Premium LGL-Zellen (large granular lymphocytes)

Große granulierte Lymphozyten

Die Bezeichnung LGL-Zellen steht für große granulierte Lymphozyten. Es sind reife lymphatische Zellen, die in der Pappenheimfärbung folgende Merkmale aufweisen: Kondensiertes Kernchromatin, leicht größer als der kleine Lymphozyt, mittleres Kern-Zytoplasma-Verhältnis (Abb. 1).

 

Typische LGL-Zelle

Abb. 1: BB, Papp, Typische LGL-Zelle (re), Abb. 3: BB, Papp, „Pinocchio-Zelle“ unter IL-2- Therapie (li) | © Uniklinik Aachen

Zytoplasmafarbe blass-basophil. Typisch sind mehrere über das Zytoplasma verteilte azurophile Granula, die in Zahl und Größe stark variieren. Letztere enthalten die zytotoxischen Enzyme Perforin und Granzyme B.

Subtypen der LGL-Zellen

LGL-Zellen lassen sich in drei Subpopulationen unterteilen:

1. Natürliche Killerzellen (NK-Zellen)

2. Zytotoxische T-Lymphozyten

3. NK-ähnliche T-Lymphozyten (NK-T-Zellen)

Mit der Pappenheim-Färbung ist nur eine Quantifizierung der LGL-Zellen, nicht aber eine Typenzuordnung möglich, da eindeutige zytologische Unterscheidungsmerkmale fehlen. Zur weitergehenden Klassifizierung ist eine Immunphänotypisierung erforderlich. Folgende Marker sind zur Subtypisierung geeignet:

CD3 als Pan-T-Zellmarker ist wesentlich für Differenzierung.

T-LGL-Zellen und NK-T-Zellen exprimieren den Marker, NK-Zellen nicht. (Abb. 2 Durchflusszytometrie-Dotplot). Die positiven Zellen befinden sich rechts der senkrechten Diskriminatorlinie. Sie sind grün und braun angefärbt.

NK-T-Zellen sind zudem positiv für den NK-Marker CD56.

T-LGL-Zellen zeigen kein CD56, jedoch CD57 und zusätzlich CD8.

NK-Zellen sind negativ für CD3, aber positiv für CD56 und CD16 (blaue Zellen links der Trennlinie).

Abb. 2: Immunphänotypisierung, Blut. Reaktive LGL-Vermehrung mit Vorkommen aller drei LGL-Typen.

Funktion


Gemeinsam ist den drei LGL-Zelltypen die Fähigkeit zur Freisetzung von Perforin und Granzyme B durch Ausschüttung der Granula nach Antigenkontakt. Nach einem Andocken an die Zielzellen wirkt das Perforin der NK-Zelle, das aufgrund seiner zyto- toxischen Eigenschaften ein Loch in die Membran der attackierten Zelle bohrt. Nachfolgend gelangt Granzyme B über den Membrandefekt intrazellulär und leitet den programmierten Zelltod (Apoptose) ein.

Funktionelle Unterschiede der LGL-Subtypen bestehen in der spezifischen oder unspezifischen Immunantwort. Während NK-Zellen direkt und unvermittelt ein fremd erkanntes Antigen angreifen und zerstören können, brauchen die CD8+ zytotoxischen T-Zellen zur Antigenerkennung deren immunologische Aufbereitung durch antigenpräsentierende Zellen (Makrophagen, B-Lymphozyten, dentritische Zellen). Daraufhin stimulieren sie mit Hilfe von Zytokinen B-Lymphozyten, die ihrerseits vorübergehend zu blastären Zellen transformieren, nachfolgend immunologisch geprägt sind, sich zu Plasmazellen differenzieren und Immunglobuline mit Antikörpereigenschaften bilden.

LGL-Zellen im Blutausstrich

Im Blut von gesunden Erwachsenen machen LGL-Zellen bis zu 10 % der Leukozyten aus und entsprechen meist NK-Zellen der oben angegebenen Definition. Sind LGL-Zellen im Blut vermehrt (>10 % der Leukozyten) kann dies reaktive Ursachen haben wie bei einer Virusinfektion oder nach einer allogenen Stammzelltransplantation, aber auch in seltenen Fällen Ausdruck einer LGL-Leukämie sein. Häufig besteht wegen der zelltoxischen Aktivität eine Neutropenie. Eine Unterscheidung reaktiv versus maligne ist an der Einzelzelle zytologisch meist nicht möglich, da sich in der Pappenheimfärbung reaktive LGL-Zellen nicht von malignen Formen unterscheiden. Argumente für eine reaktive LGL-Vermehrung sind z.B. ein buntes Lymphozytenbild oder klinische/laborchemische Daten wie Infektionsparameter. Bei einer LGL-Leukämie können ein monomorphes Zellbild und zusätzliche Zytopenien wegweisend sein. In der gegenwärtig gültigen Richtlinie zur Lymphozytendifferenzierung wird die nachstehende Vorgehensweise empfohlen:

LGL-Zellen als typische oder atypische Lymphozyten

Im Blutausstrich werden LGL-Zellen zunächst als typische Lymphozyten gezählt. Überschreiten die LGL-Zellen die 10 %-Grenze aller Leukozyten, werden dieselben Zellen als atypisch eingestuft, unabhängig von ihrer Morphologie und ihrer biologischen Dignität. Besteht ein Hinweis für eine reaktive Ursache, sollen die LGL-Zellen als „atypische Lymphozyten, vermutlich reaktiv“ gezählt werden. Ist eine LGL-Leukämie zu vermuten, soll die Kategorie „atypische Lymphozyten, vermutlich neoplastisch“ gewählt werden. Bei fraglicher Ursache können sie auch behelfsmäßig bis zur weiteren Abklärung als „Diverse“ eingestuft werden mit dem Zusatz: „LGL-Vermehrung unklarer Dignität“. Eine Verlaufskontrolle und eine Immunphänotypisierung sind bei einer unklaren LGL-Vermehrung unverzichtbar.

Abb. 3: BB, Papp, „Pinocchio-Zelle“ unter IL-2- Therapie.

LGL-Vermehrung, reaktiv. Ursachen


  • Virusinfektionen wie CMV, EBV, HIV u.a.
  • Zustand nach Stammzelltransplantation
  • Medikamentöse Ursachen wie z.B. Interleukin 2-Therapie. Interleukin 2 induziert die Bildung von CD8+T-LGL-Zellen, die häufig eine nasenartige Zytoplasmaausstülpung aufweisen, weshalb sie „Pinocchio Zellen (2)“ genannt werden (Abb. 3).

LGL-Vermehrung, maligne. LGL-Leukämie

LGL-Leukämien sind selten. Analog der physiologischen Zellvertreter unterscheidet man zwei Subtypen:

  • T-LGL-Leukämien
  • NK-Leukämien


Meist finden sich >2 G/l LGL im peripheren Blut. T-LGL-Leukämien treten gehäuft auf bei Autoimmunerkrankungen, z.B. bei chronischer rheumatoider Arthritis. Meist finden sich langsame, chronische Verläufe, die mit Neutropenie, Splenomegalie und LGL-Vermehrung im Blut sowie Knochenmarkbefall einhergehen. Chromosomale Veränderungen sind häufig. Die Notwendigkeit einer Therapie ergibt sich meist aus voranschreitender Neutropenie mit den Folgen erhöhter Infektanfälligkeit.

Die NK-Zell-Leukämie ist sehr selten und zeigt meist ebenfalls langsame chronische Verläufe, kann jedoch in eine aggressive Form übergehen.

Literatur


1. Baurmann H et al. Lymphozytenmorphologie im Blutausstrich – Vorstellung einer überarbeiteten Nomenklatur und Systematik J Lab Med 2011;35(5):261–270 © 2011 by Walter de Gruyter • Berlin • Boston. DOI 10.1515/JLM.2011.037

2. www.hemato-images.eu/content/e3774/e3776/e3845/e9585/index_ger.html, Onkodin Bildatlas

3. SH Swerdlow et al. (ed.) WHO classification of tumours of haematopoietic and lymphoid tissues 4th edition, IARC, Lyon 2008

Der Autor:
Prof. Dr. med. Roland Fuchs
Uniklinik Aachen
Klinik für Hämatologie, Onkologie, Hämostaseologie und Stammzelltransplantation

Die Autorin:
Reinhild Herwartz
Biomedizinische Fachanalytikerin Hämatologie
Uniklinik Aachen, Klinik für Hämatologie, Onkologie, Hämostaseologie und Stammzelltransplantation
E-Mail: reinhild@herwartz.de

 

Entnommen aus MTA Dialog 4/2016

Bitte geben Sie Ihre Logindaten ein

Die Vollansicht des Artikels ist nur für registrierte Nutzer möglich. Bitte loggen Sie sich daher mit Ihren Zugangsdaten ein:

Log-in
Bitte geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und Ihr Passwort ein, um sich einzuloggen.


Sollten Sie Ihr persönliches Passwort einmal vergessen haben, können Sie sich hier jederzeit ein neues Passwort vergeben.

Noch nicht registriert? Zur Registrierung für Mitglieder und Abonnenten