Leitlinienwissen

Gesundheits-Apps bekommen verlässliche Qualität

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) möchte es ermöglichen, dass in den vielen auf dem Markt befindlichen Gesundheits-Apps verlässliches medizinisches Wissen enthalten ist

 

Gesundheits-Apps

Die rund 100.000 Gesundheits-Apps, die derzeit im App-Store verfügbar sind, unterliegen keinerlei verbindlicher Qualitätskontrolle. | georgejmclittle - Fotolia

Die zunehmende Flut von Gesundheits-Apps macht es für Anwender schwierig, einen vollständigen Überblick zu bekommen. Noch schwieriger ist es, die Qualität von Apps in Bezug auf Relevanz, Objektivität, Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit einzuschätzen. Bislang gibt es dafür keinen einheitlichen Bewertungsmaßstab. „Das wird jedoch immer wichtiger, da diese digitalen Anwendungen mehr und mehr auch unmittelbaren Einfluss auf Therapien haben“, betont AWMF-Präsident Prof. Dr. med. Rolf Kreienberg.

E-Health-Gesetz

Seit dem Inkrafttreten des E-Health-Gesetzes, das als Artikelgesetz die Paragrafen des seit 2005 gültigen GMG (GKV-Modernisierungsgesetzes) ergänzt, sind erste wichtige Meilensteine bereits umgesetzt worden.

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Priv.-Doz. Dr. med. Urs-Vito Albrecht vom Peter L. Reichertz-Institut für medizinische Informatik der Medizinischen Hochschule Hannover forderte daher auf der letzten AWMF-Leitlinienkonferenz die unter dem Dach der AWMF vereinten Fachgesellschaften auf, gemeinsam pragmatische Qualitätsanforderungen zu konsentieren und nicht nur fachspezifische Siegel zu entwickeln. Wichtig sei bei einer Qualitätsinitiative, die auf dem von internationalen Unternehmen bestimmten Markt der Apps greifen soll, hohe Sichtbarkeit und Interdisziplinarität. Um die Qualität einer App bewerten zu können, müsste man beispielsweise auf ihre Zweckmäßigkeit, ihr Risikopotenzial, ihre ethische Unbedenklichkeit und auf ihre inhaltliche Validität achten.

Für die inhaltliche Validität stehen die Leitlinien der Fachgesellschaften in der AWMF als verlässliche Grundlage zur Verfügung. Sie dienen Ärzten in Klinik und Praxis dazu, aktuelle, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zum Wohl ihrer Patienten anzuwenden. Patientenversionen der Leitlinien helfen Betroffenen und ihren Angehörigen, sich wissenschaftlich fundiert zu informieren. Um den Zugriff auf Leitlinien und ihre Nutzung, aber auch Transparenz über ihre Entstehung, Aktualisierung und Bewertung zu verbessern, sollen diese künftig digital erstellt, verwaltet, implementiert und evaluiert werden.

Digitalisierung von Leitlinien

Ein besonders großer Nutzen ergibt sich bei der Implementierung des Leitlinienwissens. Ziel des Digitalisierungsprojektes der AWMF ist es auch, Leitlinien oder Leitlinienkomponenten über Systemgrenzen hinweg nutzbar zu machen. Leitlinienwissen ließe sich dann unmittelbar in digitalen Informationsangeboten wie Arztinformationssystemen oder einrichtungsinternen Behandlungspfaden, Lernplattformen für die Ausbildung von Medizinstudierenden und Informationsportalen für Patienten und Patientinnen sowie Bürger und Bürgerinnen einbinden. Es wäre außerdem optimal für Apps zu nutzen. „So könnten wir ermöglichen, dass in den vielen auf dem Markt befindlichen Gesundheits-Apps verlässliches medizinisches Wissen enthalten ist“, prognostiziert Prof. Dr. med. Claudia Spies, Vorsitzende der Ständigen Kommission Leitlinien der AWMF.

Bis zum Jahr 2022 soll laut AWMF-Plan die Digitalisierung von Leitlinien umgesetzt sein. Dann können Leitlinien noch besser dazu beitragen, verlässliches Wissen in der medizinischen Ausbildung und Versorgung zu verankern sowie durch entsprechende Informationsangebote die Autonomie und das Selbstmanagement von Patienten und Patientinnen zu stärken.  


Quelle: AWMF, 06.02.2019