Netzwerk

Frühe Hilfen für überforderte Eltern

Ärzte, Psychotherapeuten und Jugendhilfe in Hessen gehen gemeinsam gegen Kindeswohlgefährdung vor.

Kindeswohlgefährdung

Kindern und ihren Eltern muss möglichst frühzeitig Hilfe und Unterstützung zukommen. | Fotolia/mickey

Kindeswohlgefährdung und -vernachlässigung wirksam vorbeugen – dies ist erklärtes Ziel aller Akteure aus Politik, Gesellschaft und Gesundheitswesen. In Hessen fand dazu am 18. November in den Räumen der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) in Frankfurt der Fachtag „Etablierung interprofessioneller Qualitätszirkel Frühe Hilfen in Hessen“ statt.  

Teilnehmer waren zahlreiche interessierte Ärzte und Psychotherapeuten, Akteure aus den Netzwerken Frühe Hilfen sowie Vertreter von Verbänden, Kammern und sonstigen Institutionen. Die Pläne für Hessen erläuterte Eckhard Starke, stellvertretender Vorsitzender der KVH-Vertreterversammlung: „Unser Projekt zielt darauf ab, die Zusammenarbeit zwischen den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten sowie den Mitarbeitern der Jugendhilfen und den Akteuren aus den Netzwerken Frühe Hilfen zu intensivieren

Dies soll in Form interprofessioneller Qualitätszirkel gelingen. Die Teilnehmergruppe setzt sich gleichermaßen aus Beteiligten der beiden Sektoren Gesundheitswesen und Jugendhilfe zusammen. Inhaltlich können mit Hilfe der Methodik ‚Familienfallkonferenz‘ Fälle interprofessionell besprochen und diskutiert werden, so dass ein Mehrwert für alle Beteiligten entsteht.“

"Eltern fühlen sich häufig überlastet"

Und so konnten sich denn auch alle Besucher des Fachtags über die Aufgaben der „Frühen Hilfen“, die Bedeutung einer funktionierenden Schnittstelle zwischen Jugendhilfe und Gesundheitswesen und die Methodik der Familienfallkonferenz, deren Projektaufbau und den Stand der Umsetzung informieren.

In seiner Begrüßung hob der hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner die Notwendigkeit solcher Hilfen hervor: „Während der Schwangerschaft oder nach der Geburt eines Kindes sind Familien mit einer völlig neuen Situation konfrontiert. Oft fühlen sich Eltern in dieser neuen Lebensphase erschöpft oder auch überlastet. Neben dem Neugeborenen müssen eventuell zusätzlich ein oder mehrere Geschwisterkinder versorgt werden und der normale Alltag ist nebenbei auch noch zu bewältigen.

Hier haben sich Frühe Hilfen zu einem festen Bestandteil der hessischen Familienpolitik entwickelt. Kindern und ihren Eltern muss möglichst frühzeitig Hilfe und Unterstützung zukommen. Fachkräften aus dem Gesundheitsbereich kommt dabei eine Schlüsselfunktion zu. Viele Träger bieten zudem an, zu den Familien nach Hause zu kommen. Familienhebammen, Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen oder Ehrenamtliche unterstützen die Familien zu Hause.“

 

Zum Hintergrund

Frühe Hilfen sind regionale Unterstützungssysteme mit koordinierten Hilfestellungen, um die Versorgung von werdenden Eltern sowie Eltern mit Kindern der Altersgruppe null bis drei Jahre in Problemlagen zu verbessern und Kindeswohlgefährdung sowie Vernachlässigung effektiv zu begegnen. Sie sind der primären Prävention zuzuordnen, das heißt, dass die Familien durch Aufklärung, Anleitung und Beratung befähigt werden sollen, ihre Lebensbedingungen selbstständig in die Hand zu nehmen, um ungünstigen und negativen Entwicklungen vorzubeugen. Die Beziehungs- und Erziehungskompetenzen von Familien sollen gefördert werden. 2007 wurde das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend gegründet. Das NZFH sitzt in Köln und steht unter der Trägerschaft der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut.


Quelle: KV Hessen, 21.11.2016