft des IAMLT/IFBLS, das heißt zwei Jahre als gewählte Präsidentin (= „president elect“), zwei Jahre als Präsidentin (= „president“) und zwei Jahre als ehemalige Präsidentin (= „past president“). Dies ist 2018 immer noch geübte Praxis. Damit ist Grete Maier bis heute die einzige deutsche Präsidentin des IAMLT/IFBLS.

IFBLS Berlin 2012: Galadinner Orangerie | © A. Artelt

Es sollte 46 Jahre dauern, bis wieder ein Weltkongress in Deutschland stattfindet – 2012 war es endlich soweit und der 30. IFBLS-Weltkongress wurde, wieder in Berlin, am 18. August 2012 eröffnet. Fünf ereignisreiche Tage mit vielen hochwertigen Präsentationen, Seminaren und Workshops folgten. Den Abschluss bildeten, wie üblich, die Laborbesichtigungen in den geschätzten Laboratorien Berlins. Diesmal trafen sich mehr als 750 Kollegen aus 54 Nationen zum wissenschaftlichen Austausch, Kennenlernen und Networken, bei sehr heißem Sommerwetter. Auch blieb ein wenig Zeit, um den kulturellen Reichtum Berlins zu erleben.

Die Jahreshauptversammlung (GAD) ist das höchste Beschlussgremium des IFBLS. Dorthin entsenden die Mitgliedstaaten ihre Delegierten, die das Wahl- und Stimmrecht ausüben, Geschäftsberichte entgegennehmen, den Vorstand entlasten, über das Budget beraten und entscheiden, die Richtung des Verbandes festlegen, Projekte anstoßen und Arbeitsgruppen etablieren. Das „Open Forum“ findet innerhalb des Kongresses statt und bereitet wichtige Entscheidungen der Jahreshauptversammlung vor, um einen geregelten Ablauf der GAD zu garantieren. Hier können alle Unklarheiten geklärt werden, finden kontroverse Diskussionen statt oder können Anregungen der Delegierten eingebracht und Themen auf die Agenda gesetzt werden, die die Mitglieder für wichtig halten und möchten, dass sich der IFBLS darum kümmert. Daneben ist der IFBLS seit vielen Jahren Non Governmental Organization (NGO) der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Es ist uns gelungen, die Anliegen der Biomedizinischen Analytik und die im IFBLS versammelte Kompetenz zielführend in die Projektentwicklung der WHO einzubringen. Unsere Meinung (IFBLS) ist gefragt – wir werden geschätzt!

E. Pletscher eröffnet den ersten Kongress der IAMLT in Zürich. | © IFBLS

Die Geschäftsführer des IFBLS spielen eine bedeutende Rolle in der Entwicklung des IFBLS. Der Titel hat im Laufe der Jahrzehnte mehrere Umbenennungen erfahren. Die wichtigste Änderung ist aber, dass der Geschäftsführer nicht mehr ehrenamtlich tätig ist, sondern Angestellter des IFBLS ist.

Daneben gibt es noch den „Honary General Secretary“, ergo Ehrengeschäftsführer, zu denen bis heute als wichtigste Person Elisabeth Pletscher zählt. Sie wurde 1972 beim Weltkongress in Wien zum Ehrenmitglied auf Lebenszeit ernannt und hat den IAMLT/IFBLS in den Anfangsjahren entscheidend geprägt. Ihr zu Ehren wird heute der „Elisabeth Pletscher Award“ verliehen. Der Preis ist nach ihr benannt und wird alle zwei Jahre zum Weltkongress verliehen. Bedauerlicherweise kam Elisabeth Pletscher bei einem tragischen Verkehrsunfall im Herbst 2003 ums Leben.

Die Liste der Geschäftsführer/Sekretäre ist wesentlich kürzer als die Liste der Präsidenten. Ihre Tätigkeit ist essenziell für die reibungslosen Abläufe im IFBLS. Alle Mitglieder können jederzeit die Geschäftsführerin für etwaige Fragen oder Informationen kontaktieren und erhalten schnellstmöglich Antwort – heutzutage per E-Mail. Unter der Präsidentin Martha Hjalmarsdottir aus Island, die auch gleichzeitig Geschäftsführerin war, und durch Beschluss des Vorstandes, zog die Geschäftsstelle 2005 nach Kanada um. Der Umzug, inklusive der Konten, war im Frühjahr 2006 abgeschlossen. Der IFBLS wurde nach kanadischem Recht etabliert und unterliegt heute den kanadischen Rechtsvorschriften – ändert sich etwas im kanadischen Recht, muss die Satzung entsprechend angepasst werden! Die Geschäftsstelle wurde in Hamilton, Provinz Ontario, im Gebäude des Canadien Society for Medical Laboratory Science (CSMLS) angesiedelt, bis heute.

 

Entnommen aus MTA Dialog 2/2019