Studie

Genexpressionstest erkennt Brustkrebs im Frühstadium

Für Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium, die Oncotype DX Breast Recurrence Score Werte von 11 bis 25 aufweisen, kann nun sehr präzise bestimmt werden, ob sie von einer Chemotherapie profitieren werden oder nicht.

Brustkrebs

Viele Brustkrebspatientinnen erhielten bisher ‚prophylaktisch‘ eine Chemotherapie. | Axel Kock/Fotolia

Die lange erwarteten Ergebnisse der größten Studie zur Behandlung von Brustkrebs, zeigen, dass der Oncotype DX Breast Recurrence Score-Test 70 Prozent der Brustkrebspatientinnen im Frühstadium identifizieren kann, die nicht von einer Chemotherapie profitieren und allein mit einer endokrinen Therapie effektiv behandelt werden können. Zusätzlich erkannte der Genexpressionstest die 30 Prozent der Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium, für die eine Chemotherapie lebensrettend sein kann. TAILORx wurde vom National Cancer Institute (NCI) gefördert und von der Krebsforschungsgruppe ECOG-ACRIN Cancer Research Group (ECOG-ACRIN) durchgeführt.

Genexpressionsdiagnostik

Der Bundesverband Deutscher Pathologen und die BKK·VBU haben einen Selektivvertrag zu Genexpressionsdiagnostik für die Therapieentscheidung bei Brustkrebspatientinnen abgeschlossen. Damit steht diese Diagnostik nun auch gesetzlich versicherten Patientinnen zur Verfügung.

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Die TAILORx-Ergebnisse wurden am Sonntag in der Fachzeitschrift The New England Journal of Medicine veröffentlicht und gleichzeitig in der Plenarsitzung der Jahrestagung 2018 der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago vorgestellt.

„TAILORx liefert eine eindeutige Antwort auf die Frage, wie Frauen mit Oncotype DX Recurrence Score Werten von 11 bis 25 und von 0 bis 10 behandelt werden sollten“, sagte der Hauptautor Dr. Joseph A. Sparano, stellvertretender Leiter für klinische Forschung am Albert Einstein Cancer Center und Montefiore Health System in New York City sowie Vizevorsitzender der ECOG-ACRIN Cancer Research Group. „Die Ergebnisse bieten ein bisher nicht erreichtes Maß an Genauigkeit und ein Höchstmaß an klinischer Evidenz. Sie sprechen klar dafür, diesen Test als Entscheidungshilfe einzusetzen, wenn bei dieser Population von Patientinnen, die etwa die Hälfte aller Brustkrebsfälle ausmacht, über eine adjuvante Chemotherapie entschieden wird.“

Indikation für eine Chemotherapie mit sehr viel höherer Präzision

„Die Publikation der TAILORx-Daten ist definitiv ein Meilenstein in der Geschichte der adjuvanten Therapie des Brustkrebses. Wir können nunmehr beim hormonsensiblen Brustkrebs die Indikation für eine Chemotherapie mit sehr viel höherer Präzision stellen, als es bislang der Fall war. Den meisten Patientinnen mit Tumoren ohne Lymphknotenbefall können wir ohne Sicherheitsbedenken eine Chemotherapie ersparen“, so Prof. Dr. Ulrike Nitz, Leiterin des Brustzentrums Niederrhein am evangelischen Krankenhaus Bethesda Mönchengladbach.

Ungefähr 50 Prozent aller Patientinnen, bei denen jedes Jahr weltweit Brustkrebs diagnostiziert wird, leiden an hormonrezeptorpositivem, HER2-negativem, nodal-negativem Krebs. Die TAILORx-Studie legt eindeutig dar, dass etwa 70 Prozent dieser Patientinnen eine Chemotherapie erspart werden kann, darunter allen Frauen über 50 Jahren mit Breast Recurrence Score Ergebnissen von 0 bis 25 und allen Frauen bis 50 Jahren mit Breast Recurrence Score Ergebnissen von 0 bis 16.

Wichtig ist dabei, dass 30 Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium von einer Chemotherapie profitieren. Unter diesen 30 Prozent sind Frauen jeden Alters mit Breast Recurrence Score-Ergebnissen von 26 bis 100 und Frauen unter 50 Jahren, bei denen bei Breast Recurrence Score Ergebnissen von 16 bis 20 ein bescheidener Nutzen (2 Prozent) der Chemotherapie beobachtet wurde, welcher mit dem Anstieg des Scores bis und über 25 schrittweise zunahm.

Vielen Frauen kann eine Chemotherapie erspart bleiben

„Die neuen TAILORx-Daten können für die große Mehrheit der deutschen Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium Gold wert sein: Viele von diesen Patientinnen erhielten bisher ‚prophylaktisch‘ eine Chemotherapie. Bei ihnen war unklar, ob eine Chemotherapie helfen wird – oder ob die Patientinnen lediglich deren Nebenwirkungen und Folgeschäden ohne zusätzlichen Nutzen in Kauf nehmen müssen“, kommentierte PD Dr. Marc Thill, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Frankfurter Agaplesion Markus Krankenhaus.

„Mit den prospektiven Daten aus dieser großen internationalen Studie wissen wir jetzt, dass Patientinnen unter 50 Jahren mit einem mittleren Oncotype DX Testergebnis bis zu einem Recurrence Score von 16 eine Chemotherapie vermeiden können, Frauen über 50 Jahren sogar bis zu einem Recurrence Score von 25 – ohne dadurch das Behandlungsergebnis wesentlich zu beeinträchtigen. Außerdem haben wir dank der Studie nun auch zuverlässige Daten, die über einen Beobachtungszeitraum von fünf Jahren weit hinausgehen. Ich hoffe sehr, dass diese positive Datenbasis auch in die anstehende Erstattungsentscheidung des G-BA einfließen wird.“

 

Literatur:

1. EUCAN. 2012. Verfügbar auf: eco.iarc.fr/EUCAN/CancerOne.aspx?Cancer=46&Gender=2
2. Lux MP, Nabieva N, Hildebrandt T, Rebscher H, Kümmel S, Blohmer JU, Schrauder MG. Budget impact analysis of gene expression tests to aid therapy decisions for breast cancer patients in Germany. Breast. 2017 Nov 9;37:89-98. doi: 10.1016/j.breast.2017.11.002. [Epub ahead of print]



Quelle: Genomic Health, 05.06.2018