Behandlung von Herzrhythmusstörungen

Elektrophysiologische Untersuchungen ohne Röntgenstrahlung

In den elektrophysiologischen Laboren des Kepler Universitätsklinikums Linz (Österreich) stehen ab sofort modernste Technologien zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen zur Verfügung, wodurch es gelingt, in einer Vielzahl der Untersuchungen komplett auf Röntgenstrahlung zu verzichten.

Elektrophysiologische Untersuchungen

Elektrophysiologischer Eingriff bei einem Kind im Herzkatheterlabor am Med Campus IV | Kepler Universitätsklinikum

Weltweit leiden viele Millionen Menschen an Herzrhythmusstörungen, welche in hohem Maße Symptome verursachen, aber manchmal auch lebensbedrohend sein können. Mit einer medikamentösen Therapie gelingt in vielen Fällen eine Linderung der Symptome, jedoch oftmals keine Heilung der Erkrankung.

CT mit normalen Herzkranzgefäßen

In Deutschland werden jedes Jahr fast eine Million Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt. Eine in The BMJ publizierte Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin vergleicht die Computertomographie (CT) mit dem Herzkatheter bei Patienten mit untypischen Brustschmerzen und dem Verdacht auf eine KHK.

weiterlesen

In den letzten 30 Jahren hat sich die Verödung (Ablation) von Herzrhythmusstörungen mithilfe von Hitze oder Kälte durch spezielle Katheter im Herzen als erfolgreiche Therapie etabliert. In vielen Fällen gelingt es dadurch, das Wiederauftreten der Rhythmusstörungen lebenslang zu verhindern. Zusätzlich kann auf diese Weise oftmals eine nebenwirkungsreiche Therapie mit Tabletten vermieden werden.

Um bei der Ablation die genaue Steuerung der Katheter im schlagenden Herzen zu gewährleisten, wurde bisher Röntgenstrahlung verwendet. Diese stellt sowohl für die Patientinnen und Patienten als auch für die behandelnden Ärztinnen beziehungsweise Ärzte eine Belastung dar und kann das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen. Verwendete Schutzausrüstungen aus Blei haben zudem großes Gewicht und belasten die Wirbelsäule.

Virtuelle 3-D-Navigationssysteme

In den letzten Jahren wurden virtuelle 3-D-Navigationssysteme in die klinische Praxis eingeführt. Diese Systeme finden zur besseren Navigation der Katheter und zur Reduktion der Röntgenstrahlendosis während der Ablation von Rhythmusstörungen bereits Anwendung. Aufgrund der stetigen Zunahme der Genauigkeit dieser Verfahren ist es mit deren Unterstützung nun möglich, auf die Verwendung von Röntgenstrahlung (Fluoroskopie) ganz zu verzichten.

Prim. Priv.-Doz. Dr. Clemens Steinwender, Vorstand der Klinik Interne 1 – Schwerpunkt Kardiologie und internistische Intensivmedizin, freut sich: „Unser Rhythmus-Team rund um die Oberärzte Dr. Alexander Nahler und Dr. Hermann Blessberger hat diese Technik nun erfolgreich in unserem elektrophysiologischen Labor etabliert, wodurch es uns gelingt, in einer Vielzahl der Untersuchungen komplett auf Röntgenstrahlung zu verzichten. Dies sehe ich als besonderen Vorteil für unsere Patientinnen und Patienten sowie für unser Personal.“

An der Klinik für Kardiologie und Internistische Intensivmedizin (106 Betten) steht modernste High-Tech-Ausstattung mit zwei biplanen Koronarangiografien, einem elektrophysiologischen Labor mit einem NavX©- und einem Carto©-System sowie einem gemeinsam mit der Herzchirurgie genutzten Hybrid-OP zur Verfügung. Erstmalig in Österreich wurde diese „Zero-Fluoroskopie“-Technik auch bei Kindern bereits im Dezember 2017 am Kinderherz Zentrum Linz in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jan Janoušek, einem renommierten europäischem Kinderrhythmologen (Leiter des Kinderherzzentrums in Prag, Motol Universität), eingeführt.

Strahlenfreie Ablationen

„Seither ist es unser Ziel, Ablationen möglichst strahlenfrei durchzuführen.“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Gerald Tulzer, Vorstand der Klinik für Kinderkardiologie am Kepler Universitätsklinikum. Für ihn sowie für Dr. Christoph Prandstetter, leitender Oberarzt der Kinderrhythmologie am Kinderherz Zentrum, ist dieses neue Ablationsverfahren eine Herzensangelegenheit geworden: „Für unsere kleinen Patientinnen und Patienten können wir nun modernste elektrophysiologische Untersuchungsmethoden ohne Strahlenbelastung anbieten. Das ist gerade bei Kindern besonders wichtig, da ihr wachsender Organismus gegenüber Röntgenstrahlen empfindlicher ist als der von Erwachsenen!“

Für Herzkatheteruntersuchungen steht ein auf die Behandlung von Kindern mit angeborenen Herzfehlern spezialisiertes Herzkatheterlabor am Kepler Universitätsklinkum zur Verfügung. In diesem ist das elektrophysiologische Labor mit einem NavX©-System ausgestattet.


Quelle: Kepler Universitätsklinikum, 03.12.2018