8. Oppenheim-Förderpreis

Erforschung der Multiplen Sklerose

Dr. Tobias Volker Lanz, Mannheim, erhält den Preis in der Kategorie „Präklinik“ (lipid-spezifische Autoantikörper ) und in der Kategorie „Klinik“ gewinnt Dr. Viola Pongratz, München, mit ihrer Arbeit zu langsam expandierenden Läsionen bei der Multiplen Sklerose.

Verleihung des 8. Oppenheim-Förderpreises

Verleihung des 8. Oppenheim-Förderpreises für Multiple Sklerose am 21. September 2017 anlässlich des 90. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Leipzig.* | Novartis

Die Erforschung der Multiplen Sklerose (MS) gleicht einem noch unvollständigen Puzzle: Trotz vieler Fortschritte in den vergangenen Jahren bestehen nach wie vor Lücken, in denen wichtige Erkenntnisse zu den Patho¬mechanismen der autoimmunen degenerativen Erkrankung des ZNS fehlen. Der Oppenheim-Forschungspreis wurde im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DNG) in Leipzig verliehen. Die insgesamt 100.000 Euro Preisgeld gehen in der Kategorie „Präklinik“ an Dr. Tobias Volker Lanz von der Neurologischen Universitätsklinik Mannheim und in der Kategorie „Klinik“ an Dr. Viola Pongratz (geb. Biberacher) vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Mit dem Oppenheim-Förderpreis unterstützt Novartis bereits seit acht Jahren die MS-Forschung junger Wissenschaftler und den interdisziplinären Austausch mit dem Ziel, das Puzzle der MS Stück für Stück zu ergänzen.

Wissenschaftler der Hochschule Biberach

In einem von der Hochschule Biberach initiierten Forschungsprojekt entwickelt ein europäisches Konsortium eine innovative Technologie für eine verbesserte Behandlung von Multipler Sklerose (MS). Ein neues Verfahren soll Medikamente über die Nase direkt ins Gehirn transportieren.

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„Auch im achten Jahr freuten wir uns über zahlreiche Anträge mit stets zunehmender Qualität“, erklärt Prof. Lothar Färber, Medizinischer Direktor der Novartis Pharma GmbH. „Das zeigt, dass die Spuren des Querdenkers Oppenheim noch lange nicht ausgetreten sind und junge Wissenschaftler nach wie vor begeistert ihre kreativen Ideen in den wissenschaftlichen Diskurs einbringen.“

„Multiple Sklerose – forschen und verstehen“

Das weit gefasste Motto „Multiple Sklerose – forschen und verstehen“ fordert junge MS-Wissenschaftler und Forscher, innovative Projektideen einzureichen, im Sinne Oppenheims querzudenken sowie neue gedankliche und methodische Wege zu beschreiten. Ziel ist, sowohl das bisherige Wissen über die Ursache und die Entstehung der Krankheit zu erweitern als auch innovative Ansätze zu Diagnose und Therapie zu entdecken. Die Gewinner werden in einem zweistufigen Verfahren ermittelt: Zunächst bewertet ein unabhängiger interdisziplinärer Beirat die Projekte auf ihren Innovationsgehalt. Anschließend prüft das Kuratorium, bestehend aus Prof. Sven G. Meuth (Münster), Prof. Michael Platten (Heidelberg) und PD Dr. Timo Grimmer (München), die wissenschaftliche Kohärenz der Anträge sowie den Hintergrund der bisherigen Veröffentlichungen der Antragsteller. In diesem Jahr entschied sich das Kuratorium für die Förderanträge von Dr. Tobias Volker Lanz, Mannheim, sowie von Dr. Viola Pongratz, München.

Hochkomplex und klinisch relevant: die Gewinnerprojekte 2017

Mit seinem Forschungsvorhaben zu lipid-spezifischen Autoantikörpern in der Multiplen Sklerose überzeugte Dr. Tobias Volker Lanz von der Neurologischen Universitätsklinik Mannheim in der Kategorie „Präklinik“. Im Rahmen des Projekts sollen neue Lipid-Antigene identifiziert werden und ihre Funktion in der MS-Pathogenese aufgeklärt werden. Mittels einer neuartigen B-Zell-Sequenzierungstechnik konnten Antikörper aus Liquor und Blut von MS-Patienten detailliert beschrieben werden. Einige potenziell krankheitsauslösende Antikörper wurden selektiv ausgewählt und als monoklonale Antikörper rekombinant hergestellt. Ihnen können mithilfe immunologischer Methoden ihre spezifischen Antigene zugeordnet werden. Rein mit Serum- oder Liquorproben ist dies nur eingeschränkt möglich. Die Antikörper erlauben eine einfache und detaillierte Untersuchung der lipid-gerichteten B-Zell-Antwort, die in einem zweiten Schritt am Mausmodell geprüft wird. Die neu identifizierten Lipide könnten Einblicke in die Krankheitsentstehung liefern, als Biomarker dienen und möglicherweise neue Therapien begründen. Für die Jury ist der schlüssige Antrag insgesamt eine gelungene Projektidee, die mit ihrer hohen Komplexität und methodisch-technischem Anspruch zu neuen Therapien führen kann. Zudem füge sich das Vorhaben in die hochwertige Vorausbildung des Antragstellers ein.

Langsam expandierende Läsionen

Auch bei Dr. Viola Pongratz – Preisträgerin in der Kategorie „Klinik“ – war sich die Jury einig. Am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München wird sie langsam expandierende Läsionen bei der Multiplen Sklerose untersuchen. Ziel ist, bei MS-Patienten in verschiedenen Krankheitsstadien mittels zerebraler Magnetresonanz¬tomographie (MRT) zu analysieren, ob Zusammenhänge zwischen der Läsionsentwicklung und genetischen Varianten oder kernspin-tomographischen Markern der Neurodegeneration bestehen. Als Basis dient ein Datensatz von 240 Patienten in verschiedenen MS-Stadien, bei denen über 5 Jahre alle 12 Monate MRT-Aufnahmen des Schädels sowie klinische und neuropsychologische Tests durchgeführt wurden. Da bei der Mehrheit der Patienten bereits genotypische Daten vorliegen, ist die Korrelation zwischen Bildgebung und genetischen Markern möglich.

Histopathologische Biomarker in Korrelation zu MRT-Daten

Das Gremium lobt die umfangreichen Vorarbeiten von Pongratz sowie die hohen Fallzahlen des innovativen Projekts, das histopathologische Biomarker in Korrelation zu MRT-Daten bringen möchte. Bisher fehle ein solcher Biomarker, der die Progression bei fortschreitender MS anzeigt. Durch die Analyse-Software sei das Vorhaben zudem praktisch gut umsetzbar.

Beide Preisträger präsentieren ihre Forschungsprojekte beim Novartis Research Day MS am 25. und 26. Januar 2018 in Berlin.

Über den „Oppenheim-Förderpreis für Multiple Sklerose“

Der mit insgesamt 100.000 Euro dotierte Preis wurde erstmals im Jahr 2010 verliehen. Die Fördergelder des Oppenheim-Förderpreises werden ausschließlich für Forschungs¬zwecke eingesetzt. Sie werden zudem nur an die Institution ausgezahlt, an der das geförderte Projekt durchgeführt wird. Die finanzielle Förderung von Einzelpersonen ist explizit ausgeschlossen. Der Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung innovativer Forschungsprojekte junger Wissenschaftler im Bereich der Multiplen Sklerose und benachbarter Wissenschaften, sowohl im klinischen als auch im niedergelassenen Bereich. Zielsetzung des Oppenheim-Förderpreises ist die Verbesserung des Verständnisses hinsichtlich der Ursache, Epidemiologie, Diagnostik und Therapie der Erkrankung. Der Name des Preises lehnt sich an einen der wichtigsten Gründerväter der modernen naturwissenschaftlichen Neurologie – Hermann Oppenheim (1858–1919) – an. Er war einer der führenden Neurologen seiner Zeit und bekam große Aufmerksamkeit für seine Studien zur Multiplen Sklerose und für sein 1894 erschienenes Lehrbuch der Nervenkrankheiten. Er gehörte zudem zu den Gründern der „Gesellschaft Deutscher Nervenärzte“. Im letzten Jahr wurde der Oppenheim-Förderpreis an Frau Dr. Sarah-Christin Staroßom, Berlin, sowie an Herrn Dr. Benjamin Schattling, Hamburg, verliehen.

*Vorne mit Urkunde: Heinke Schieb für die Preisträgerin Dr. Viola Pongratz, Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, und Dr. Tobias Volker Lanz, Neurologische Universitätsklinik Mannheim. Zudem das Kuratorium: PD Dr. Timo Grimmer (hinten li.), Technische Universität München, Prof. Sven G. Meuth (hinten Mitte), Universität Münster, und Prof. Hans-Peter Hartung (re.), Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, sowie die Vertreter des Unternehmens Novartis (v. re.) Martina Gogeißl, Therapeutic Area Head Neuroscience, Dipl. med. Anne-Kathrin Adloff, Medical Scientific Manager, und Vera Giraud, Medical Scientific Manager.

Quelle: Novartis