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Erster Affenpockenfall in Deutschland

Zahlen nehmen weltweit deutlich zu
lz
Affenpocken
Dieses Bild von 1997 entstand während einer Untersuchung eines Ausbruchs von Affenpocken, der in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) stattfand. CDC/ Brian W.J. Mahy, BSc, MA, PhD, ScD, DSc, public domain
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Nun hat auch Deutschland seinen ersten Affenpockenfall. Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München hat dies bestätigt.

Zuerst berichtet wurde über Fälle in UK. Erst Anfang Mai 2022 wurde im Vereinigten Königreich ein Fall von Affenpocken diagnostiziert, der nach einer Reise nach Nigeria aufgetreten war. Seither wurden in UK acht weitere Fälle von Affenpocken bei Personen ohne vorherige Reisen und ohne Kontakt zu bekannten reiseassoziierten Fällen diagnostiziert. Dabei handelt es sich um zwei Fälle in einer Familie sowie um sechs Fälle bei Männern, die sexuelle Kontakte mit anderen Männern angaben. Außer in der Familie und bei zwei der Männer sind keine Verbindungen der Fälle untereinander bekannt. Untersuchungen zu den Infektionsquellen sind angelaufen, betont das RKI.

Laut Leif Erik Sander von der Charité, sei die Affenpocken Situation ungewöhnlich dynamisch und mit Stand Freitagmorgen seien schon 108 Verdachtsfälle in 10 Ländern zu verzeichnen, so der Virologe auf Twitter. Er rechne aufgrund der langen Inkubationszeit mit einer weiteren deutlichen Zunahme der Fälle.

Affenpocken sind eine durch Affenpockenviren verursachte Viruserkrankung. Klinisch äußere sie sich vor allem durch Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie durch Hauteffloreszenzen, welche simultan die Stadien Macula, Papula, Vesicula und Pustula durchlaufen und letztlich verkrusten und abfallen, so das RKI. Folgen einer überstandenen Infektion seien Narbenbildung und selten auch Erblindung. Die Krankheit verlaufe i. d. R. milder als die klassischen Pocken (Variola-Virusinfektion), aber vor allem bei sehr jungen und/oder immungeschwächten Patientinnen und Patienten könne es gerade in Endemiegebieten auch zu schweren Verläufen und Todesfällen kommen. Eine mögliche Therapieoption, v. a. für immungeschwächte Patientinnen und Patienten, sei seit Januar 2022 auch in der Europäischen Union zugelassen (Tecovirimat), bisher aber nicht breit verfügbar, betont das RKI.

Bei der aktuellen Übertragung gibt es noch einige Fragezeichen: Auch die Übertragung von Pockenviren im Rahmen sexueller Handlungen sei möglich (für Vacciniavirus beschrieben). Problematisch: Weite Teile der Weltbevölkerung haben mittlerweile keinen durch die früheren Pockenschutzimpfungen vermittelten Impfschutz mehr. In afrikanischen Ländern, wie z. B. Nigeria, werden seit 2017 vermehrt Affenpockeninfektionen beim Menschen diagnostiziert, und reiseassoziierte Infektionen bei Nigeria-Rückkehrenden vor allem in UK.

Speziallabore, wie z. B. ZBS 1 am Robert Koch-Institut (RKI; Konsiliarlabor Pocken), bieten eine molekulare Diagnostik zur Identifizierung von Affenpockeninfektionen und Typisierung von Affenpockenviren an (Material: Kruste oder Vesikelflüssigkeit). Beratung zum klinischen Management ist jederzeit möglich über die Behandlungszentren des STAKOB (www.rki.de/stakob).

Auch die WHO betont, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch durch engen Kontakt mit Atemwegssekreten, Hautläsionen einer infizierten Person oder kürzlich kontaminierten Gegenständen erfolgen könne. Die Übertragung über Atemwegspartikel durch Tröpfchen erfordere aber normalerweise einen längeren persönlichen Kontakt, wodurch Gesundheitspersonal, Haushaltsmitglieder und andere enge Kontakte aktiver Fälle einem größeren Risiko ausgesetzt seien. Die längste dokumentierte Übertragungskette in einer Gemeinschaft sei jedoch in den letzten Jahren von sechs auf neun aufeinanderfolgende Infektionen von Mensch zu Mensch gestiegen. Die Sterblichkeitsrate von Affenpocken lag in der Allgemeinbevölkerung historisch zwischen 0 und 11 % und war bei kleinen Kindern höher. In letzter Zeit habe die Sterblichkeitsrate bei etwa 3-6% gelegen, so die WHO.

Infoseite der WHO: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/monkeypox

Quellen: WHO, RKI

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