Gesundheitswesen in Ecuador

Faszinierendes Ecuador

Ecuador, das Land am Äquator im Nordwesten Südamerikas, ist ein Beispiel für die zielstrebige Entwicklung eines Entwicklungslandes bei relativ stabilen innenpolitischen und wirtschaftlichen Verhältnissen, wie man sie auch in der „Schweiz Südamerikas“, in Uruguay, findet.

Faszinierendes Ecuador

Zahnklinik in der Altstadt von Quito | Für alle: © H.-J. Thiel

Seit 2016 befindet sich das Land in einer moderaten Rezession, als erdölförderndes Land bedingt durch den rückläufigen Ölpreis und generell auch die Abschwächung der Konjunktur in gesamt Südamerika.

Mit der Verfassung von 2008 wurde der Staat verpflichtet, den Bürgern einen kostenlosen Zugang zur ärztlichen Behandlung und zu Medikamenten zu garantieren. Zwischen 2008 und 2016 investierte die Regierung mehr als 15 Milliarden US-Dollar, offizielle Währung des Landes seit 2000. Die Zahl der Fachkräfte im staatlichen Gesundheitswesen stieg auf 33.000. 2008 lag die Zahl bei etwa 11.000. Die Gehälter wurden ebenfalls erhöht. Es wurde ein öffentliches Gesundheitsnetz aufgebaut. Für alle Arbeitnehmer ist der Beitritt in das Allgemeine Ecuadorianische Sozialversicherungsinstitut obligat, Familienmitglieder sind seit 2010 kostenlos mitversichert.

Farbenfroher Eingangsbereich eines kleinen kommunalen Krankenhauses in Puerto Ayora, Isla Santa Cruz, Galapagos

In Ecuador können auch alle Menschen ohne Identifikation und unabhängig von ihrer Nationalität ein staatliches Krankenhaus zur Behandlung aufsuchen. Die technische und personelle Ausstattung der öffentlichen Einrichtungen bleibt in der Qualität und auch Quantität allerdings hinter den privaten Instituten zurück. Das gilt ebenfalls für die bauliche Struktur. Die Kooperation zwischen den staatlichen und privaten Organisationen sowie Einrichtungen läuft jedoch nicht problemlos. Die privaten Praxen und Ärztehäuser sowie Kliniken sind mit der technischen Ausstattung, der Qualifikation des Personals und dem Ambiente auf westlichem Stand.

Präsidentenpalast in Quito

Inzwischen arbeiten viele ausländische, auch deutsche Ärzte und deutsches Personal in Ecuador. Die spanische Sprache muss in Wort und Schrift sicher beherrscht werden. Wer als Ausländer in Ecuador arbeiten möchte, erhält bei entsprechender Qualifikation in der Regel zunächst für zwei Jahre eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, die nach Ablauf der Frist unter der Voraussetzung eines gesetzeskonformen Verhaltens unbefristet verlängert wird. Gerade deutsche Fachkräfte sind sehr willkommen und werden bei ihrer Integration unterstützt.

Der weltbekannte Cotopaxi in der Morgendämmerung

Für die rund 17 Millionen Ecuadorianer hat sich die wirtschaftliche und gesundheitspolitische Situation in den letzten Jahren verbessert. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre, nur sieben Prozent älter als 65. Die Lebenserwartung für Frauen liegt bei 79, für Männer bei 73. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts registriert man eine zunehmende Bevölkerungswanderung in die Großstädte, insbesondere nach Quito (rund drei Millionen Einwohner) und in das Küstenzentrum Guayaquil. Etwa sechs Prozent der Bevölkerung sind europäischer Abstammung, vorrangig aus Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz. In den letzten Jahren nahm die Migration aus dem asiatischen Raum, insbesondere aus China, zu. Mit 83 Prozent hat der Katholizismus unter den Religionen im Land Priorität. Allerdings werden vom Staat alle Religionen akzeptiert, und die Religionsfreiheit ist in der Verfassung von 1998 verankert.

Hafenimpression von Puerto Ayora, Galapagos

Das Bildungssystem schreibt eine Schulpflicht für alle Kinder bis zur sechsten Klasse vor, der Besuch weiterführender Schulen und Universitäten ist allerdings kostenintensiv, selbst wenn die Zahlungen für die Primar- und Sekundarstufe von der Regierung getragen werden. Es fehlen auch zahlreiche gut ausgebildete Fachkräfte und Akademiker.

Riesenschildkröte in Santa Rosa, Galapagos

Generell können die Ecuadorianer als freundliche und entgegenkommende Menschen angesehen werden, die auch gerne feiern. Besucher sind im ganzen Land willkommen, und die Verständigung klappt meist, auch mit „Händen und Füßen“. Die entspannte Atmosphäre ist selbst im verkehrschaotischen Quito zu spüren. Touristisch hat das Land auf relativ engem Raum unglaublich viel zu bieten, von den Galapagosinseln im Südpazifik hin zu den Anden mit vielen, auch aktiven Vulkanen und dem Regenwald des Amazonasstromgebietes. Es ist vollumfänglich eine Reise wert, für die man jedoch mindestens drei Wochen einplanen sollte. Günstige Quartiere findet man im ganzen Land, und das vielfältige kulinarische Angebot entschädigt für manche kleine Unvollkommenheit, die durch die Liebenswürdigkeit der Menschen allemal ausgeglichen wird.

Im Regenwald des Amazonasgebietes

 

Entnommen aus MTA Dialog 12/2018