Urology Week

Geringes Bewusstsein für urologische Erkrankungen

Das öffentliche Bewusstsein für urologische Erkrankungen ist in ganz Europa alarmierend gering. Das zeigen die Ergebnisse einer Befragung von mehr als 2.500 Personen in fünf europäischen Ländern.

Urologie

Urologie ins Blickfeld rücken | pixdesign123/stock.adobe.com

Die im Auftrag der European Association of Urology (EAU) durchgeführte Studie zeigt, dass Frauen besser als Männer über Gesundheitsprobleme bei Männern informiert sind und dass Männer wichtige urologische Symptome nicht kennen und frühe Anzeichen lebensbedrohlicher Erkrankungen nicht ernst nehmen. Der durch die Untersuchung aufgezeigte Mangel an Bewusstsein ist gerade auch im Hinblick einer alternden Gesellschaft in Europa von Bedeutung, in der urologische Erkrankungen zunehmen. Prävention und frühzeitige Diagnose sind entscheidend, um Leben zu retten und auch die steigenden Kosten unter Kontrolle zu halten.

Mangel an Kenntnissen auf dem Gebiet der Urologie

Die Antworten zeigen, dass die Urologie als medizinische Fachrichtung weit davon entfernt ist, im Bewusstsein der Allgemeinheit verankert zu sein: 40 % der Befragten waren nicht in der Lage zu erklären, womit sich Urologen befassen, 10 % gaben an, noch nie von Urologen gehört zu haben und fast 15 % glauben, dass Urologen skelettale, neurologische oder kreislaufbezogene Störungen behandeln.

Prostataspezifisches Antigen

In der wechselvollen Geschichte des PSA-Tests hat die Neubewertung der PLCO-Studie 2016 ein weiteres Kapitel aufgeschlagen. Es stellte sich inzwischen heraus, dass sich 90 Prozent der angeblich Nicht-Getesteten entgegen dem Studienprotokoll doch haben testen und wenn erforderlich auch therapieren lassen.

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„Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen klar auf, dass Menschen im Hinblick auf urologische Erkrankungen nicht sehr gut informiert sind. Gerade Männer waren schlechter informiert als Frauen und neigen dazu, Symptome und eine frühzeitige Diagnose zu ignorieren“, so Prof. Hein van Poppel, Urologe und Adjunct Secretary General der EAU. „Männer davon zu überzeugen, ihre Gesundheit ernst zu nehmen, stellt eine große Herausforderung dar. Es muss ein besseres Verständnis für die Risiken und die Symptome der Erkrankungen geschaffen werden. Männer sollten dazu ermutigt werden, einen Arzt aufzusuchen, wenn sie etwas Verdächtiges wahrnehmen.“

Für viele Männer ist die Prostata weiterhin ein Mysterium

Jedes Jahr werden in Europa 450.000 Männer mit Prostatakrebs diagnostiziert und 92.000 Todesfälle verzeichnet. Obwohl Prostatakrebs unter Männern die häufigste Krebsart darstellt, gaben drei Viertel aller Befragten an, dass sie nur begrenzte Kenntnisse von den Symptomen haben. Tatsächlich gab ein höherer Prozentsatz von Männern an, die Symptome von Brustkrebs (31 %) als die von Prostatakrebs (27 %) erkennen zu können.

Zusätzlich zur Unkenntnis von den Symptomen von Prostatakrebs konnte nur einer von vier Befragten die Lage der Prostata identifizieren – tatsächlich lag der Anteil der korrekten Antworten bei Frauen höher als bei Männern (28 % bzw. 22 %). Bedenklicherweise glaubten 54% der befragten Männer, dass Frauen eine Prostata haben.

Erektile Dysfunktion und Inkontinenz noch immer Tabuthemen

Die Prävalenz von erektiler Dysfunktion (ED) in Europa bei sexuell aktiven Männern im Alter von 50 Jahren und darüber wird auf etwa 50 % geschätzt. Dennoch handelt es sich um ein Tabuthema, bei dem Missverständnisse und Unkenntnis vorherrschen. 75 % der Befragten hatten keine Vorstellung von der Anzahl der von erektiler Dysfunktion Betroffenen in ihrem Land. Gleichfalls war es 85 % der Befragten unbekannt, wie viele Menschen in ihrem Land an Harntraktproblemen leiden.

„Partner sollten an Gesundheitsproblemen bei Männern Anteil nehmen“, erklärte Prof. van Poppel. „Frauen sind eher dafür sensibilisiert, ihren Körper zu untersuchen. Sie sollten Männer dazu ermutigen, es ihnen gleichzutun und ihre Gesundheit genauer im Blick zu behalten. Sie sollten aktiv an Konversationen mit ihren männlichen Partnern und ihren Ärzten teilnehmen.“

Internationale Unterschiede in der Bekanntheit von Hodenkrebs

Hodenkrebs ist die häufigste Krebsart bei jüngeren Männern. Die Umfrage zeigte jedoch, dass es nur 18 % der männlichen Befragten bekannt war, dass das Risiko im Alter von 16 bis 44 am höchsten ist. Derweil die Bekanntheit dieser Tatsache in ganz Europa nicht sehr ausgeprägt war, zeigten sich doch starke Unterschiede zwischen den Ländern; in Spanien lag die Zahl der korrekten Identifizierung der Risikogruppe bei 10 %, in Großbritannien bei 27 %.

Auch die Bekanntheit der Symptome war nicht sehr ausgeprägt: 70 % der befragten Männer waren sich bei der Erkennung der Symptome von Hodenkrebs nicht sicher – dabei kann es sich um eine Schwellung oder einen Knoten in einem Hoden oder einen dumpfen oder stechenden Schmerz in Hoden oder im Skrotum handeln.

Deutliche Verzögerung eines Arztbesuchs

Die Erkennung der Symptome ist der wichtigste Faktor für eine frühzeitige Diagnose urologischer Erkrankungen. Die Mehrzahl aller Todesfälle aufgrund von Krebserkrankungen von Männern sind darauf zurückzuführen, dass die meisten Männer nicht rechtzeitig auf die Erkrankungen eingehen. Und dennoch ignorieren Männer weiterhin ihre Symptome und zögern einen Arztbesuch hinaus.

Die Umfrage zeigte, dass 43 % der Befragten nicht sofort zum Arzt gehen würden, wenn sie Blut im Urin bemerkten, 23 % würden im Falle eines verstärkten Harndrangs länger als einen Monat warten, 28 % würden bei brennendem oder schmerzendem Harnlassen erst nach mehr als einer Woche einen Arzt aufsuchen, und lediglich 17 % würden Schmerzen im Unterleib mit einem ernsthaften urologischen Problem in Verbindung bringen.

Manfred Wirth, Professor für Urologie und Vorstandsmitglied der EAU, erklärte: „Urologische Erkrankungen sind außerordentlich verbreitet; sie verursachen starke Beschwerden und können mitunter lebensbedrohlich sein. In Europa ist es an der Zeit, die Einstellungen zur Urologie zu ändern und in Aufklärungskampagnen zu investieren, um das Bewusstsein für urologische Erkrankungen zu schärfen und Tabus zu brechen.“

Über die Befragung

Bei der neuen Untersuchung im Auftrag der European Association of Urology (EAU) zur Vorstellung im Rahmen der Urology Week (24.-28. September) wurden mehr als 2.500 Menschen in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien zu einer Reihe von urologischen Erkrankungen bei Männern befragt. Die Umfrage wurde von Censuswide durchgeführt und mit Unterstützung von Boston Scientific finanziert.

Aufschlüsselung der 2.575 Befragten pro Land:

Frankreich: 529 (Daten aus 7 Regionen)
Deutschland: 507 (Daten aus 16 Regionen)
Italien: 520 (Daten aus 20 Regionen)
Spanien: 514 (Daten aus 17 Regionen)
GB: 505 (Daten aus 12 Regionen)

Zeitraum der Erhebung: 30. und 31. Juli 2018

 

Literatur:

1. Urology Awareness Survey. 2018. EAU. [Durchgeführt im Juli 2018]
2. ECIS - European Cancer Information System. 2018. Incidence and Mortality Estimates. Verfügbar unter: ecis.jrc.ec.europa.eu. [Letzter Zugang 22. August 2018].
3. EAU-Leitlinien


Quelle: EAU/Boston Scientific