Buchbesprechung

Geschichte der Chirurgie

Die Geburtsstunde der modernen Chirurgie ist eine dunkle Nacht im Jahre 1537. Der Franzose Ambroise Paré behandelt verwundete Soldaten zum ersten Mal nicht nach der gängigen Lehrbuchmeinung, die vorschrieb, heißes Öl in die offenen Wunden zu gießen, sondern mit einer Salbe aus Rosenöl und Eigelb.

van de Laar

Schnitt! Die ganze Geschichte der Chirurgie erzählt in 28 Operationen

Mit dieser Einleitung über die grundlegenden Unterschiede zwischen Chirurgen, Wundärzten und Handwerkern taucht der Leser in die Zeitreise der Chirurgie ein. Nicht chronologisch geordnet beschreitet er dabei auch zeithistorisch wichtige Momente – von Königin Viktoria zu Albert Einstein, über die erste Blasenstein-OP, über die Kastration zur Laparoskopie und der minimalinvasiven Revolution. Über den Mord an Präsident Kennedy ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien. Die Verletzungen und die Behandlungen Kennedys erörternd, beseitigt der Autor den Widerspruch in der Legendenbildung. In einem anderen Kapitel zeigt van de Laar die Nachteile der Evolution auf, wie zum Beispiel den aufrechten Gang, der zu vermehrten Krampfadern und Leistenbrüchen führt. Neben allerlei medizinischen und historischen Wissen steht für den Autor aber immer der Mensch und dessen Schicksal im Vordergrund. Die 28 Operationen lesen sich daher wie medizinische Fallakte und Roman zugleich. Geschickt verknüpft er wissenschaftliche Belange mit großem Erzähltalent. Klug in die Texte eingeflochten sind alle relevanten Erklärungen zu medizinischen Begriffen. Abbildungen und Zeichnungen bereichern die Texte und fördern das Verständnis für die jeweilige Zeit. So entsteht ein packendes und unterhaltsames Stück Zeit- und Medizingeschichte.

Christina Weirich

 

Schnitt! Die ganze Geschichte der Chirurgie erzählt in 28 Operationen
Von Arnold van de Laar, Pattloch Verlag, 2015
ISBN 978–3–629–13072–3, Preis: 22,99 Euro (Hardcover)

 

Entnommen aus MTA Dialog 7/2016