ALM fordert ressourcenorientierten Einsatz der SARS-CoV-2-Tests

Fachärztliche Labore - Seit Anfang März über 400.000 Coronavirus-Tests

Die Corona-Pandemie stellt das deutsche Gesundheitswesen und die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Der ALM e.V. fordert die Sicherung der Leistungsfähigkeit medizinischer Labore während der aktuellen Pandemie-Phase – die Richtlinien des RKI und der EU sollten eingehalten werden.

SARS-CoV-2-Tests

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Insbesondere die fachärztlichen Labore arbeiten laut ALM e.V. mit Hochdruck jeden Tag - zum Teil im Dreischichtbetrieb - daran, die steigenden Anforderungszahlen von Tests auf das Coronavirus SARS-CoV-2 zu bewältigen. Dafür habe es in der gestrigen Pressekonferenz des Bundesgesundheitsministeriums auch viel Anerkennung von Minister Jens Spahn gegeben: „Im Vergleich zu anderen Ländern haben wir einen echten Mehrwert dadurch, dass wir so große Laborkapazitäten haben“, so der Bundesgesundheitsminister. „Wir schaffen bis heute eine sehr hohe Testzahl in der Woche.“

In der KW 12 mehr als 260.000 Tests

Seit Ausbruch des Coronaviruses in Deutschland arbeiten alle und insbesondere auch die Akkreditierten Labore in der Medizin daran, die Patientenversorgung mit der erforderlichen und notwendigen Labordiagnostik sicherzustellen. Dr. Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM e.V., erklärt: „Bereits im Februar haben wir eine Abfrage zu Tests und Kapazitäten bei allen Mitgliedslaboren des ALM e.V. aufgesetzt, die wöchentlich montags aktualisiert wird. Dieser Abfrage haben sich in der vergangenen Woche viele weitere Labore angeschlossen, zusammen wurden allein in der KW 12 mehr als 260.000 Tests auf Coronavirus SARS-CoV-2 durchgeführt.“

Der Ausschuss für biologische Arbeitsstoffe (ABAS) hat auf Grundlage der vorhanden epidemiologischen Daten SARS-CoV-2 mit Beschluss vom 19.02.2020 aus präventiver Sicht vorläufig in die Risikogruppe 3 nach Biostoffverordnung eingestuft.

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Seit Anfang März mehr als 400.000 Tests

Insgesamt waren es laut ALM e.V. seit Anfang März mehr als 400.000 Tests: Zahlen, die zeigen sollen, wie leistungsfähig Deutschland im fachärztlichen Labor ist - auch und ganz besonders im Vergleich zu immer wieder zitierten Zahlen aus Südkorea. So befand sich laut aktueller ALM-Datenerhebung für die KW 12 die Tageskapazität auf einem Niveau von knapp über 58.000 Tests pro Tag. „Aus unserer Sicht ist eine ausreichende Testung möglich, sofern die RKI-Richtlinien für die Testindikation eingehalten werden und die Lieferkette seitens der Hersteller für Test-Reagenz und Laborverbrauchsmaterial funktioniert“, betont Dr. Michael Müller, Facharzt für Laboratoriumsmedizin.

Lieferung von Reagenzien und Zubehör sicherstellen

Auch Bundesgesundheitsminister Spahn verwies bei der Pressekonferenz auf die Bedeutung einer funktionierenden Lieferkette: „Engpässe entstehen im Moment an anderer Stelle - bei Reagenzien und Zubehör. Und zwar nicht, weil wir so viel mehr testen, sondern weil der Rest der Welt auch anfängt, viel umfangreicher zu testen.“ Darüber hinaus betonte der Bundesgesundheitsminister, wie wichtig es sei, Richtlinien im Zusammenhang mit der Testung einzuhalten: „Wir müssen uns schon die Frage stellen, wer wann idealerweise getestet werden soll“, betonte er auf der gestrigen Pressekonferenz. Bei begrenzten Kapazitäten, so der Minister, müsse man genau festlegen, bei wem eine Testung angezeigt ist. Darüber wolle er nochmals mit den Experten sprechen.

Wird zu breit getestet?

Die Auswertung des ALM e.V. könne hierfür eine gute Gesprächsgrundlage sein: Die Datenanalyse zeige, dass die relative Anzahl positiv getesteter Menschen in vielen Regionen noch immer weit unter 10 Prozent liege. Das, so die Mitglieder des ALM e.V., sei ein Hinweis darauf, dass zu breit getestet wird und mehr Fokus auf besondere Gruppen wie z. B. Risikopatienten/-innen oder Menschen mit auf die COVID-19-Infektion hinweisenden Symptomen gelegt werden solle.

Forderung: Richtlinien unbedingt einhalten

Der ALM appelliert deshalb - wie die Fachexperten auf Bundes- und Landesebene - an Ärzte/-innen in Praxis und Klinik, die Indikationsstellung kritisch zu überprüfen und die Richtlinien des RKI und der EU-Kommission zu berücksichtigen. Denn nicht indizierte Abstriche blockierten überlebensnotwendige Kapazitäten. Keinesfalls sollte aus Sicht der Akkreditierten Labore in der Medizin eine fachärztlich ungeprüfte Selbsttestung von Patienten/-innen verfolgt werden. Und schließlich dürfe man auch in Krisenzeiten wie diesen nicht all diejenigen Patienten/-innen vergessen, die auf andere lebenswichtige Labordiagnostik angewiesen sind. „Nur, wenn wir als Ärzte in dieser Phase solidarisch alle Ressourcen angemessen einsetzen, kommen wir gut durch die Pandemie“, mahnt der Facharzt für Laboratoriumsmedizin Dr. Michael Müller.


Quelle: ALM e.V.