Magnetresonanztomographie

Hirn-Scan bei Frühchen zeigt Entwicklungsstörungen

Ein einfacher Hirn-Scan kann Hinweise darauf liefern, ob ein frühgeborener Säugling geistige oder Bewegungsstörungen entwickeln könnte. Zu diesem Schluss kam eine kürzlich veröffentlichte kanadische Studie.

Magnetresonanztomografie

MRT eines Gehirns | © sudok1 - Fotolia

Etwa eins von zehn Babys kommt in Deutschland vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Durch den medizinischen Fortschritt ist es mittlerweile möglich, Kinder, die in der 24. Woche geboren wurden, eine Überlebenschance zu geben. Aber je früher das Neugeborene auf die Welt kommt, desto größer ist das Risiko, mit einem Hirnschaden ins Leben zu starten. Solche Schäden können teilweise gravierende Folgen in der kindlichen Entwicklung nach sich ziehen.

MRT zeigt Schäden in der weißen Gehirnmasse

Doch wie ein kanadisches Team nun herausfand, kann ein MRT hier wichtige Hinweise auf mögliche Entwicklungsschwierigkeiten geben. Das kanadische Team untersuchte in einem Zeitraum von sieben Jahren 58 Frühchen, die im British Columbia's Women Hospital mit Verletzungen in der weißen Gehirnsubstanz zur Welt kamen. Das Ziel der Studie war es, mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) Schäden in der weißen Gehirnmasse quantitativ zu ermitteln und das Ausmaß und die Lokalisation der Schäden in Verbindung zu setzen mit den Entwicklungstadien der Frühchen bei 18 Monaten. Die Lage der Verletzungen wurde zunächst in der 32. Woche nach der Geburt ermittelt und die Kinder wurden erneut im Alter von 18 Monaten auf ihre geistigen und motorischen Fähigkeiten untersucht.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigten, dass die Position der Verletzung Auskunft über Art und Ausmaß der Entwicklungsstörung geben kann. Lag der Schaden hauptsächlich im Stirnlappen des Gehirns, stieg das Risiko auf geistige Entwicklungsrückstande um den Faktor 79. Das Risiko auf Bewegungsstörungen wurde um das 64-fache vergrößert.

Frühgeborene können oft nicht richtig atmen, da ihre Lunge noch nicht vollständig entwickelt ist. Die zarten Blutgefäße zur Sauerstoffversorgung können leicht reißen - es kann zu Hirnblutungen und Sauerstoffmangel vor allem in der weißen Substanz des Gehirns kommen. Frühere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass die Gehirnzellen von Frühgeborenen weniger Verbindungen bilden als bei Kindern, die zwischen der 37. und 42. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen. Je nach Hirnregion des Schadens können sich daher bestimmte kognitive Funktionen nicht normal entwickeln.

Wichtiger Einsatz bildgebender Maßnahmen

Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) begrüßt den Einsatz bildgebender Verfahren, um die Gehirne von Frühgeborenen zu beurteilen. Mögliche Entwicklungsstörungen können so nicht nur früh erkannt, sondern auch gegebenenfalls behandelt werden. „Das MRT eignet sich hervorragend, um die Gehirne von Frühgeborenen auf Schäden zu untersuchen", erklärt Prof. Dr. Stefan Knecht, Chefarzt der Klinik für Neurologie der St. Mauritius Therapieklinik in Meerbusch. Während Röntgenstrahlen für Neugeborene schädlich sein können, sind die bildgebenden Magnetwellen eine harmlose Maßnahme. Hinzu kommt, dass das MRT wesentlich genauere Bilder liefert als es beispielsweise ein Ultraschall könnte. „Um auch die Langzeitfolgen der Schäden ausmachen zu können, müsste die Entwicklung der Frühgeborenen auch an weiteren Zeitpunkten während der frühen und späteren Kindheit beurteilt werden", ergänzt Knecht.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (08.02.2017)