Online First: Fachberufekonferenz

Gesundheitsfachberufe fordern Ausbildungsreformen

Um den gestiegenen Anforderungen an die Versorgung zunehmend älterer und multimorbider Patienten sowie dem medizin-technischen Fortschritt entsprechen zu können, fordern viele nichtärztliche Fachberufe eine akademische Berufsausbildung.

Fachberufekonferenz

Für eine Ausbildungsreform sprach sich auch DVTA-Präsidentin (L/V) Christiane Maschek aus. | kasto/Fotolia

Die mit einer akademischen Berufsausbildung einhergehenden Karrierechancen machten angesichts des herrschenden Fachkräftemangels im Gesundheitswesen Berufe wie den des Physiotherapeuten, Ergotherapeuten oder Logopäden für den Nachwuchs wieder attraktiver. Diese Auffassung vertraten die Vertreter der Berufsverbände bei der Fachberufekonferenz der Bundesärztekammer am 27. Februar in Berlin. Ziel der ständigen Einrichtung von 42 Verbänden, die sich in dieser Woche zu ihrer 30. Sitzung trafen, ist, die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsfachberufen zu fördern.

Akademisierung

Der Bundestag soll die Ausbildung von Gesundheitsfachberufen an Hochschulen zeitnah gesetzlich verankern. Das fordert auch der DVTA.

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Die Logopäden seien eine Berufsgruppe in Bewegung, sagte die Präsidentin des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie (dbl), Dagmar Karrasch, in ihrem Bericht zur Lage. Zum einen gehe es darum, für Logopäden und Sprachtherapeuten eine einheitliche Berufslandschaft zu gestalten. Zum anderen habe man sich gemeinsam mit den Physiotherapeuten und den Ergotherapeuten das Ziel gesetzt, eine grundständige akademische Berufsausbildung zu schaffen. Die im Rahmen einer Modellklausel durchgeführten Studiengänge seien alle positiv evaluiert worden. Es sei daher nur konsequent, die Berufsgesetze entsprechend zu ändern

 Die logopädische Ausbildung ausschließlich an der Hochschule zu verorten, spiegele die gesellschaftlich gewachsenen beruflichen Anforderungen an die Gesundheits- und Patientenversorgung wider, heißt es dazu in einem Positionspapier des dbl. Zumal aktuell 90 Prozent der Berufsfachschüler der Logopädie ohnehin über die allgemeine Hochschulreife verfügten. Eine Vollakademisierung verbessere zudem die Wettbewerbsfähigkeit der Logopäden in Europa. Deutschland sei das einzige Land in der Europäischen Union, in dem Logopäden ohne Bachelor- beziehungsweise Masterabschluss zur Berufsausübung zugelassen würden. Der dbl habe Ende Februar eine Rahmenstudienordnung für Logopädie fertiggestellt, die man jetzt mit der Politik diskutieren müsse. „Wir hoffen, dass die Novelle des Berufsgesetzes in dieser Legislaturperiode verabschiedet wird“, sagte Karrasch.

Direktzugang zum Physiotherapeuten

Den Kampf gegen den Fachkräftemangel führte Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten als Hauptproblem an. „Wir müssen den Beruf für den Nachwuchs attraktiver machen. Dazu gehört auch eine bessere Vergütung“, sagte Repschläger. Hier sei man bereits auf gutem Wege. Wie die Logopäden wollen auch die Physiotherapeuten, dass der therapeutische Nachwuchs künftig an Hochschulen ausgebildet wird. Außerdem fordert der Verband, dass Patienten Physiotherapeuten künftig ohne ärztliche Überweisung aufsuchen können.

Für eine Ausbildungsreform sprach sich auch DVTA-Präsidentin (L/V) Christiane Maschek aus. Denn die Fachberufe arbeiteten inzwischen häufig mit hochkomplexen Technologien, die ein ebenso hohes Maß an Kompetenz erforderten. Maschek zufolge besteht in den technologischen und analytischen Fachberufen ein massiver Mangel an Fachkräften. Dabei leisteten diese einen wesentlichen Beitrag zur medizinischen Diagnostik. „Und ohne Diagnostik gibt es keine Therapie“, betonte Maschek.