Deutscher Verband der Ergotherapeuten

Gründe für Schlafstörungen oft im Alltag zu finden

Ergotherapeuten helfen ihren Klienten, Raum in ihrem Alltag zu schaffen, um schrittweise gesundheits- und damit schlaffördernde Veränderungen in ihren Alltag einzubauen.

Schlaf

Häufig leiden Menschen, die unter Zeitdruck stehen, an Schlafstörungen. | Konstantin Yuganov - stock.adobe.com

So unterschiedlich wie jeder einzelne Mensch selbst ist auch sein Tagesablauf und die Aktivitäten und Aufgaben, die seinen Alltag prägen. Ergotherapeutin Barbara Droth gibt an der Akademie des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten (DVE) ihr Wissen zum Thema „Schlaf“ ebenso weiter wie Arbeitsmaterialien und Assessments, die sie dazu entwickelt hat. „Oft sind die Menschen total überlastet und können ihre Leistungen nur schwer erbringen, wenn sie zu mir in die Praxis kommen“, zeichnet Droth ein Patientenbild.

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Häufig leiden gestresste Manager, Menschen im Außen- oder Schichtdienst, Schüler und Studierende, Selbstständige oder generell Berufsgruppen, die unter allgemeinem oder Zeitdruck stehen, unter schlechtem Schlaf. Zum Ergründen der Ursachen lässt die Expertin ihre Klienten reden. Aus dem, was und wie ihr Gegenüber etwas von sich gibt, spüren sie heraus, in welchem Bereich sie zuerst nach dem Störfaktor suchen müssen. Ist es die Psyche, das Schlafverhalten, sind es Umgebungsfaktoren wie Bett, Lärm, Licht, der Beruf oder etwas ganz anderes?

Bewegung, Ernährung und Ruhe

Ergotherapeuten wie Barbara Droth finden durch ihr spezielles Vorgehen heraus, wie sie den Veränderungswillen des Schlafsuchenden effektiv verstärken können. Sie fragen dann etwa nach den Prioritäten in dessen Leben. Außer dem Beruflichen sprechen sie insbesondere das soziale Umfeld, Partnerschaft, Kinder und Familie an. „Dann spüre ich ganz schnell, dass eine andere Wertigkeit entsteht, die Betroffenen trotz ihrer Resignation, die mit schlechtem Schlaf verbunden ist, Chancen erkennen. Manche sagen etwa: Ich möchte wieder mehr mit meiner Frau unternehmen. Oder: Ich möchte gesund bleiben für meine Kinder“, zitiert Droth ihre Klienten. Sobald diese erkannt und ausgesprochen haben, wofür sie morgens aufstehen, was den Sinn ihres Lebens ausmacht, ist die Motivation ungleich größer, etwas zu verändern.

Gemeinsam mit dem Klienten eruiert die Ergotherapeutin dann, in welcher der drei Gesundheitssäulen Bewegung, Ernährung und Ruhe – inklusive Schlaf – als Erstes eine Veränderung gelingen kann. Denn am wenigsten können diese Menschen noch mehr Stress oder Zeitdruck vertragen. Das Ziel ist daher, dort anzusetzen, wo es demjenigen am leichtesten fällt. Und wofür er unkompliziert und im für ihn passenden Tempo Raum in seinem Alltag schaffen kann, um schrittweise gesundheits- und damit schlaffördernde Veränderungen einzubauen.

Pittsburgh Schlafqualitätsindex

Kann sich derjenige etwa damit anfreunden, sich mehr zu bewegen? Das kann zunächst etwas ganz Banales sein, vielleicht anstelle von Aufzügen oder Rolltreppen immer die Treppe zu nehmen, bei bestimmten Tätigkeiten wie Telefonieren zu gehen oder zu stehen. Es muss für den Einzelnen passen und sich ohne große Anstrengung in dessen Alltag integrieren lassen. Ist es gelungen, einfache Veränderungen im Alltag zu etablieren, kann es an die größeren Dinge gehen. Gemeinsam mit ihrem Klienten schauen sich Ergotherapeuten dann etwa besonders hektische Tage an, entwickeln Ideen, wie sich Aufgaben umstrukturieren oder bündeln lassen. So lässt sich das Tagesgeschäft leichter bewältigen und es entsteht mehr Freiraum für Zeit mit Familie und Kindern und für einen entspannteren Übergang in den Abend und die Schlafenszeit.

Situationsbedingt verwendet Droth bewährte Erfassungsinstrumente wie etwa den Pittsburgh Schlafqualitätsindex, ein international bekannter Fragenkatalog für Schlafqualität. Zusätzlich hat sie eine Reihe weiterer Fragen ausgearbeitet, im Praxisgeschehen fortlaufend verfeinert und in eigene, spezielle Assessments zusammengefasst.

Änderung der täglichen Gewohnheiten

Am Beispiel einer Studierenden, die vor einer Prüfung stand, verdeutlicht die Ergotherapeutin, warum es sich lohnt, so vorzugehen. Die junge Frau hatte seit Monaten Probleme beim Einschlafen. Ein Zusammenhang zwischen ihren Einschlafproblemen und unterschwelligen, prüfungsbedingten Ängsten war naheliegend. Durch gründliches Hinterfragen ihrer täglichen Gewohnheiten kristallisierte sich jedoch heraus, dass es an etwas anderem lag. Sie trank bis in den Nachmittag hinein grünen Tee für mehr geistige Fitness. Außerdem ging sie, um ausreichend Schlaf zu bekommen, früh zu Bett, obwohl sie nicht müde war. Ihr war dies alles nicht bewusst, da sich ihr Fokus auf das Lernen und die bevorstehende Prüfung richtete. Sobald sie ihre Gewohnheiten änderte, verbesserte sich die Schlafqualität.


Quelle: DVE, 16.10.2019