Regionales Qualitätsforum Offenburg

Große Themenvielfalt

Am 18. Oktober 2016 fand zum 23. Mal das Regionale Qualitätsforum im Ortenau Klinikum Offenburg am Standort St. Josefsklinik statt. In diesem Jahr trafen sich 40 Teilnehmerinnen und fünf Referentinnen und Referenten im wunderschön ausgestatteten Auditorium, um Neues aus dem Laboralltag zu hören.

Veranstaltungen

© Barbara Oschwald-Häg

Die Themenvielfalt reichte von den Anforderungen der künftigen europäischen IVD-Verordnung über multiresistente Keime im Krankenhaus, Allergiediagnostik und Säure-Basen-Haushalt bis zu Ermittlung von Referenzintervallen.

 Dr. Anne Kerres aus Bonn erläuterte die Relevanz der neuen IVD-Verordnung für die Laboratorien. Ziele dieser Verordnung sind:

  • eine Verbesserung der Sicherheit und Leistung von IVD inklusive Gesundheitsschutz,
  • die Anpassung der Anforderungen an den Stand der Technik, zum Beispiel hinsichtlich innovativer Weiterentwicklungen wie therapiebegleitende Diagnostika, Gendiagnostik, Produkte für patientennahe Tests (POCT), Software,
  • Regelungen zu Produkten aus Eigenherstellung, „In-House-Verfahren“,
  • die Erhöhung der Markttransparenz und der Rückverfolgbarkeit der Produkte durch ein neues Registrierungssystem,
  • die Anpassung der Klassifizierung in der In-vitro-Diagnostik an internationale Vorgaben (GHTF-System) mit dem Ziel der internationalen Harmonisierung und Flexibilisierung der Anforderungen.

In anschaulicher Weise zeigte Dr. med. Elke Schernikau aus dem Klinikverbund Südwest, Sindelfingen, den Umgang mit multiresistenten Erregern im Krankenhaus auf. Ihr Schwerpunkt lag auf den Möglichkeiten der Prophylaxe: Woher kommen die Erreger, wie ist der Verbreitungsweg, wie kann man sie nachweisen, wie kann man sie versuchen „auszurotten“ und wie können wir dagegensteuern, dass wir sie erst gar nicht „einfangen“. Prof. Dr. rer. nat. Ingo Schellenberg, Vorstandsmitglied von Instand e.V. aus Düsseldorf, zeigte, wie es zu auf den ersten Blick überraschenden Kreuzallergien zwischen Pollen und Nahrungsmitteln kommen kann. Der Grund sind ähnliche Eiweißstrukturen, die aufgrund gleicher Gene exprimiert werden. Deshalb erkennt unser Immunsystem diese Proteinfamilien unabhängig von der Quelle als gleich oder ähnlich und reagiert entsprechend identisch mit allergischen Symptomen.

Weiter ging die Vortragsreihe mit Prof. Dr. med. Rolf Zander von Physioklin aus Mainz, der das Gleichgewicht des Säure-Basen-Haushalts im Körper erläuterte und aufzeigte, was passiert, wenn dieses Gleichgewicht kippt. So leidenschaftlich, wie Prof. Zander über den pH-, pO2- und pC02-Wert sowie vor allem über den BE (Basenabweichung) erzählte, hat in unserer Vortragsreihe noch kaum jemals ein Redner ein scheinbar trockenes Thema präsentiert.

„Trillium-Diagnostik“ ist eine Zeitschrift, die in keinem Labor fehlen darf! Der Herausgeber und Autor vieler Berichte, Prof. Dr. med. Georg Hoffmann, stellte „Neue Verfahren zur Ermittlung von Referenzintervallen aus Routinedaten“ anschaulich vor. Seine Aussage:

  • Der größte Teil aller labormedizinischen Entscheidungen basiert auf dem Vergleich von Messwerten mit Referenzintervallen.
  • Laut IFCC-Leitlinie soll jedes Labor seine Referenzintervalle selbst bestimmen.
  • Nach DIN EN ISO 15189 muss jedes Labor die Grundlagen seiner Entscheidungswerte dokumentieren und den Nutzern mitteilen.

Eine Blitzumfrage ergab:

  • Kein einziges Labor bestimmte seine Referenzintervalle leitliniengerecht.
  • Etwa 80 Prozent der Referenzintervalle wurden ungeprüft aus den Beipackzetteln der Testhersteller abgeschrieben.

Der Rest stammte aus Lehrbüchern und anderen externen Quellen.

Dr. Hoffmann hat zur Lösung ein recht einfaches Verfahren entwickelt, das wir auch an unserer Klinik bereits mit Erfolg erprobt haben: Man benötigt dafür nur einige 100 Routinewerte pro Analyt und eine Software, die für Interessierte kostenlos bereitgestellt wird (georg.hoffmann@trillium.de). Wichtig wäre es nun, dass diese zunächst auf Excel-Basis realisierte Lösung auch von Labor-EDV-Firmen implementiert wird, damit jedes Labor der DIN ISO 15189 nachkommen und seine Referenzintervalle auf Knopfdruck überprüfen kann. Dies wäre ein wichtiger Schritt für leitliniengerechtes Qualitätsmanagement.

Fazit: Es war ein gelungener Tag mit hervorragenden Referentinnen und Referenten, die Rückmeldungen der Teilnehmerinnen waren sehr positiv und alle waren vom Programm und Ambiente begeistert.

 

Entnommen aus MTA Dialog 12/2016