Schlusslicht in Deutschland

Hessen: Viel zu wenige Kleinkinder vollständig geimpft

In keinem anderen Bundesland sind so wenige Kleinkinder vollständig gegen Infektionskrankheiten wie Masern, Keuchhusten, Windpocken und Co. geimpft wie in Hessen. Damit bildet das Bundesland das Schlusslicht.

Impfen

Hessen bildet beim Impfen das Schlusslicht unter den Bundesländern | ©Tino Neitz - stock.adobe.com

Mehr als zwei Drittel der im Jahr 2016 geborenen Kinder haben bis zu ihrem zweiten Geburtstag nicht alle Impfungen erhalten, die die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt. 3,2 Prozent der Kinder haben sogar überhaupt keine Impfung erhalten. Damit bildet Hessen mit lediglich 28,1 Prozent vollständig geimpfter Kinder im Vergleich der Bundesländer das Schlusslicht. Das zeigt eine aktuelle Auswertung, in der die Techniker Krankenkasse (TK) den Impfstatus dieser Kinder in den ersten beiden Lebensjahren untersucht hat. 

Schutz auch der Mitmenschen

Mit einer Schutzimpfung schützt sich nicht nur der Einzelne selbst vor einer Ansteckung, sondern auch seine Mitmenschen. „Je höher der Anteil der Menschen ist, die gegen eine Infektionskrankheit wie etwa Masern geimpft sind, desto weniger kann sich ein Erreger ausbreiten. Umso besser sind dadurch Neugeborene und Säuglinge vor ihrer ersten Impfung geschützt oder auch Menschen, die aufgrund anderer Erkrankungen nicht geimpft werden können“, sagt Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen.

Diskussion um Masernimpfung 

Gerade die Masernimpfung wird in Deutschland zurzeit kontrovers diskutiert und die Zahl der Erkrankten nimmt – nach Jahren des Rückgangs – zurzeit wieder zu. Dabei könnte die Erkrankung komplett zum Verschwinden gebracht werden, wenn die Impfempfehlungen konsequent berücksichtigt würden. Um einen lebenslangen Schutz gegen das Masernvirus zu erreichen, sind zwei Impfdosen vorgesehen. Beide sollten nach Empfehlung der STIKO bis zum zweiten Geburtstag erfolgt sein, da gerade Kleinkinder besonders anfällig für Infektionen sind. Erhalten die Kinder diese zwei Impfungen nicht, sind sie nicht sicher immunisiert. Nach einer zweifachen Masern-Impfung entwickeln über 99 Prozent der geimpften Menschen eine lebenslange Immunität gegen die Krankheit. 

Grippeimpfung

Ärzte, MTA und Pflegekräfte in deutschen Krankenhäusern schützen sich häufig nicht gegen Influenza. Einer Umfrage des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge lassen sich nur 40,1 % aller Mitarbeiter gegen die Grippe impfen, 43,3 % sind es beim Medizinisch-Technischen Personal.

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Informationsbedarf ist vorhanden

„Die aktuelle Entwicklung bei der Masern-Impfung zeigt, dass es auch an Informationen und Aufklärung mangelt, womit Unsicherheiten oder falschen Informationen entgegenwirkt werden kann“, so Dr. Voß. Wie hoch der Informationsbedarf tatsächlich ist, zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der TK. Demnach fühlt sich jeder fünfte Befragte in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland weniger gut oder sogar schlecht über das Thema Impfen informiert. Jeder Dritte interessiert sich wenig oder gar nicht für das Impfen und lässt den eigenen Impfstatus auch nicht regelmäßig vom Arzt überprüfen.

Es sind laut der TK-Untersuchung aber auch die verpassten oder vergessenen Impftermine, die zu niedrigen Impfquoten beitragen. „Hier könnten die Krankenkassen noch deutlich besser unterstützen, wenn wir aktiv und gezielt auf vergessene Impfungen hinweisen dürften, am besten auf digitalem Weg“, so Dr. Voß.

Hintergrund

Die TK hat die Impfquoten im Rahmen des Innovationsreports 2019 erhoben. Für die Auswertung der Impfraten wurden die 2016 geborenen und durchgängig bei der TK versicherten Kinder über einen Zeitraum von zwei Jahren in Bezug auf die derzeit 13 von der STIKO empfohlenen Impfungen für diese Altersgruppe untersucht. Die Ergebnisse des Innovationsreports sind unter www.tk.de (Webcode 2071598) abrufbar.

Quelle: TK