Kommentar

HDR-Brachytherapie als Salvage-Methode

Im Juni-Heft wurde die HDR-Brachytherapie (BT) als Salvage-Methode bei Männern mit intraprostatischem Lokalrezidiv eines Prostatakarzinoms nach primärer Strahlentherapie durchgeführt. In dem Beitrag wird das Verfahren kommentiert.

Brachytherapie

Iridium-192 HDR-Brachytherapie (Afterloading = Nachladeverfahren) | © T. Schneider

Bei 83 Prostatakrebspatienten trat nach durchschnittlich 63 Monaten (Spanne: 22–124) nach der perkutanen Strahlentherapie (EBRT) an Linearbeschleuniger ein Lokalrezidiv auf: Nach PSA-Anstieg wurde ein MRT der Prostata als diagnostische Methode und zwecks erneuter MR-gestützter Stanzbiopsie durchgeführt. Bei histologischem Nachweis eines Rezidivs erfolgte die HDR-BT, bei negativer Histologie nur eine active surveillance (Beobachtung). Zudem wurden zum Ausschluss einer Fernmetastasierung ein Skelettszintigramm, ein CT des Thorax + Abdomen angefertigt. Die HDR-BT wurde in drei Implantationen (zwei Wochen Abstand) mit je 10 Gy pro Iridium 192-BT bis zur Gesamtdosis von 30 Gy aufgeteilt – durchschnittlich wurden 14 Hohlnadeln (8–18) verwendet. Als klinisches Bestrahlungsvolumen (clinical target volume = CTV) diente die gesamte Prostata. Das Gesamtüberleben (OS) und biochemische Kontrolle wurden nach der Kaplan-Meier-Methode berechnet. Akute und späte Toxizitätraten wurden ausgewertet. 50/83 Patienten erhielten noch eine antiandrogene Therapie zum Zeitpunkt ihrer letzten Nachsorge.

Folgende Ergebnisse wurden erzielt:

Die mediane Nachbeobachtungszeit nach der HDR betrug 41 Monate. Die 3-Jahres- und 5-Jahres-Überlebensraten (OS) betrugen 93 % und 86 %. Das 3-Jahres- und 5-Jahres-biochemische krankheitsfreie Überleben (BDF) waren 76 % und 67 %. Als Nebenwirkungen der BT traten folgende Ereignisse auf: In 5 Fällen (6 %) wurde die BT nach der ersten Sitzung wegen akutem Harnverhalt beendet (siehe auch Tabelle).
Nähere Informationen zur Einteilung von CTC-Kriterien: www.onkologie2016.de/nebenwirkungen/prinzipien.htm

Das Fazit der Arbeit war:

Salvage HDR-BT ist eine vielversprechende Behandlungsoption für Patienten mit lokalisiertem Rezidiv bei bereits perkutan bestrahltem Prostatakrebs.

Kommentar des Autors:

Bei der HDR-Brachytherapie werden kleine Hohlnadeln in die Prostata eingebracht, die dort wenige Stunden verbleiben. Durch Schläuche fährt die Quelle in die Nadeln, gibt im Organ ihre Dosis ab und fährt anschließend wieder zurück in den Quellentresor. Durch die physikalischen Eigenschaften des Strahlers kann in kurzer Zeit eine hohe Dosis in die Prostata eingestrahlt werden. Bei steilem Dosisabfall können die umliegenden Organe (Blase und Enddarm) effizient geschont werden.

Bei der hier bewerteten Publikation wurde das HDR-Verfahren bei intraprostatischem Rezidiv als Salvage-Verfahren* angewandt. Die HDR-BT ist eine lang etablierte Technologie mit gewissen Limitationen. Die wird in einem speziellen OP-Saal durchgeführt, es braucht ein interdisziplinäres Team, eine Spinalanästhesie oder eine klassische Narkose ist notwendig. Diese aufwendige, invasive Therapie führt jedoch zu einer nicht unerheblichen Nebenwirkung, insbesondere an Urethra (siehe Tabelle). Diese Raten finde ich nicht akzeptabel, im Gegensatz zu der Schlussfolgerung der polnischen Arbeitsgruppe. Die Mehrzahl der Patienten stand trotzdem längerfristig unter einer antiandrogenen Therapie, um einen weiteren Krankheitsprogress zu mindern.

 (Dr. Thomas Schneider, Strahlenzentrum Hamburg, Kontakt: szhh.tom@gmail.com)

*    Mit „Salvage-Therapie“ („Rettungs-“, „Auffang-Therapie“) ist ein zweiter oder auch letzter Versuch einer noch möglichen Heilung (kurative Therapie) nach Versagen einer oder mehrerer vorangegangenen Behandlungen gemeint.

 

 

Literatur

1.    Wojcieszek P, Szlag M, Głowacki G, et al.: Salvage high-dose-rate brachytherapy for locally recurrent prostate cancer after primary radiotherapy failure. Radiother Oncol. 2016 Jun;119(3): 405–10. DOI: 10.1016/j.radonc.2016. 04.032. Epub 2016 May 8.

Entnommen aus MTA Dialog 10/2016