Deutscher Herzbericht

Herzkrankheiten weiterhin Haupttodesursache



Auffallend steil stiegen die Klinikaufnahmen aufgrund von Herzschwäche, Rhythmusstörungen und Klappenerkrankungen an. Beispiel Herzinsuffizienz, die zu den häufigsten Anlässen für eine Krankenhausweisung zählt: Im Jahr 2017 wurden 464.724 stationäre Aufnahmen wegen Herzschwäche versorgt – ein Anstieg um mehr als 20.000 seit 2015. Könnte man einen solchen Anstieg vermeiden?
„Die Herzschwäche beginnt zumeist langsam, Symptome wie Luftnot beim Treppensteigen werden fehlgedeutet und oftmals auf das Alter geschoben oder geschwollene Füße gar nicht bemerkt – tut ja auch nicht weh“, so Andresen. Ebenso wird gerade von älteren Patienten die Einnahme von Medikamenten vergessen, oder sie werden wegen Nebenwirkungen gar nicht eingenommen. „Hier müssen wir durch gezieltere ambulante Versorgung, vor allem aber durch bessere Aufklärung über Krankheitssymptome und Therapiemöglichkeiten besser gegensteuern.“

Auch Herzrhythmusstörungen zählen zu den häufigsten Anlässen für einen Krankenhausaufenthalt in Deutschland. Je nach Art und Schwere können Rhythmusstörungen mit enormen Einbußen an Lebensqualität einhergehen. Und sie können gefährlich werden bis hin zum Plötzlichen Herztod. Der jährliche Anstieg der stationären Aufnahmen von 2016 zu 2017 um rund 8.400 Fälle auf 480.109 (2017) ist auffallend. Die Zunahme basiert zum großen Teil auf mehr stationären Aufnahmen von Patienten mit der häufigsten Rhythmusstörung, dem Vorhofflimmern. „Vor allem aufgrund der erhöhten Schlaganfallgefahr müssen wir diesen Anstieg genau analysieren und unsere Patienten eingehend über präventive Maßnahmen aufklären“, erklärt Andresen.

Steigerung der Ersthelferquote erforderlich

Jedes Jahr erleiden circa 65.000 Menschen in Deutschland ein plötzliches Herzversagen. Mehr als 60.000 versterben daran. Dabei könnte ein großer Teil von ihnen gerettet werden, wenn Zeugen (zumeist Angehörige) sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen (Herzdruckmassage) beginnen würden. Dies ist jedoch nicht der Fall: Die Laienreanimationsquote beträgt in Deutschland circa 30 bis 35 %. In anderen europäischen Ländern beträgt die Quote bis zu 80 %. Mit gezielten Projekten zur Vermittlung der Laienreanimation in Schulen, Kommunen oder Vereinen lassen sich Reanimationsquoten verbessern.

Mit gezielter Bevölkerungsaufklärung zum richtigen Notfallverhalten bei Herzstillstand konnte etwa der Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg seine Ersthelferquote in den vergangenen zwei Jahren von 27 % auf 45 % steigern. „Solche Programme sollten Schule machen“, so der Notfallmediziner Andresen. Und fügt hinzu: „Wir müssen in den Schulen bereits damit beginnen, Schüler über solche Notfälle aufzuklären und sie in der Laienreanimation auszubilden. Darüber hinaus sollten Präventionsstrategien zur Bekämpfung der wichtigsten Grunderkrankungen des Plötzlichen Herztodes, allen voran die koronare Herzkrankheit, zur Anwendung kommen.“

Hier hat die Herzmedizin mit Katheterverfahren, aber auch schonenden operativen Eingriffen sowie neuen medikamentösen Therapien viel erreicht. „Aber es gibt Verbesserungspotenziale“, betont der Rhythmologe Andresen. Denn bei 25.846 (2017) Neueinbringungen implantierbarer Cardioverter-Defibrillatoren (ICD), die bei Herzstillstand automatisch einen Elektroschock abgeben, ist die Rate an ICD-Revisionen, das heißt Herausnahmen aufgrund von Infektion im Schrittmacherbereich und Korrekturen an der Sondenlage im Herzen, mit 8.598 Revisionen zu hoch. Der Plötzliche Herztod und die Präventionsmöglichkeiten werden Thema der bundesweiten Herzwochen 2019 der Deutschen Herzstiftung im November sein.

Höhere Sterblichkeit bei Frauen

Weiterhin auffällig ist die höhere Sterblichkeit bei Frauen. Bei Betrachtung aller Herzkrankheiten sterben mehr Frauen als Männer: 107.529 (51,9 %) Frauen gegenüber 99.503 Männern (48,1 %) „Frauen mit Herzklappenkrankheiten, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche haben offensichtlich eine ungünstigere Prognose als Männer mit diesen Erkrankungen“, betont Andresen. Bei Herzklappenkrankheiten liegt die Sterblichkeitsziffer um 51 % höher, bei Herzrhythmusstörungen um 45,8 % und bei Herzschwäche um 64,1 % höher als bei Männern.

In absoluten Zahlen: 2016 starben 25.318 Frauen gegenüber 15.016 Männern an Herzschwäche und 15.955 Frauen gegenüber 10.648 Männern an Rhythmusstörungen. Als mögliche Ursachen für dieses Gefälle sehen Herzspezialisten unter anderem geschlechtsspezifische Unterschiede in der Genetik und anatomische an Herz und Gefäßen (für Mikrozirkulation zuständige kleine Herzkranzgefäße) sowie Unterschiede in der Wirkung von Herz-Kreislauf-Medikamenten und in der Symptomatik von Herzkrankheiten. „Diese Punkte müssen in der herzmedizinischen Versorgung mehr berücksichtigt werden.“

Der Deutsche Herzbericht wird von der Deutschen Herzstiftung zusammen mit den ärztlichen Fachgesellschaften für Kardiologie, Herzchirurgie und Kinderkardiologie jährlich herausgegeben.


Quelle: idW/DHS/Deutsche Stiftung für Herzforschung, 07.02.2019