Corona-Forschung

Ergebnisse der All-Corona-Care-Mitarbeiterstudie

Hauptziele der All-Corona-Care-Studie (ACC-Studie) am LMU Klinikum München waren, die Risikofaktoren für eine Coronavirus-Erkrankung (COVID-19) bei Beschäftigten im Gesundheitswesen in der Frühphase der Pandemie zu bestimmen und die Präventivmaßnahmen gegen die weitere Verbreitung des neuen Coronavirus, SARS-CoV-2, in Krankenhäusern zu bewerten.

All-Corona-Care-Mitarbeiterstudie

7.554 Mitarbeiter/-innen des LMU Klinikums nahmen an der ACC-Studie teil, was knapp zwei Dritteln des gesamten Personals entsprach. | Sherry Young – stock.adobe.com

Nach der ersten Welle der Pandemie wurde in der Querschnittsstudie im Frühsommer 2020 die sogenannte Seroprävalenz gegen das neue Coronavirus beim gesamten Personal des LMU Klinikums erfasst. Der Nachweis spezifischer Antikörper gegen SARS-CoV-2 diente hierbei als Indikator für eine durchgemachte Erkrankung. Mithilfe eines Fragebogens, der epidemiologische und COVID-19-spezifische Fragen enthielt, wurden Risikogruppen und -faktoren identifiziert, typische Symptome von COVID-19 charakterisiert und Maßnahmen zur Erkennung und Prävention einer Infektion bei den Beschäftigten bewertet.

COVID-19-Impfung

Mitarbeitende in Kliniken und Pflegeeinrichtungen zählten mit zu den ersten, die sich gegen COVID-19 impfen lassen konnten, so auch am Freiburger Universitätsklinikum. Wie häufig bei ihnen Nebenwirkungen auftraten und ob und wie häufig es dadurch zu Arbeitsausfällen kam, haben Mediziner nun im Rahmen einer Befragungsstudie ermittelt.

 

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7.554 Mitarbeiter/-innen des zweitgrößten Universitätsklinikums in Deutschland nahmen an der ACC-Studie teil, was knapp zwei Dritteln des gesamten Personals entsprach. Bei 2,2 % dieser Mitarbeitenden konnten Antikörper gegen SARS-CoV-2 als Hinweis auf eine Infektion nachgewiesen werden, ein leicht erhöhter Anteil im Vergleich zur Münchner Allgemeinbevölkerung (die im gleichen Zeitraum durchgeführte KoCo19-Studie des Tropeninstituts am LMU Klinikum ermittelte hierfür eine Seroprävalenz von 1,8 % in der Münchner Bevölkerung).

Erhöhtes Infektionsrisiko bei Beschäftigten mit Patientenkontakt

Durch eine multivariate statistische Analyse der Studiendaten konnten bestimmte COVID-19-Risikogruppen und -faktoren eindeutig identifiziert werden. So zeigte sich unter anderem ein erhöhtes Infektionsrisiko bei Beschäftigten in Berufen mit Patientenkontakt, insbesondere bei Personal auf COVID-19-Stationen und jenen, die in internistischen Kliniken arbeiteten.

Insgesamt waren männliche Mitarbeiter häufiger betroffen. „Der geschlechtsspezifische Unterschied in der Seroprävalenz könnte auf unbekannte zugrundeliegende Übertragungsmuster oder auf unterschiedliche Verhaltensweisen zurückzuführen sein“, erklärt Dr. Andreas Osterman, Erstautor der ACC-Studie und Virologe am Max von Pettenkofer-Institut der LMU München. „Der Unterschied könnte auch biologischen Ursprungs sein, wenn es Unterschiede in der immunologischen Reaktion oder der Schwere der Erkrankung zwischen den Geschlechtern gibt.“ (Aus Lancet Infect Dis. 2020 Dec; 20(12): 1401–1408.) Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, dass insbesondere Kranken- und Gesundheitspfleger/-innen ein erhöhtes Infektionsrisiko hatten. Die Arbeit als Krankenpflegepersonal erfordert engere und längere Patientenkontakte, was eine Erklärung für diese Steigerung sein könnte.

Heimarbeit verringerte das Ansteckungsrisiko nicht

Ergebnissen der ACC-Studie zufolge infizierte sich am LMU Klinikum vor allem medizinisches Personal, das über Hochrisikokontakte zu infizierten Patienten sowie zu Kolleginnen und Kollegen berichtete und – sogar in noch höherem Maße – außerhalb der Arbeit, im privaten Umfeld. Studienkoordinator Prof. Matthias Klein, Leiter der Zentralen Notaufnahme am LMU Klinikum in Großhadern, kommentiert hierzu: „Wir denken, dass der private Hochrisikokontakt insgesamt noch länger und intensiver und dadurch auch ansteckender sein könnte als die berufliche Exposition zu COVID-19-Patienten.“