Bürgerforschungsprojekt

Gedächtnisforschung per App

Mithilfe einer unentgeltlichen App können nun auch wissenschaftliche Laien zur Erforschung des Gedächtnisses beitragen. Die App ist Teil des Bürgerforschungsprojekts „Gemeinsam Gedächtnis erforschen - welche Faktoren beeinflussen unsere Merkfähigkeit im Alltag“.

Gedächtnis

Abgebildet ist die neue neotiv-App. | DZNE/Hellen Walther

Mit der App für Smartphones und Tablets (Android und iOS) können Teilnehmerinnen und Teilnehmer regelmäßig kognitive Tests und Gesundheitsfragebögen durchführen. Aus der Grundlagenforschung ist bekannt, dass sich Lebensstilveränderungen und gesundheitliche Faktoren auf unsere Gedächtnisleistung auswirken. Um diese Einflüsse besser verstehen zu können, müssen kognitive Funktionen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden.

Hippocampus

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„Durch den Einsatz einfach zugänglicher und digitaler Anwendungen in der Forschung können ganz neue Fragestellungen angegangen werden“, sagt Prof. Emrah Düzel, Sprecher des Standortes Magdeburg vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und Mitgründer von neotiv. „Forschung wird spielerisch in den Lebensalltag der Bevölkerung integriert, und es können Informationen gewonnen werden, die vorher nicht zugänglich waren. So ist es beispielsweise schwer, die Auswirkungen einer Erkältung auf Kognition und Gedächtnis im klinischen Umfeld kontrolliert zu beobachten.“

Von der App werden zum Beispiel Bilder angezeigt und man wird aufgefordert, sich die Position der dargestellten Objekte zu merken. „Unsere Tests basieren auf neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung. Die App ist allerdings kein Instrument der Selbstdiagnose. Die App macht keine Aussagen über etwaige Gedächtnisprobleme“, betont Düzel.

Wöchentliche Gedächtnistests

Der innovative Ansatz des Projektes vereint auf einmalige Weise Grundlagenforschung, Erkenntnisse aus klinischen Studien und die Digitalisierung der Medizin. Er ermöglicht darüber hinaus die Interaktion mit Bürgerinnen und Bürgern. Darüber hinaus spielen auch Interessen der Nutzer und die Aufklärung und Sensibilisierung für Risikofaktoren der Alzheimer-Demenz, als eine der Volkskrankheiten unserer Zeit, eine wichtige Rolle. Das Projekt leistet einen Beitrag dazu, dass langfristig Methoden zur Vorsorge und Frühdiagnostik verbessert werden können.

Nach Installation der App können Nutzer wöchentlich Gedächtnistests durchführen. Diese Tests stammen aus aktuellen Forschungsarbeiten, dauern circa 10 Minuten und werden durch Gesundheitsfragebögen ergänzt. Alle Daten und Messwerte werden anonymisiert und nach neuesten Datenschutzrichtlinien behandelt. Die Daten werden vom DZNE und dem Institut für Kognitive Neurologie und Demenzforschung (IKND) als wissenschaftliche Projektpartner ausgewertet.

 

Quelle: DZNE, 21.02.2019