Studie

Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser erkennen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Deutschland. Forschern ist es nun gelungen, einen neuen Marker zu identifizieren: Das Protein Chemerin gibt Einblicke in die teilweise noch unbekannten Mechanismen der Krankheitsentstehung.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die genauen Zusammenhänge von Entzündungsreaktionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bisher nicht vollständig aufgeklärt. | 7activestudio - stock.adobe.com

Chemerin ist ein Botenstoff (Adipokin), der hauptsächlich im Fettgewebe sowie in Leber, Nieren und Pankreas gebildet wird. Er trägt dazu bei, dass sich die zunächst gleichartigen, undifferenzierten Zellen des Fettgewebes für bestimmte Aufgaben in Funktion und Gestalt spezialisieren. Zudem lockt Chemerin Immunzellen zu verletztem Gewebe, die dort sofort Entzündungen auslösen und auf diese Weise Infekte abwehren. Das Signalprotein ist somit Teil der feinregulierten Alarmanlage des Körpers. „Gerät das System aus den Fugen, drohen Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall“, erklärt Dr. Krasimira Aleksandrova, die am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) untersucht, wie das Zusammenspiel von Ernährung, Körperzusammensetzung und Immunsystem altersbedingte Erkrankungen beeinflusst.

Krebs im Kindesalter

Menschen, die als Kind oder Jugendlicher an Krebs erkrankt waren, haben als Erwachsene ein erhöhtes Risiko, einen hohen Blutdruck und eine Fettstoffwechselstörung zu entwickeln. Darüber hinaus haben sie ein beinahe zweifach erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Die genauen Zusammenhänge von Entzündungsreaktionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bisher nicht vollständig aufgeklärt. Um mehr Licht ins Dunkel zu bringen, analysierte das Team um Aleksandrova die Blutproben von 2.500 Männern und Frauen. Basis der Untersuchungen bildeten die Daten der Potsdamer EPIC-Studie mit mehr als 27.500 Studienteilnehmern.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachteten erstmals, dass die Konzentration von Chemerin im Blut bereits vor Einsetzen von Herzinfarkten und Schlaganfällen erhöht ist. Somit könnte Chemerin künftig als Indikator genutzt werden, um das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen genauer vorherzusagen. „Unsere Ergebnisse bestätigen, dass das Signalprotein Chemerin sowohl für Entzündungsprozesse als auch für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine wichtige Rolle spielt. Diese Spur sollte unbedingt weiterverfolgt werden. Das Verstehen um die genauen Funktionen von Chemerin könnte künftig die Suche nach neuen Präventionstherapien und Medikamenten verbessern“, sagt Aleksandrova.

Literatur:

Eichelmann F, Schulze MB, Wittenbecher C, Menzel J, Weikert C, Di Giuseppe R, Biemann R, Isermann B, Fritsche A, Boeing H, Aleksandrova K: Chemerin as a Biomarker Linking Inflammation and Cardiovascular Diseases. Journal of the American College of Cardiology Jan 2019, 73 (3) 378-379; DOI: 10.1016/j.jacc.2018.10.058, http://www.onlinejacc.org/content/73/3/378

 

Quelle: DIfE, 22.01.2019