IQWiG legt finale Fassung vor

Entscheidungshilfe Mammographie-Screening

Differenzierung nach Alter aufgegeben

Im Vorbericht hatte das Institut vorgeschlagen, Vor- und Nachteile der Mammographie getrennt darzustellen für die beiden Altersgruppen 50-59 und 60-69 Jahre. So sollte für die Frauen auch ableitbar sein, wie die Bilanz für eine Teilnahme über 20 Jahre ausfällt.

Im abschließenden Nutzertest zeigte sich einerseits, dass die Darstellung von Vor- und Nachteilen getrennt für die beiden Altersgruppen zwar von der Mehrzahl der Frauen positiv bewertet wurde. Allerdings waren nur relativ wenige Frauen in der Lage, anhand der Angaben selbst die Vor- und Nachteile über den gesamten Teilnahme-Zeitraum von 20 Jahren abzuleiten. Vor allem aus diesem Grund wurden in der finalen Version nun Schätzungen zu einer Teilnahme über 20 Jahre hinweg aufgenommen. „Wir haben auch eine Ergänzung der Darstellung für zwei Altersgruppen erwogen“, sagt Klaus Koch: „Allerdings hätte das zu einer Überfrachtung geführt. Wir haben deshalb die Darstellung für die beiden Altersgruppen gestrichen.“

Um die Unsicherheiten der Schätzungen deutlich zu machen, wurden die Angaben als Spannen formuliert. Demnach werden von 1.000 Frauen, die im Alter zwischen 50 und 69 regelmäßig an der Mammographie-Früherkennung teilnehmen, 2 bis 6 durch den Test vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt. Dem steht als wichtiger Nachteil gegenüber, dass 9 bis 12 von 1.000 Frauen eine sogenannte Überdiagnose erhalten.

Frauen finden Informationen zu Überdiagnosen wichtig

Mit dem Begriff Überdiagnose ist gemeint, dass bei einem Teil der Frauen Brustkrebs diagnostiziert wird, der ohne Früherkennungsuntersuchung nie aufgefallen und nie behandlungsbedürftig geworden wäre. Für diese Frauen wäre es also besser, wenn der Krebs gar nicht erst gefunden würde. Ein Grund: Es gibt kleine Tumore, die langsam oder gar nicht wachsen. Im Projekt bestätigte sich, dass viele Frauen noch nie von dieser Tatsache gehört hatten.

Überdiagnosen verständlich zu erklären, stellt eine Herausforderung dar. Auf Anregung der Frauen aus dem Nutzertest wurde ein grafisches Beispiel entwickelt, um diesen Nachteil besser zu beschreiben. Klaus Koch dazu: „Informationen zu Überdiagnosen sind aber bei allen Früherkennungsuntersuchungen wichtig, hier sehen wir einen grundsätzlichen Aufklärungsbedarf.“

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Den Vorbericht für dieses Projekt hatte das IQWiG im März 2016 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende des Stellungnahmeverfahrens, das auch eine mündliche Erörterung beinhaltete, wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht im September 2016 an den Auftraggeber versandt. Die eingereichten schriftlichen Stellungnahmen werden in einem eigenen Dokument zeitgleich mit dem Abschlussbericht publiziert. (IQWiG, red)

Hier geht es zum Abschlussbericht.